Doppelter Blick auf die Schilddrüse bei Alten lohnt

WIESBADEN (cin). Mit zunehmendem Alter nehmen morphologische Veränderungen der Schilddrüse zu - und es wird schwieriger, sonografisch zwischen gut- und bösartigen Veränderungen zu unterscheiden. Ein Spezialisten-Tipp: sehr genaues Schallen, die Anwendung von Farbduplex und die genaue Betrachtung der Umgebung mit der Suche nach vergrößerten Lymphknoten.

Veröffentlicht:

Je älter Patienten sind, desto häufiger finden sich bei der Sonografie etwa Zysten oder verkalkte Knoten. Zudem sind die Sonografie-Bedingungen meist schwierig. Die Gewebeschallbarkeit ist schlechter, wie Privatdozent Joachim Feldkamp aus Bielefeld sagte. "Viele Patienten sind adipös, können den Kopf schlecht drehen, oder ihnen wird beim Drehen des Kopfes schwindelig", so der Kollege beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Zudem seien multinodöse Strumen häufig. Auch regressive Veränderungen mit echoreichen Zonen seien nicht selten. Sein Tipp: genaues Schallen, die Anwendung von Farbdublex und genaue Betrachtung der Umgebung mit Suche nach vergrößerten Lymphknoten.

Eine weitere Besonderheit bei älteren Menschen sei, dass es häufig Autonomien in Knoten gebe. "Mit zunehmender Größe der Knoten und mit zunehmender Größe der Schilddrüse steigt auch das Autonomierisiko", so Feldkamp. Ein überwiegender Teil der Patienten mit Schilddrüsenautonomie sei älter als 50 Jahre. Feldkamp plädiert deshalb für ein Schilddrüsensceening ab dem 50. Lebensjahr. Für das Screening seien eine Tastuntersuchung und die TSH-Wert-Bestimmung sinnvoll.

Außer Autonomien nimmt auch die Rate von Schilddrüsenkarzinomen mit steigendem Alter zu. "Eine Ausnahme sind Patienten, deren Knoten schon lange bestehen. Sie haben ein eher niedriges Risiko für maligne Knoten", ist die Erfahrung von Feldkamp.

Ältere haben ein höheres Risiko als Junge, an Krebs zu sterben

Nach seinen Angaben werden sonst in bis zu 2,5 Prozent von Kröpfen und in bis zu 10 Prozent von kalten Knoten ein bösartiger Tumor gefunden. Und: Je älter die Patienten, umso höher ihr Risiko, an dem Krebs zu sterben.

Zur Differenzierung zwischen gut- und bösartigen Knoten ist die Sonografie wenig geeignet. "Die Echoarmut ist - obwohl das noch immer in den Köpfen vieler steckt - kein geeignetes Kriterium für Malignität", erinnerte Professor Klaus Mann aus Essen. Sonografische Kriterien für einen bösartigen Knoten seien Mikroverkalkungen, zentrale Perfusion und unscharfe Randbegrenzung. Ist das nicht erfüllt, sei zur Differenzierung eine Punktion oder Szintigrafie notwendig.

Mehr zum Thema

Parathyreoidektomie

Hyperparathyreoidismus: Operation kann vor Diabetes schützen

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Pipetten mit Flüssigkeiten im Labor.

© Alican/stock.adobe.com

Hoffnung durch KI & Co?

Drei neue Strategien gegen Pankreaskrebs

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Die Pressekonferenz zum DKK 2026 mit zahlreichen Menschen auf dem Podium.

© Peter-Paul Weiler, berlin-event-foto.de

DKK 2026

Immuntherapie bei Krebs: Komplexe Kombinationen gefragt

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Blick in den Darm mit einem Krebsgeschwür.

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe