Impfung bei Kindern

Spahn: Definitiv keine Corona-Impfpflicht in Schulen und Kitas

Kinder ab 12 Jahren sollen bald gegen COVID-19 geimpft werden können. Eine Impfpflicht soll es für sie aber nicht geben, sagt Minister Jens Spahn. Dass die STIKO eventuell eine anders lautende Empfehlung aussprechen könnte, stört ihn nicht.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
„Wir werden definitiv keine verpflichtende Impfung haben, auch nicht in Schulen und Kindergärten“, stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag klar.

„Wir werden definitiv keine verpflichtende Impfung haben, auch nicht in Schulen und Kindergärten“, stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag klar.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Berlin. Für die Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren sollen die „erforderlichen Impfdosen“ aus den Lieferungen im Juni, Juli und August abgezweigt „zusätzlich“ zur Verfügung gestellt werden. Das geht aus einer Vorlage für den Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag hervor.

Die Länder sollen demnach sicherstellen, dass diese Kontingente gezielt für das Impfen von 12- bis 18-Jährigen eingesetzt werden. Das soll sowohl in den Impfzentren als auch in den Arztpraxen und sogar als Reihenimpfung in den Schulen möglich sein.

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Bund und Länder an dieser Stelle unter Handlungsdruck. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) habe angekündigt, möglicherweise schon am Freitag eine Entscheidung über die Zulassung von Comirnaty® von BioNTech/Pfizer für Jugendliche ab zwölf Jahren zu treffen.

„Damit tritt eine Situation ein, in der Arztpraxen den Impfstoff einen Tag später an über 12-Jährige verimpfen können“, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz vor dem Impfgipfel am Donnerstag.

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Spahn: Ärzte sollen individuell entscheiden

Dass die Ständige Impfkommission (STIKO) möglicherweise keine uneingeschränkte Empfehlung für das Impfen junger Menschen abgeben wird, sieht Spahn nicht als „Gegensatz“ dazu. Die Empfehlungen der STIKO seien wichtig und sollten von den Ärzten in individuelle Entscheidungen gemeinsam mit den Kindern und Eltern einbezogen werden. „Wir werden definitiv keine verpflichtende Impfung haben, auch nicht in Schulen und Kindergärten“, stellte der Minister klar.

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Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) verwies am Donnerstag darauf, dass auch Moderna bei der EMA eine Zulassungserweiterung für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen beantragen wolle.

Impf-Statistik

  • 5,3 Millionen Mädchen und Jungen machen die Gruppe der 12- 18-Jährigen aus. Ihre Impfbereitschaft wird auf 60 Prozent geschätzt.
  • 6,36 Millionen Impfdosen werden dann für Erst- und Zweitimpfung benötigt.
  • 75 Prozent der Erwachsenen gelten als impfbereit. Bis Ende Juni sollen mehr als 40 Millionen Menschen und damit 80 Prozent der impfbereiten Erwachsenen mindestens eine Impfung erhalten haben.
  • 14,8 Prozent der Bevölkerung, mithin 12 275 Millionen Menschen sind bereits vollständig geimpft.

In den Jahren 2022 und 2023 soll die Knappheit an COVID-19-Impfstoffen Geschichte sein. Allein mit BioNTech/Pfizer hat die Europäische Union bereits Verträge über die Lieferung von 1,8 Milliarden Dosen für mögliche Auffrischungsimpfungen abgeschlossen. Aber auch in diesem Jahr steht aktuellen Lieferlisten zufolge dafür genügend parat.

Für das dritte und vierte Quartal sind von den dann sechs Herstellern jeweils mehr als 120 Millionen Dosen avisiert. Diese Werte beruhen allerdings noch auf Schätzungen. Ob und in welchem Zeitabstand eine Auffrischung des Impfschutzes gegen COVID vonnöten ist, wird derzeit vom Paul-Ehrlich-Institut ermittelt.

Beraten wird von Bund und Ländern zudem die endgültige Aufhebung der Priorisierung zum 7. Juni. Dann sollen die Betriebs- und Privatärzte in die Kampagne einbezogen werden. Klare Zuordnungen der Impfdosen zur „impfenden Struktur“, also zu den 65000 impfenden Arztpraxen, den Impfzentren, künftig auch den Betriebsärzten seien nicht möglich, heißt es in der Vorlage, da die Kontingente sich durchaus untereinander vermischten.

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