WHO-Report

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 18.10.2019, 18:31 Uhr
Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

M. tuberculosis: Viele Tb-Fälle werden nicht gemeldet.

© iLexx / Getty Images / iStock

Tuberkulose in Deutschland

  • 5429 TB-Fälle wurden in Deutschland letztes Jahr gemeldet.
  • 6100 tatsächlich Neuerkrankte sind es nach Schätzungen der WHO.
  • 190 Patienten mit resistenten Erregern sind darunter.
  • Bei 71 Prozent der Patienten insgesamt war die Behandlung erfolgreich.
  • Bei jeweils etwa 40 Prozent der Patienten mit RR-/MDR-Tb beziehungsweise XDR-Tb war die Behandlung erfolgreich.
  • 3,9 Todesfälle pro einer Million Einwohner ereigneten sich durch Tb.

Genf. Insgesamt 1,5 Millionen Menschen, also 4000 Menschen pro Tag, sind dem diesjährigen Globalen Tuberkulose-Report der WHO zufolge im Jahr 2018 an der Erkrankung gestorben. Das sind rund 100 000 weniger als im Vorjahr, Tuberkulose (Tb) gehört damit weiter zu den zehn führenden Todesursachen. Die Zahl der Neuerkrankungen 2018 wird von der WHO auf weltweit zehn Millionen geschätzt, das entspricht einem Rückgang um zwei Prozent gegenüber 2017. Fast jeder neunte Erkrankte ist ein Kind unter 15 Jahren, neun Prozent gehören zur Risikogruppe der HIV-Infizierten.

Zwei Drittel aller neuen Tb-Fälle stammen aus nur acht Ländern: Indien, China, Indonesien, den Philippinen, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Südafrika. Während in den Staaten mit hohem Einkommen letztes Jahr pro 100 000 Einwohner weniger als zehn neue Tb-Fälle auftraten (Deutschland: 7,3), waren es in den 30 Ländern mit der höchsten Krankheitslast 150–400 und in wenigen Ländern wie den Philippinen, Mosambik oder Südafrika sogar mehr als 500 Fälle.

Nur Bruchteil wird behördlich gemeldet

Von den geschätzt zehn Millionen Neuerkrankten wurden nur sieben Millionen den nationalen Behörden gemeldet und hatten Zugang zu einer geeigneten Behandlung. Das bedeutet laut WHO zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber 2017, heißt aber auch, dass es immer noch eine riesige Lücke gibt: Bei rund drei Millionen Menschen wurde die Tb entweder nicht gemeldet oder nicht einmal diagnostiziert.

Die Behandlung der Tb führte im Jahr 2017 (neuere Daten lagen nicht vor) bei 85 Prozent aller Neuerkrankten zu einer Heilung. Deutlich schlechter sah es bei den Patienten mit resistenten Erregern aus: Diese Patientengruppe umfasste fast eine halbe Million Menschen, mit dem höchsten Anteil in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

Von ihnen hatten gut 20 Prozent eine alleinige Rifampicin-Resistenz(RR) und fast 80 Prozent eine Mehrfachresistenz (MDR), von Letzteren wiederum sechs Prozent eine extreme Resistenz (XDR). Bei resistenter Tb war eine Therapie nur zu 56 Prozent erfolgreich. Eine Behandlung erhielt aber überhaupt nur jeder dritte Patienten mit resistenter Tb.

„Die Welt insgesamt und die meisten WHO-Regionen sind nicht auf Kurs, wenn es darum geht, die Meilensteine der „End Tb Strategy“ für das Jahr 2020 zu erreichen“, heißt es im WHO-Report. Angestrebt war, von 2015 bis 2020 die Tb-Inzidenz um 20 Prozent und die Mortalität um 35 Prozent zu senken. Erreicht wurde bis 2018 aber nur ein Rückgang um sechs beziehungsweise elf Prozent. Nur für Europa gibt es diesbezüglich gute Nachrichten, mit Reduktionen um 15 und 24 Prozent ist es laut WHO „auf einem guten Weg“.

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