Problem-Implantate

Große Brüste können das EKG verwirren

Brustimplantate können nicht nur Männern den Kopf verdrehen, sondern auch die T-Wellen durcheinander bringen – so eine Studie aus Österreich. Das Silikon könnte der Störfaktor sein. Die Forscher haben allerdings auch Lösungen parat.

Von Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 13.07.2017, 05:01 Uhr
Große Brüste können das EKG verwirren

Elektroden zur EKG-Ableitung: Vor der Untersuchung sollte nach Implantaten gefragt werden.

© Csk Istvn / stock.adobe.com

WIEN. Bei Frauen, die Implantate in der Brust tragen, kann das EKG verrückt spielen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass insbesondere über der Vorderwand EKG-Veränderungen auftreten können, die eher nicht vom Herzen kommen.

In der bei der EHRA EUROPACE – CARDIOSTIM-Tagung in Wien vorgestellten Studie haben Kardiologen um Dr. Sok-Sithikun Bun insgesamt 28 Frauen mit Brustimplantaten und 20 Probandinnen ohne solche Implantate untersucht.

Bun praktiziert am Princess Grace Hospital in Monaco an der Côte d'Azur, mithin in einer Gegend, wo EKG häufiger mal auf Silikon treffen dürfte.

Alle teilnehmenden Frauen waren gesund und hatten in der bei Brustimplantaten nicht einfachen, aber machbaren Echokardiografie keine strukturelle Herzerkrankung oder sonstige Hinweise auf kardiale Pathologien.

Zwei Ärzte überprüften die Untersuchung

Jedes 12-Kanal-EKG wurde von zwei unabhängigen, erfahrenen Elektrophysiologen ausgewertet, die hinsichtlich Geschlecht, Alter, Anamnese und dem Vorliegen von Implantaten im Unklaren gehalten wurden.

In der Kontrollgruppe ergab sich das bei gesunden Frauen zu erwartende Bild. Einer der beiden Elektrophysiologen klassifizierte sämtliche EKGs der 20 Kontrollprobandinnen als normal. Der andere hatte lediglich an einem EKG etwas auszusetzen und wertete es als nicht normal, ein Anteil von fünf Prozent also.

In der Gruppe der Frauen mit Brustimplantaten sah das ganz anders aus. Der eine Elektrophysiologe wertete hier 38 Prozent der EKGs als nicht normal, der andere sogar 57 Prozent.

"Nachdem sich die Frauen in den beiden Gruppen im Wesentlichen durch die Brustimplantate unterschieden, denken wir, dass das der Grund für die Fehlinterpretationen war", so Bun.

Der häufigste pathologische Befund, den die Elektrophysiologen bei Implantat-Trägerinnen fanden, waren negative T-Wellen, häufig in den Ableitungen V1 bis V4, nicht immer, aber oft assoziiert mit ST-Streckensenkungen.

Implantate als Störsender

Während negative T-Wellen eher unspezifisch sind, kann eine ST-Senkung bei passender Symptomatik für ein Ischämiezeichen gehalten und entsprechend fälschlich eine koronare Herzerkrankung oder gar ein Herzinfarkt angenommen werden.

Wahrscheinlich, so Bun, wirkten die Implantate als eine Art elektrischer Störsender für die EKG-Signale.

Die monegassische Studie kann durchaus praktische Implikationen haben. Zum einen kann es sinnvoll sein, bei Frauen mit auffälligem EKG zumindest nach Implantaten zu fragen, wenn das nicht ohnehin offensichtlich ist.

Zum anderen sollte der Arzt sich bei Trägerinnen von Implantaten im Zweifel nicht auf das EKG alleine verlassen, sondern auch Bluttests zurate ziehen. Bun empfahl außerdem, ein EKG anzufertigen, bevor die Brustimplantate eingesetzt werden und das dann als Referenz aufzuheben.

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