Schilddrüsen-Erkrankungen

Doppelter Blick auf die Schilddrüse bei Alten lohnt

WIESBADEN (cin). Mit zunehmendem Alter nehmen morphologische Veränderungen der Schilddrüse zu - und es wird schwieriger, sonografisch zwischen gut- und bösartigen Veränderungen zu unterscheiden. Ein Spezialisten-Tipp: sehr genaues Schallen, die Anwendung von Farbduplex und die genaue Betrachtung der Umgebung mit der Suche nach vergrößerten Lymphknoten.

Veröffentlicht: 18.04.2007, 08:00 Uhr

Je älter Patienten sind, desto häufiger finden sich bei der Sonografie etwa Zysten oder verkalkte Knoten. Zudem sind die Sonografie-Bedingungen meist schwierig. Die Gewebeschallbarkeit ist schlechter, wie Privatdozent Joachim Feldkamp aus Bielefeld sagte. "Viele Patienten sind adipös, können den Kopf schlecht drehen, oder ihnen wird beim Drehen des Kopfes schwindelig", so der Kollege beim Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Zudem seien multinodöse Strumen häufig. Auch regressive Veränderungen mit echoreichen Zonen seien nicht selten. Sein Tipp: genaues Schallen, die Anwendung von Farbdublex und genaue Betrachtung der Umgebung mit Suche nach vergrößerten Lymphknoten.

Eine weitere Besonderheit bei älteren Menschen sei, dass es häufig Autonomien in Knoten gebe. "Mit zunehmender Größe der Knoten und mit zunehmender Größe der Schilddrüse steigt auch das Autonomierisiko", so Feldkamp. Ein überwiegender Teil der Patienten mit Schilddrüsenautonomie sei älter als 50 Jahre. Feldkamp plädiert deshalb für ein Schilddrüsensceening ab dem 50. Lebensjahr. Für das Screening seien eine Tastuntersuchung und die TSH-Wert-Bestimmung sinnvoll.

Außer Autonomien nimmt auch die Rate von Schilddrüsenkarzinomen mit steigendem Alter zu. "Eine Ausnahme sind Patienten, deren Knoten schon lange bestehen. Sie haben ein eher niedriges Risiko für maligne Knoten", ist die Erfahrung von Feldkamp.

Ältere haben ein höheres Risiko als Junge, an Krebs zu sterben

Nach seinen Angaben werden sonst in bis zu 2,5 Prozent von Kröpfen und in bis zu 10 Prozent von kalten Knoten ein bösartiger Tumor gefunden. Und: Je älter die Patienten, umso höher ihr Risiko, an dem Krebs zu sterben.

Zur Differenzierung zwischen gut- und bösartigen Knoten ist die Sonografie wenig geeignet. "Die Echoarmut ist - obwohl das noch immer in den Köpfen vieler steckt - kein geeignetes Kriterium für Malignität", erinnerte Professor Klaus Mann aus Essen. Sonografische Kriterien für einen bösartigen Knoten seien Mikroverkalkungen, zentrale Perfusion und unscharfe Randbegrenzung. Ist das nicht erfüllt, sei zur Differenzierung eine Punktion oder Szintigrafie notwendig.

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