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Corona-Impfgipfel: Kein Sonderstatus beim Impfen für die Kinder

Erleichterung bei Kinder- und Jugendärzten. Bundeskanzlerin und die Länder-Chefs setzen nicht auf eine Impfpflicht gegen Corona, sondern auf Beratung in Praxen. BVKJ-Chef Dr. Thomas Fischbach: „Wir wünschen uns eine vernünftige Empfehlung der STIKO.“

Von Anno FrickeAnno Fricke und Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:
Können bald auch Kinder ab 12 Jahren gegen SARS-CoV-2 geimpft werden? Die entsprechende Zulassung der Vakzine von BioNTech wird bald erwartet.

Können bald auch Kinder ab 12 Jahren gegen SARS-CoV-2 geimpft werden? Die entsprechende Zulassung der Vakzine von BioNTech wird bald erwartet.

© picture alliance / SvenSimon

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihr Angebot, allen Menschen in Deutschland bis Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen auf die Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen ausgeweitet. „Eine gesonderte Kinder-Impfkampagne soll es nicht geben“, sagte die Regierungschefin im Anschluss an den Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstagabend. Damit ist auch klar, dass es keine eigenen Impfstoff-Kontingente für Kinder und Jugendliche geben wird.

Eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) über eine Zulassung für des BioNTech-Impfstoffes für junge Menschen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren wird in den nächsten Tagen erwartet. Sie fällt möglicherweise bereits am Freitag. Die bisherige Zulassung gilt ab 16 Jahren.

Ab der Zulassung können Kinder mit dem Impfstoff geimpft werden. Nach den Bund-Länder-Beschlüssen von Donnerstagabend geschieht dies aber zunächst nur, wenn die jungen Menschen an Vorerkrankungen leiden. Ansonsten heißt es „Hinten anstellen“, auch im Impfzentrum.

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Söder: Keine Prio für Kinder

„Kinder werden behandelt wie nicht priorisierte Gruppen“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Darauf habe man sich auch wegen der Ausführungen von STIKO-Präsident Professor Thomas Mertens geeinigt. Der habe im Rahmen des Gipfels vorgetragen, dass es sich beim Impfen von Kindern um einen „hochsensiblen Akt“ handele. In diesen Altersgruppen gebe es zwar eine überdurchschnittlich hohe Inzidenz, aber kaum schwere Verläufe. Er rechne daher mit einer differenzierten, am Risiko ausgerichteten Empfehlung der STIKO.

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Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Thomas Fischbach, sagte der „Ärzte Zeitung“ am Donnerstagabend, die Frage der Impfung sei „letztlich eine Individualentscheidung“, die Eltern und Kinder gemeinsam mit den Kinder- und Jugendärzten treffen müssten. Der zusätzliche Beratungsbedarf könne allerdings nicht umsonst geleistet werden und müsse „vernünftig honoriert“ werden.

Fischbach: „Wichtige Klarstellung“

Zur Impfung der ab 12-Jährigen sagte Fischbach: „Wir wünschen uns dazu eine vernünftige Empfehlung der STIKO, an der wir uns orientieren und die wir auch im Gespräch mit den Eltern verwenden können.“ Es bleibe jetzt abzuwarten, wie die Einschätzung der STIKO ausfalle. „Alles andere ist Stochern im Nebel“, betonte Fischbach.

Merkel, Söder und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonten, dass es keine Impfpflicht für Kinder geben werde. Der Betrieb in Schulen und Kitas solle völlig unabhängig davon mit den bereits bekannten Sicherheitsvorkehrungen und Testkonzepten laufen können. Auch der Familienurlaub werde nicht von einer Impfung der Kinder abhängen, unterstrich die Kanzlerin.

Dieser Punkt sei eine wichtige „Klarstellung“ von Bund und Ländern, sagte BVKJ-Chef Fischbach. „Ansonsten wäre die Teilhabe noch weiter gefährdet, Kinder und Jugendliche haben aber schon genug gelitten in dieser Pandemie.“

Zuvor hatten mehrere Politiker Kritik an den Äußerungen von STIKO-Mitgliedern geübt: So hatte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die STIKO-Überlegungen moniert, den BioNTech-Impfstoff nach seiner erwarteten Zulassung für 12- bis 15-Jährige nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen zu empfehlen. Dem „Spiegel“ sagte er, er fände es „enttäuschend“, wenn die STIKO keine grundsätzliche Empfehlung zur Impfung der Kinder ausspräche und die Verantwortung damit auf die Eltern und die Ärzte abschöbe.

Unverständnis für die Signale der STIKO

Auch SPD-Chefin Saskia Esken hatte noch vor dem Impfgipfel auf ein schnelles Impfangebot für Minderjährige gedrängt. „Kinder und Jugendliche haben jetzt weit über ein Jahr auf vieles verzichten müssen und leiden besonders unter den Einschränkungen in der Pandemie“, hatte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte ebenfalls mit Unverständnis auf die Signale der STIKO reagiert. „Kinder und Jugendliche können sich infizieren und das Virus weitergeben, deshalb müssen sie ein Impfangebot bekommen – sofern eine Zulassung vorliegt, bei der Nutzen und Risiken abgewogen wurden“, sagte Weil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Dass die Ständige Impfkommission nun plötzlich den Sinn einer flächendeckenden Impfung von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich in Frage stellt, irritiert mich und auch viele andere Menschen.“ (mit dpa)

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