Kommentar zur Brustkrebs-Studie

Gefahr im Intervall

Intervallkarzinome der Brust sind häufiger, als man glaubt – und ein Haupthindernis für einen durchschlagenden Screeningerfolg.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht: 06.10.2020, 15:31 Uhr

Das Mammografiescreening auf Brustkrebs hat trotz aller Erfolge mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Falsch positive Ergebnisse und Überdiagnostik sind zwei davon. Ein drittes und besonders gefürchtetes sind Intervallkarzinome – Brustkrebs also, der bei Screeningteilnehmerinnen nicht im Screening selbst, sondern nach einem vorangehenden negativen Befund noch vor der nächsten Screeningrunde diagnostiziert wird.

Eine Rarität sind solche Karzinome nicht, wie eine kanadische Studie gezeigt hat. Fast jede vierte Brustkrebserkrankung von Frauen, die sich am Mammografiescreening beteiligen, wird im Intervall klinisch manifest. War der vorangegangene Screeningbefund falsch negativ? Sind Intervallkarzinome prinzipiell von einer Beschaffenheit, die sie fürs Screening ungeeignet macht? Oder vergeht zwischen zwei Screeningrunden einfach mehr Zeit, als Intervallkarzinome zum Wachsen benötigen? Darüber lässt sich nur spekulieren.

Klar ist jedenfalls, dass Intervallkarzinome öfter tödlich verlaufen als im Screening entdeckter Krebs. Wie Forscher des niederländischen Krebsinstituts soeben auf der 12. Europäischen Brustkrebskonferenz berichtet haben, gilt das sogar dann, wenn die Screeningkarzinome die gleiche genetische Hochrisikokonstellation aufweisen, die häufiger bei Intervallkrebs zu finden ist.

Ähnliche Biologie, unterschiedliche Prognose: Einmal mehr zeigt sich hier, dass Brustkrebs keine homogene Tumorentität darstellt. Und dies dürfte dann auch eines der größten Hindernisse sein, die einem vollständig erfolgreichen Mammografiescreening entgegenstehen.

Schreiben Sie dem Autor: robert.bublak@springer.com

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