Corona-Folgen sind spürbar

Pädiater warnen: Kinder sind immer noch stark psychisch belastet

Im dritten Jahr der Corona-Pandemie zeigt sich: Kinder und Jugendliche haben sich von den psychischen Belastungen noch nicht erholt. Pädiater fordern Konsequenzen von der Politik.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
Mit Maske in der Schule. Nicht nur dies belastete Jungen und Mädchen in den vergangenen Monaten.

Mit Maske in der Schule. Nicht nur dies belastete Jungen und Mädchen in den vergangenen Monaten.

© Guido Kirchner / dpa

Frankfurt/Main. Die alarmierenden Befunde gehen aus neuen bisher unveröffentlichten Ergebnissen der bundesweiten COPSY-Längsschnittstudie (Corona und Psyche) hervor, die Prof. Ulrike Ravens-Sieberer am Freitag beim Herbst-Seminar-Kongress des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Frankfurt/Main präsentierte.

Nach den ersten Erkenntnissen aus der vierten Befragungswelle im Frühjahr 2022 zeige sich, dass die meisten psychischen Belastungsfaktoren bei Kindern und Jugendlichen heute immer noch deutlich stärker ausgeprägt sind als vor Beginn der Pandemie.

Konkrete Auswertungsdaten lägen zwar für die vierte Welle noch nicht vor. Dennoch könne man generell von einer Verstetigung der Ergebnisse aus der dritten Welle sprechen, so Ravens-Sieberer.

Ein Drittel der Kita-Kinder ist psychisch belastet

So fühlten sich nach Daten aus dieser dritten Befragung im Herbst 2021 82 Prozent der 1600 befragten Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sieben und 17 Jahren durch die Pandemie belastet. Während vor der Pandemie bei 18 Prozent der Altersgruppe psychische Auffälligkeiten festgestellt wurden, waren es in der dritten Welle 27 Prozent.

Bei den zwei- bis sechsjährigen Kita-Kindern waren im März 2021 sogar 35,5 Prozent der Kinder psychisch belastet. Ulrike Ravens-Sieber: „Diese Werte bleiben nun auch bei der vierten Befragung relativ stabil.“

Auch unter einer schlechteren Lebensqualität leiden heute immer noch doppelt so viele Kinder und Jugendliche als vor der Pandemie. Besonders belastend wirke sich dabei das immer noch eingeschränkte Verhältnis zu Freunden und der Peer-Group und besonders der zunehmende Streit in den Familien aus, der mit der Zeit sogar noch häufig weiter eskaliert sei.

15 Prozent der Kinder treiben keinen Sport

Besonders dramatisch sind laut Ravens-Sieberer die Folgen der Corona-Pandemie im Hinblick auf sportliche Aktivitäten im Kindes- und Jugendalter. Während vor der Pandemie vier Prozent aller Kinder keinen Sport trieben, sind es derzeit nach einem Peak in der zweiten Befragung (36 Prozent) immer noch 15 Prozent aller Kinder.

Wie erwartet erhöhen auch weiterhin die bekannten Risikofaktoren wie niedriger Bildungsgrad der Eltern, eine psychische Krankheit der Eltern, Migrationshintergrund und das Wohnen in beengten Verhältnissen das psychosomatische Risiko von Kindern.

Allerdings klafft dabei nach Angaben von Ravens-Sieberer die Schere zwischen Kindern aus Familien mit Kindern mit sozialökonomischen niedrigen Status und einem höheren Status nicht weiter auseinander. Dies zeige, dass Kinder aus allen Schichten unter der Pandemie litten.

Ohnmächtige Praxen

Einige Kongressteilnehmer wiesen in der Diskussion darauf hin, dass sie sich angesichts der enormen gesellschaftlichen Tragweite der Pandemie im ärztlichen Praxisalltag „ohnmächtig“ fühlten, all diese Folgen aus der Pandemie pädiatrisch auffangen zu können. Die politischen Botschaften waren daher eindeutig: bessere Vergütung für die Ärzte, die sich nachhaltig mit den betroffenen Familien befassen.

Auch Dr. Eva-Doreen Pfister aus Hannover, die in Frankfurt über eine Adipositas- und Fettleberwelle bei Kindern als Folge der Pandemie berichtete, bezog klar Stellung. Sie forderte beim BVKJ-Kongress die Einführung eines Schulfaches Gesundheit und die baldige Einführung einer Zuckersteuer.

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