Direkt zum Inhaltsbereich

Jeder Dritte hat Schilddrüsen-Veränderungen, ohne es zu wissen

WÜRZBURG (gwa). Jeder Dritte in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren hat eine Struma oder Knoten in der Schilddrüse. Die Prävalenz morphologischer Schilddrüsen-Veränderungen in Deutschland ist damit hoch. Das ist ein Ergebnis der Schilddrüsen-Initiative Papillon I, der größten Ultraschall-Screening-Studie ihrer Art.

Veröffentlicht:

Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift "Thyroid" veröffentlicht worden (11, 2004, 926). Zur Erinnerung: In Papillon I erhielten über 96 000 freiwillige Teilnehmer eine Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse (wie berichtet). Insgesamt 230 Schilddrüsen-Spezialisten untersuchten die Probanden. Geleitet wurde die Studie von Professor Christoph Reiners von der Universität Würzburg und seinen Kollegen. Partner der Schilddrüsen-Initiative waren deutsche Fachgesellschaften und Henning Berlin. Unterstützt wurde die Studie von Sanofi-Synthelabo, jetzt Sanofi-Aventis.

Die Probanden wurden befragt, ob ihnen Schilddrüsen-Krankheiten bekannt waren und ob sie Schilddrüsen-spezifische Medikamente wie L-Thyroxin einnahmen. Dann wurden die Teilnehmer sonographisch mit einem 7,5-MHz-Schallkopf untersucht. Die Schilddrüsen-Morphologie wurde beurteilt, und die Volumina der Schilddrüsen und vorhandener Knoten bestimmt.

Ergebnis: Insgesamt 33 Prozent der Untersuchten hatten morphologische Veränderungen - und zwar ohne es zu wissen. Etwa jeder Zehnte hatte eine Struma. Eine Struma wurde diagnostiziert, wenn das Schilddrüsen-Gesamtvolumen bei Frauen über 18 ml lag, bei Männern über 25 ml. Knoten hatten insgesamt gut 14 Prozent. Und: Je älter die Probanden waren, desto häufiger waren Schilddrüsen-Veränderungen. Zum Beispiel hatten gut acht Prozent der Frauen bis 25 Jahre Knoten ohne Schilddrüsenvergrößerung; bei den über 55jährigen waren es 27 Prozent (Männer fünf und 18 Prozent).

Wurden Auffälligkeiten entdeckt, wurden die Betroffenen an Spezialisten verwiesen. Was dabei gefunden wurde, konnte nicht systematisch erfaßt werden. Aber mindestens 15 Karzinome wurden zufällig entdeckt. Die Papillon-Ärzte empfehlen gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin, bei Schilddrüsen-Knoten ein Szintigramm zu veranlassen. Jeder inaktive Knoten über 1 cm sollte punktiert und das Punktat zytologisch untersucht werden.

Mehr zum Thema

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

Expertenkonsens

Von Pemphigus bis SJS: Was tun gegen die Blasen im Mund?

Lesetipps
An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt

Nahaufnahme wie ein Dermatologe die Muttermale des Patienten mit einem Dermatoskop untersucht.

© Andrej Zhernovoj / stock.adobe.com

Vergleich mit Dermatologen

Künstlich intelligente Melanom-Diagnostik scheint verlässlich