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Prävention unter Generalverdacht

"Risiko Vorsorge" titelt der aktuelle "Spiegel" - und zieht mitunter merkwürdige Schlüsse.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Laut "Spiegel" schüren Ärzte mit Vorsorgeuntersuchungen falsche Hoffnungen.

Laut "Spiegel" schüren Ärzte mit Vorsorgeuntersuchungen falsche Hoffnungen.

© Foto: Sven Weberwww.fotolia.de

Von 2000 Frauen, die regelmäßig am Brustkrebsscreening teilnehmen, profitieren nur ein bis zwei: Bei ihnen wird der Tumor rechtzeitig entdeckt und der Tod durch Brustkrebs verhindert. Diese hohe "Number Needed to Treat" (NNT) von 2000 wird im "Spiegel" als Argument für den geringen Nutzen des Screenings angeführt. Einem Gynäkologen fällt es daraufhin wie Schuppen von den Augen, wie wenig das Screening bringt - er verzichtet darauf, schreibt "Der Spiegel". Sollte er auch, denn wer als Arzt nicht das kleine Einmaleins der Statistik beherrscht, wird seine Patienten kaum fundiert beraten können. Sinn und Zweck des Screenings ist es doch gerade, aus Tausenden von Gesunden die wenigen herauszufiltern, die unbemerkt eine tödliche Krankheit in sich tragen. Da nur etwa jede tausendste Frau gerade Brustkrebs hat, kann man auch nur eine NNT im vierstelligen Bereich erwarten. Es macht also wenig Sinn, Menschen mit Zahlen zu verunsichern, die letztlich nur die Prävalenz der Erkrankung reflektieren.

Die entscheidenden Fragen aus Patientensicht lauten vielmehr: Falls ich Krebs habe, kann die Screening-Methode dies einwandfrei nachweisen (Sensitivität)? Wenn die Methode anschlägt, wie sicher habe ich dann tatsächlich Krebs (Spezifität)? Und welche Nebenwirkungen hat das Verfahren? Hier, da hat "Der Spiegel" Recht, liegt noch vieles im Argen. So sind sich oft weder Patienten noch Ärzte im Klaren, was positive und was negative Befunde wirklich bedeuten. Die Sensitivität der Mammografie wird zwar mit 85 bis 90 Prozent angegeben, die Spezifität ist mit 10 bis 60 Prozent mitunter aber sehr gering. Falsch positive Befunde, die Patienten verunsichern, sind daher häufig und können unnötige Diagnostik und Therapien nach sich ziehen. Genau darüber sollten man Patienten gründlich informieren. Dann können sie selbst entscheiden, ob das Screening für sie sinnvoll ist.

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