Experte fordert

Organvergabe auch nach Erfolgsaussicht

Experten fordern ein Umdenken bei der Zuteilung von Organen. Für neue Kriterien fehlt die Datenbasis.

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HEIDELBERG. Eine andere Gewichtung bei der Zuteilung von Spenderlebern in Deutschland hat der Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Professor Markus Büchler, gefordert.

Anlass ist das 20. Jubiläum der Selbsthilfeorganisation "Lebertransplantierte Deutschland" am 22. Juni in Heidelberg.

"Wir müssen dahin kommen, dass man wie in anderen Ländern nicht nur nach dem Schweregrad der Lebererkrankung auswählt, sondern auch nach den Erfolgsaussichten der Transplantation", sagte Büchler.

Dieses Auswahlkriterium beschere etwa in den USA ein deutlich besseres Langzeitüberleben, weil nicht nur Schwerstkranke wie hierzulande transplantiert würden.

Die Existenz der Zentren hänge dort von ihren Transplantationsergebnissen ab. Büchler zufolge liegt die Ein-Jahres-Mortalität nach neueren Daten in den USA bei unter zehn Prozent, in Deutschland ist sie fast doppelt so hoch.

Qualitätssicherung über nationales Transplantationsregister

Die Vorsitzende von "Lebertransplantierte Deutschland e.V." Jutta Riemer wies auf die ethischen Implikationen solcher Entscheidungen hin.

Der amerikanische Weg sei per se weder gut noch schlecht. Doch brauche man für Deutschland erst verlässliche Daten und Zahlen über die Transplantationsergebnisse der einzelnen Zentren, um entsprechende Kriterien festlegen zu können.

Eine bessere Qualitätssicherung könne nur über ein nationales Transplantationsregister erfolgen, das jetzt in Planung ist.

Außerdem müsse man in den Fachgremien Kriterien dafür finden, wie sich der Punkt der Erfolgsaussicht in den Richtlinien adäquat abbilden lasse. Der MELD-Score für den Schweregrad der Erkrankung allein sei nicht ausreichend. Andere Faktoren wie ein Aszites oder eine hepatische Enzephalopathie müssten ebenso eingehen.

"Schwer mit Kriterien, die nicht messbar sind"

Die ärztliche Expertise gerate bei den Richtlinien für die Organvergabe immer mehr in den Hintergrund, stellte Riemer fest: "Man will maximale Patientengerechtigkeit und tut sich deshalb schwer mit Kriterien, die nicht messbar sind".

Das Hauptproblem sieht sie in der mangelnden Organspendebereitschaft, die durch den Transplantationsskandal dramatisch eingebrochen sei.

So hat der Verein mit bundesweit über 1300 Mitgliedern neben der Patienten- und Angehörigenbetreuung derzeit viel Aufklärungsarbeit zu leisten, um dem Vertrauensverlust bei der Organspende in der Bevölkerung entgegen zu wirken.

Die jüngst beschlossenen Änderungen im Transplantationsgesetz wie die vorgesehene Gefängnisstrafe bei Manipulationen von Gesundheitsdaten werden von der Patienteninitiative zwar begrüßt, doch sei der vorgesehene Strafrahmen mit zwei Jahren zu niedrig. (bd)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ungerechtigkeit wird bleiben

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