Kommentar zur Hospitalisierungsquote

Pandemieraten von vorgestern

Die Zahl stationär behandelter COVID-19-Patienten ist ein zentraler Pandemiemarker. Dumm nur, dass die Hospitalisierungsrate mit großer Verzögerung daherkommt.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

In Corona-Zeiten ist Deutschland ein Zahlenland geworden. Eine wichtige Ziffer in der Pandemie ist die der Hospitalisierung. Anhand der Rate der in Krankenhäusern behandelten COVID-19-Patienten wollen Bund und Länder ablesen, wie stark das Gesundheitssystem belastet ist. Droht es regional eng zu werden, dann müssen die Verantwortlichen vor Ort gegensteuern und Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nachschärfen.

So viel zur Theorie. In der Praxis weist die Hospitalisierungsrate einige Schwächen auf, die bis heute nicht beseitigt worden sind. Angesichts der heranrollenden Omikron-Welle ist das ein Problem. Es bräuchte rasch Gewissheit, ob sich steigende Fallzahlen auch in deutlich mehr Krankenhauseinweisungen niederschlagen. Rasche Einsichten aber liefert die Art der Erfassung der Hospitalisierungsrate nicht.

Zu Recht hat der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, den Finger in die Wunde gelegt und auf eine „maximale Verzögerung“ bei der Erfassung der Klinikeinweisungen hingewiesen. Diese Verzögerung rühre daher, dass noch immer per Fax statt digital vom Krankenhaus Richtung Gesundheitsamt und weiter ans RKI gemeldet werde.

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Wenn das RKI die „aktuelle“ (bundesweite) Hospitalisierungsrate mit 3,34 je 100.000 Einwohner angibt, ist das im Prinzip eine alte Zustandsbeschreibung. Alt aber verträgt sich nicht mit den Erfordernissen einer Pandemie. In dieser sind Entscheidungen möglichst auf Grundlage neuer Daten zu treffen.

Dass die Politik das Problem schnell behebt, wie die DKG hofft, ist so gut wie ausgeschlossen. Das dauert. Einmal mehr rächt sich der Dornröschenschlaf Deutschlands bei der Digitalisierung seiner Gesundheitsstrukturen.

Schreiben Sie dem Autor: thomas.hommel@springer.com

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