Unterversorgung bekämpfen

So funktioniert die hessische Landarztquote

Im Koalitionsvertrag steht sie seit Dezember 2018, jetzt präsentieren CDU und Grüne Pläne für eine Landarztquote. Anders als in manch anderem Bundesland gilt diese auch für angehende Kinderärzte.

Von Christoph BarkewitzChristoph Barkewitz Veröffentlicht:
Marcus Bocklet (links) und Dr. Ralf-Norbert Bartelt stellen in Wiesbaden Pläne zur Landarztquote vor.

Marcus Bocklet (links) und Dr. Ralf-Norbert Bartelt stellen in Wiesbaden Pläne zur Landarztquote vor.

© Christoph Barkewitz

Wiesbaden. Auch die schwarz-grüne Landesregierung will künftig mittels einer Landarztquote junge Mediziner zur Tätigkeit in unterversorgten Regionen bewegen. Wie in mehreren Bundesländern bereits praktiziert, soll vom Wintersemester 2022 an in Hessen ebenfalls ein fester Prozentsatz solchen Studenten vorbehalten sein, die sich nach dem Studium verpflichten, zehn Jahre lang als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten. Eine drohende hausärztliche Unterversorgung registriert die Kassenärztliche Vereinigung aktuell in sechs hessischen Bezirken, in 18 weiteren liege der Versorgungsgrad unter 100 Prozent.

Neu am Modell von Schwarz-Grün ist die Ausweitung auf Pädiater, erklärten am Montag die gesundheitspolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen, Dr. Ralf-Norbert Bartelt (CDU) und Marcus Bocklet (Grüne). Wer vorab zusagt, zehn Jahre als Kinderarzt in unterversorgten Gebieten zu praktizieren, hat ebenfalls die Chance auf einen bevorzugten Studienplatz. Gleiches gilt für eine Festlegung auf eine Tätigkeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst – wie es beispielsweise bereits im Nachbarland Rheinland-Pfalz gehandhabt wird.

Vorabquote beläuft sich auf insgesamt 7,8 Prozent

7,8 Prozent lautet die geplante Quote in Hessen – 6,5 Prozent für Haus- und Kinderärzte, 1,3 Prozent für ÖGD-Ärzte. In Zahlen heißt dies, dass von den insgesamt jährlich 1000 Studienplätzen an den drei Medizinfakultäten in Frankfurt, Gießen und Marburg 65 Plätze für die erstgenannte Gruppe reserviert sind, 13 für die Amtsärzte.

Das Auswahlverfahren soll in zwei Stufen erfolgen. Dabei soll weniger die Abiturnote zählen als vielmehr fachspezifische Eignung, berufliche Erfahrung in einem Gesundheitsberuf oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Im Kerncurriculum sind regelmäßige Praktika in ländlich gelegenen Praxen, Tagesausflüge zur Berufsfelderkundung sowie weiterer allgemeinmedizinischer Unterricht je nach Standort vorgesehen, wie Bocklet und Bartelt erklärten. Zudem solle ein nahtloser Übergang zwischen Aus- und Weiterbildung gewährleistet sein; Stipendien sollen für finanzielle Unterstützung der Studierenden sorgen.

SPD-Opposition geißelt die Pläne als ein Plagiat

Die beiden Gesundheitspolitiker bezifferten die Kosten für dieses Programm auf 2,5 Millionen Euro jährlich. Dafür verlangen sie auch Vertragstreue von den Quotenstudenten: Wer die Zehn-Jahres-Bindung missachtet, muss 250.000 Euro Strafe zahlen – eine Summe, die auch in anderen Ländern fällig wird.

Die SPD-Opposition warf Schwarz-Grün Plagiat und Verschleppung vor: Die SPD hatte vor einem Jahr einen sehr ähnlichen Gesetzesentwurf vorgelegt, den die schwarz-grüne Landtagsmehrheit dann im Dezember abgelehnt hatte. Nun wollten CDU und Grüne ein viertel Jahr später mit dem Thema bei der Kommunalwahl (14. März) punkten, warf ihnen deren gesundheitspolitische Sprecherin Dr. Daniela Sommer vor.

FDP und Linke hatten zuvor die auch bereits im SPD-Entwurf enthaltene Höhe der Strafzahlung kritisiert und zudem die frühzeitige Festlegung im Studium auf eine Fachrichtung als nicht zielführend bezeichnet.

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