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Psychisch belastet und extrem unterversorgt

HAMBURG (stü). Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Jugendhilfe sind psychisch stark belastet. Wie eine Erhebung aus Baden-Württemberg zeigt, sind die Betroffenen extrem unterversorgt. Durch eine intensive Zusammenarbeit der Heime mit Kinder- und Jugendpsychiatern kann die Situation verbessert werden. Dies belegen aktuelle Daten eines Modellprojekts.

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Heimkinder stehen auch bei der psychiatrischen Versorgung am Rande der Gesellschaft. Anton©www.fotolia.de

Heimkinder stehen auch bei der psychiatrischen Versorgung am Rande der Gesellschaft. Anton©www.fotolia.de

© www.fotolia.de

In der 1. Ulmer Heimkinderstudie wurden etwa 700 Heimkinder im Alter von durchschnittlich 14 Jahren in 20 Institutionen auf psychische Störungen untersucht. Nach der "Child Behavior Checklist" (CBCL) waren über 70 Prozent der Kinder klinisch auffällig. Bei 30 Prozent wurden sogar stark ausgeprägte Symptome erfasst (T-Werte über 70). "Dermaßen hohe Werte weisen in der Allgemeinbevölkerung nur zwei Prozent auf," erläuterte Dr. Marc Schmid, Projektkoordinator der Untersuchung. Häufigste Diagnosen waren Störungen des Sozialverhaltens (26 Prozent) und hyperkinetische Störungen (22 Prozent).

Jedes dritte Kind wies mehr als eine Verhaltensstörung auf. "Diese Kinder haben zudem häufig einen extrem belasteten sozialen Hintergrund und sind sehr schwierig zu behandeln," erklärte Schmid auf einem Pressegespräch von Janssen-Cilag. Trotzdem erhielten nur elf Prozent der Betroffenen eine medikamentöse Behandlung. Dies liegt laut Schmid daran, dass psychische Symptome in der Jugendhilfe traditionell eher auf soziale als auf biologische Ursachen zurückgeführt werden und dass Heimmitarbeiter in ihrer Ausbildung kaum qualifizierte Informationen über Psychopharmaka erhalten.

In der 2. Ulmer Heimkinderstudie wurde untersucht, ob eine bessere Zusammenarbeit zwischen stationärer Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatern die psychischen Belastungen der Heimkinder verringert, sodass weniger Krisen auftreten, die einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordern. Im Interventionsarm führten Kinder- und Jugendpsychiater regelmäßig Sprechstunden in den Heimen durch. Psychisch auffällige Kinder wurden frühzeitig untersucht und bei Bedarf kontinuierlich behandelt. Die Pädagogen vor Ort nahmen an regelmäßigen Fortbildungen teil. Bei Bedarf konnte sich das Betreuerteam individuell beraten und schulen lassen.

Die Auswertung nach einem Jahr ergab: Im Interventionsarm wurden 66 Prozent der Kinder ambulant fachärztlich betreut, in der Kontrollgruppe waren es nur 27 Prozent. Das hatte auch Auswirkungen auf das Krankheitsbild: So wurden die Kinder der Interventionsgruppe im Mittel 1,3 Tage wegen psychischer Krisen stationär behandelt, in der Kontrollgruppe waren es mit 2,47 Tagen fast doppelt so viele Tage.

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