Direkt zum Inhaltsbereich

DEGAM-Kongress

Landarztpraxis: Wer früh Erfahrungen sammelt, hat mehr Interesse

Die Tätigkeit als Landarzt oder Landärztin erscheint vielen Medizinstudierenden nicht erstrebenswert. Frühe Praxiserfahrungen über Famulaturen und Blockpraktika können das ändern, wie ein bei der DEGAM in Hannover vorgestelltes Projekt aus Nordrhein-Westfalen zeigt.

Veröffentlicht:
Angela Fuchs

Angela Fuchs stellte Ergebnisse des LOCALHERO-Programms in Nordrhein-Westfalen vor.

© Daniel Reinhardt

Hannover. Mit einem frühen Blockpraktikum lässt sich die Einstellung von Medizinstudierenden zur Landarzttätigkeit positiv beeinflussen.

Wie das Projekt LOCALHERO aus Nordrhein-Westfalen zeigt, können sich nach Teilnahme mehr Medizinstudierende eine Landarzttätigkeit als Perspektive vorstellen als vor der Teilnahme.

Angela Fuchs von der Universität Düsseldorf, die die Ergebnisse in Hannover vorstellte, betonte noch ein weiteres Ergebnis: Bei vielen Teilnehmenden, die grundsätzlich nicht auf dem Land leben und arbeiten möchten, erhöhte sich durch die Praxis auch die Aufgeschlossenheit für die Hausarzttätigkeit ganz allgemein und unabhängig vom Praxisstandort – von 31 auf 40 Prozent.

E-Learning-Module zur Ergänzung

Die frühen Praxiserfahrungen bekommen die Medizinstudierenden an den Standorten Bochum, Essen und Witten durch aufeinander aufbauende Module mit Hospitationen und Wahlfächern (Vorklinik) sowie Famulaturen und Blockpraktika (Klinik).

Dabei sollen sich die Studierenden die für eine Hausarzttätigkeit relevanten Haltungen, Kompetenzen und Kenntnisse aneignen. Neben den Praxishospitationen werden ergänzend E-Learning-Module und simulationsgestützte Trainingstage eingesetzt.

Ob das tatsächlich die Bereitschaft zur Arbeit in einer Landarztpraxis beeinflusst, hat die Uni Düsseldorf von 2022 bis 2025 evaluiert. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Vor der ersten Intervention im LOCALHERO-Programm waren nur 37 von 176 Befragten bereit, später eine Landarzttätigkeit auszuüben. Nach der letzten Intervention im Programm war diese Zahl auf 56 gestiegen – ein Zuwachs von 21 auf 32 Prozent.
  • Ländliche Herkunft, das Alter und die Haltung, dass das Leben in einer Dorfgemeinschaft grundsätzlich positiv ist, waren mit der Bereitschaft zur Landarzttätigkeit assoziiert.
  • Eine fehlende Bereitschaft fand sich dagegen bei den Teilnehmenden, die grundsätzlich der Auffassung sind, dass mit der Landarzttätigkeit eine zu hohe Verantwortung und viel Arbeitsbelastung verbunden sind.

Fuchs schloss daraus, dass eine frühe und wiederholte Verankerung allgemeinmedizinischer Inhalte im Rahmen eines longitudinalen Curriculums eine Chance sein könne, die Studierenden für eine spätere Landarzttätigkeit zu gewinnen.

Attraktive Zusatzangebote im Praktikum

Was neben der reinen Praxiserfahrung für die angehenden Ärztinnen und Ärzte wichtig ist, zeigte Josephine Pritzkow aus Freiburg. In der Region Südbaden beteiligen sich die Landkreise an einem Projekt, das den Praktikanten attraktive Zusatzangebote in der Zeit vor Ort beschert. Neben kostenlosen Unterkünften sind dies zusätzliche Lehr- und Freizeitangebote.

Die Zahl der Interessenten an Blockpraktika in diesen Landkreisen hat seitdem zugenommen. Auch die Zufriedenheit der Studierenden mit den Blockpraktika ist hoch. Ärztin Pritzkow räumte aber auch ein: Ob sich das auch positiv auf die Niederlassungsbereitschaft der Region auswirkt, steht noch nicht fest. (di)

.
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neurologin gibt Tipps

So gehen Sie bei Schwindel richtig vor

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt