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Krebs

Ist träger Darm ein Risiko?

Neue Studiendaten aus den USA bringen zwar nicht den Beweis, aber neue Hinweise: Zwischen chronischer Verstopfung und Darmkrebs besteht wohl ein Zusammenhang.

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Wer unter einer chronischen Obstipation leidet, könnte gefährdeter für Darmkrebs sein, mutmaßen Wissenschaftler.

Wer unter einer chronischen Obstipation leidet, könnte gefährdeter für Darmkrebs sein, mutmaßen Wissenschaftler.

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LAS VEGAS (BS). Ein verlangsamter Transit des Darminhalts fördert möglicherweise kolorektale Neoplasien.

Sowohl Adenome als auch Karzinome werden US-amerikanischen Daten zufolge gehäuft bei Personen mit chronischer Obstipation entdeckt.

Untersucht wurde der Zusammenhang anhand von Krankenversicherungsdaten aus den Jahren 1999 bis 2011.

Dazu wurden Informationen von 28.854 erwachsenen Patienten mit Obstipation, aber ohne Reizdarm-Syndrom oder Diarrhö, den Daten von 86.562 diesbezüglich unauffälligen Kontrollpersonen gegenübergestellt.

Bei keinem Versicherungsnehmer waren vor Diagnose einer Obstipation positive Koloskopiebefunde erhoben worden.

Zusammenhang zwischen Obstipation und Darmkrebs schon länger vermutet

In den folgenden Jahren wurden die Wissenschaftler jedoch bei den Patienten mit Obstipation deutlich öfter fündig: Sie hatten 2,7-mal so viele Adenome und 1,78-mal so viele Karzinome wie Personen der Kontrollgruppe.

Das erhöhte Neubildungsrisiko lag auch dann vor, wenn der Einfluss von Alter, Geschlecht, Familienanamnese und anderen gastrointestinalen Krankheiten berücksichtigt wurde.

"Die Studie zeigt eine Assoziation, nicht eine kausale Verknüpfung zwischen chronischer Obstipation und kolorektalen Neoplasien", sagte Studienmitautor Nicholas Talley von der australischen University of Newcastle bei der Jahrestagung der US-amerikanischen Gastroenterologen in Las Vegas.

Spekulationen über einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Obstipation und Darmkrebs sind nicht neu. Es wird vermutet, dass durch den langsameren Transport des Darminhalts die Dauer des Kontakts von Karzinogenen wie Gallensäuren mit der Darmmukosa verlängert wird.

Allerdings, das räumte Talley ein, konnte eine Verbindung zwischen Obstipation und Darmkrebs in prospektiven Untersuchungen bisher nicht bestätigt werden.

Trotzdem sollten Ärzte sich laut Talley der Möglichkeit eines solchen Zusammenhangs bewusst sein, wenn sie Patienten mit chronischer Obstipation behandeln.

Leitsymptome

Die Kriterien für eine chronische Obstipation sind laut Deutscher Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselstörungen (DGVS) erfüllt, wenn unbefriedigende Stuhlentleerungen berichtet werden, die seit mindestens drei Monaten bestehen und mindestens zwei von drei Leitsymptomen aufweisen.

Leitsymptome sind starkes Pressen, klumpiger oder harter Stuhl, subjektiv unvollständige Entleerung, subjektive Obstruktion, manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation bei 25 Prozent der Stuhlentleerungen und weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche.

Ob die Behandlung einer Obstipation durch Lebensstiländerungen und/oder Medikamente auch das Darmkrebsrisiko beeinflussen kann, ist allerdings noch offen.

Quelle: www.springermedizin.de

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