Darmbakterien

Wichtig für das Immunsystem

Mikroorganismen im Darm spielen eine wichtige Rolle im Körper, weil sie vielfältige Funktionen haben - nicht nur für die Verdauung.

Von Maren Schenk Veröffentlicht:

EVIAN. Bakterien im Verdauungssystem spielen eine wichtige Rolle im Körper.

Auf dem 1. Weltgipfel "Gut Microbiota for Health" in Evian in Frankreich wurden sie sogar als eigenes Organ bezeichnet, da sie vielfältige Funktionen, nicht nur für die Verdauung, haben.

Mindestens 1014 Mikroorganismen leben symbiotisch im Darm. Zusammen wiegen sie rund 1,5 bis 2 Kilogramm.

"Mehr als 1000 Bakterienspezies wurden bereits identifiziert, insgesamt bestehen sie aus zehnmal mehr Zellen als der menschliche Körper", wird Professor James Versalovic, Baylor College of Medicine, Houston, USA, im "Summit Report" zitiert.

Das Metagenom aller Mikroben im Verdauungstrakt, das sogenannte Mikrobiom, enthält mehr Gene als der menschliche Körper (mehr als 3,3 Millionen vs. rund 23.000).

Nicht alle Bakterienspezies schädlich

Für das Immunsystem ist der Verdauungstrakt die wichtigste Körperregion, dort finden sich 70 Prozent aller Immunzellen.

Epithel- und Immunzellen kommunizieren mit Darmbakterien, diese untereinander - dieses komplexe Netzwerk von Signalwegen ist wesentlich für die Aktivierung von Abwehrmechanismen gegen pathogene Erreger.

Nicht alle Darm-Bakterienspezies seien schädlich, wird Professor Balfour Sartor, University of North Carolina, USA, zitiert: Einige Spezies seien neutral, andere sogar nützlich. So inhibieren manche Bakterien das Wachstum pathogener Keime, bauen deren Nährstoffe ab oder stimulieren Immunantworten.

Darmbakterien haben auch eine Schlüsselrolle, indem sie das Immunsystem trainieren, zwischen "gut" und "böse" zu unterscheiden.

Bereits in frühester Kindheit beginnt diese Kooperation beider Systeme; so wird eine orale Toleranz aufgebaut. Gelingt dies nicht, können Allergien und entzündliche Krankheiten die Folge sein.

Mannigfaltige Zusammensetzung der Darmbakterien

Bei bestimmten Fällen von M. Crohn induziert ein Defekt des Gens NOD2 eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Bakterienbestandteile.

"Wir glauben, dass Morbus Crohn das Produkt einer Interaktion von genetischer Prädisposition, Umweltfaktoren wie Ernährung oder Antibiotikabehandlung und bestimmten Bakterien ist, die Antigene präsentieren, die zu einer Immunantwort und schließlich zur Krankheit führen", so Sartor.

Bei gesunden Menschen ist die Zusammensetzung der Bakterien im Darm sehr mannigfaltig - mit vielen schützenden und wenig pathogenen Keimen.

Bei M. Crohn oder Colitis ulcerosa ist das Verhältnis dagegen umgekehrt. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge könnte nach Aussage Sartors zu besseren und weniger aggressiven Therapien führen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hepatische und kardiovaskuläre Folgen

Steatotische Leberleiden unterscheiden sich prognostisch

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Ergänzung zu Antibiotika?

Mit intravaginaler Ascorbinsäure gegen bakterielle Vaginose

Lesetipps
Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft