Rufe nach Maßnahmenkatalog

DDG fordert: Werbung für Dickmacher bei Kinderernährung beschränken

Medizinische Fachgesellschaften kritisieren, dass ungesunde Lebensmittel zu sehr an Kinder beworben werden. Die Bundesministerin kontert.

Veröffentlicht:
Gesunde Ernährung für Kinder? Bei der Reduktion von Fetten und Zucker in Fertiglebensmitteln setzt die Bundesregierung bislang auf freiwillige Vereinbarungen der Industrie.

Gesunde Ernährung für Kinder? Bei der Reduktion von Fetten und Zucker in Fertiglebensmitteln setzt die Bundesregierung bislang auf freiwillige Vereinbarungen der Industrie.

© bluedesign / stock.adobe.com

Berlin. Die Selbstverpflichtungen der Lebensmittel- und Werbeindustrie in Deutschland, ungesunde Lebensmittel verantwortungsvoller an Kinder zu vermarkten, greifen noch sehr kurz. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Marktstudie der Verbraucherorganisation Foodwatch, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und medizinische Fachgesellschaften fordern deshalb, gesetzliche Werbebeschränkungen. „Die Bundesregierung ist mit ihrer Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung gescheitert“, kritisiert Barbara Bitzer am Mittwoch im Rahmen der Pressekonferenz von Foodwatch. Bitzer ist Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK).

Die Bundesregierung müsse sich daher von der Strategie der Freiwilligkeit verabschieden, so Bitzer. Sie plädiert für einen Maßnahmenkatalog, der unter anderem eine Steuerentlastung von gesunden Lebensmitteln, eine verbindliche Kennzeichnung aller Lebensmittel mit den Nutri-Score oder verbindliche Standards für die Kita- und Schulernährung umfasst.

Bislang setzt die Bundesregierung sowohl bei der Lebensmittelwerbung an Kindern als auch bei der Reduktion von Fetten, Zucker und Salz in Fertiglebensmitteln vor allem auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie.

Klöckner sieht Fortschritte

Die vorgestellte Foodwatch-Studie zeigte: Insgesamt enthalten nach wie vor 242 von 283 untersuchten Lebensmittel, die an Kinder vermarktet werden (85,5 Prozent) zu viel Zucker, Fett oder Salz. Sie sind nach Kriterien der Weltgesundheitsorganisation unausgewogen.

„Die Werbung für Lebensmittel hat schädliche Auswirkungen auf das Essverhalten von Kindern und Jugendlichen und fördert die Entstehung von Übergewicht“, erklärte Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit an der Kinderklinik der Universität München im Rahmen der Pressekonferenz.

Wie Bitzer forderte auch er „verpflichtende Werbebeschränkungen“. „Die Freiwilligkeit lässt vor allem sozial schwächere Familien und Kinder zurück“, kritisierte Koletzko. Die Krankheitslast durch ernährungsbedingte Krankheiten nehme weiter zu. „Wir wissen, was wir ändern müssen, aber wir ändern nichts“.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) betonte in einer Stellungnahme, bei der Erfüllung der Reduktionsziele niemanden aus der Verantwortung zu lassen. Eine Sprecherin verweist außerdem darauf, dass die Verhaltensregeln der Werbebranche zum 1. Juni 2021 verschärft wurden. Sollten sie sich als unzureichend erweisen, „werden wir uns für verstärkte staatliche Regulierung einsetzen“. (mu)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Stressfreie Blutabnahme

So lassen sich Schmerzen durch Nadelstiche bei kleinen Kindern mindern

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Dr. Kaske GmbH & Co. KG

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

© Bionorica SE

Phytoneering-Akademie

Praxisfall im Podcast: Atemwegsinfekt

Anzeige | Bionorica SE
Antibiotika – Fluch und Segen

© Bionorica SE

Podcast

Antibiotika – Fluch und Segen

Anzeige | Bionorica SE
Brauchen wir noch Antibiotika?

© deepblue4you | iStock

Content Hub

Brauchen wir noch Antibiotika?

Anzeige | Bionorica SE
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen