Umfrage

Digitale Schulungen kommen bei Diabetologen gut weg

Als datengetriebene Erkrankung eignet sich der Diabetes besonders gut für eine digital unterstützte Versorgung. Eine neue Umfrage zeigt, dass dabei zumindest die Diabetologen eifrig mitziehen.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht: 04.03.2019, 05:41 Uhr
IT-gestütztes Krankheitmanagement: Bei Diabetologen längst Alltag.

IT-gestütztes Krankheitmanagement: Bei Diabetologen längst Alltag.

© Roche Diabetes Care

BERLIN. Für den Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetologie (D.U.T., www.dut-report.de), der vor Kurzem in Berlin vorgestellt wurde, hat das Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) im Oktober 2018 insgesamt 422 Diabetologen schriftlich befragt. Aufgrund der Methodik sei das zwar nicht repräsentativ für die rund 1200 diabetologischen Schwerpunktpraxen in Deutschland.

Das Ergebnis lasse aber dennoch Rückschlüsse zu, erklärte jetzt FIDAM-Geschäftsführer Professor Bernhard Kulzer.

Die Daten zeigen, dass moderne Arten des Diabetesmanagements auf breiter Front Einzug in die Versorgung halten. Im Durchschnitt nutzen 161 Patienten pro Praxis die Flash-Glukosemessung (FGM), 41 die kontinuierliche (Blut-)Glukosemessung (CGM) und 60 eine Insulinpumpentherapie.

Rezeptbestellung weit verbreitet

Fast alle Diabetologen arbeiten dabei mit speziellen Softwarelösungen. Neun von zehn Befragten haben Accu-Chek Smart Pix installiert, jeweils sieben von zehn nutzen Libre View, Diabass und Carelink, zwei Drittel (66 Prozent) haben das Programm Clarity auf dem PC und 17 Prozent der Befragten Diasend. Auch darüber hinaus gibt es viele digitale Angebote: „51 Prozent bieten Online-Rezeptbestellung an und 24 Prozent eine Online-Terminvereinbarung. Das hätte ich geringer geschätzt“, erklärt Kulzer.

Die IT-Tools würden nicht nur genutzt, sondern insgesamt auch sehr positiv gesehen, so Professor Norbert Hermanns vom Forschungsinstitut der FIDAM. 70 Prozent der befragten Diabetologen sehen in der Digitalisierung demnach ein sehr großes Potenzial, die Diabetesversorgung zu verbessern. Zu den am häufigsten genannten Vorteilen gehörten eine Steigerung der Patientensicherheit, bessere Behandlungsqualität, Unterstützung bei Therapieentscheidungen, effiziente Arbeitsabläufe und eine stärkere Einbindung der Patienten.

Völlig unkritisch sind die Diabetologen natürlich nicht. Als Nachteile genannt wurden unter anderem die hohen Investitionskosten, rechtliche Unsicherheiten, die Gefahr des Missbrauchs von Patientendaten sowie die technische Fehleranfälligkeit digitaler Anwendungen. Nur wenig befürchtet wird unter Diabetologen dagegen eine Beeinträchtigung des Arzt-Patienten-Verhältnisses.

Auch ein erhöhtes Risiko für Fehlbehandlung durch (Teil-)Automatisierung sehen die Diabetologen eher nicht.

Telemedizin noch am Anfang

Nicht alle digitalen Versorgungstools werden so positiv bewertet wie die Auswertungsprogramme. Bei der Telemedizin etwa gibt es noch Skepsis: Nur bei drei Prozent der Patienten wird derzeit im Mittel Telemedizin genutzt. In fünf Jahren werde es bei jedem Fünften sein, erwarten die Diabetologen. Dass sich durch Telemedizin die Arbeit der Diabetologen entscheidend verbessern wird, glauben nur 18 Prozent, und dass Telemedizin ärztlicherseits die Arbeitszufriedenheit steigert nur neun Prozent.

Digitale Diabetesschulungen kommen besser weg. Schon heute halten 38 Prozent der Befragten digitale Schulungsangebote für bedeutsam. Und dass sie in den nächsten fünf Jahren noch wichtiger werden, glauben immerhin zwei von drei Befragten. Im Mittel nutzen demnach derzeit 16 Prozent der Diabetespatienten einer Praxis digitale Schulungsformate. In fünf Jahren könnte es jeder Dritte sein, glauben die Ärzte.

Der D.U.T. soll ab jetzt jährlich publiziert werden. Verfasst wurde das umfangreiche, online im Detail einsehbare Dokument von dem von Berlin-Chemie unterstützten Expertengremium „Zukunftsboard Digitalisierung“, das Ärzte, Diabetesberater, Patienten, Kostenträger und Juristen zusammenbringt.

Es handele sich um das erste deutschlandweite Mapping digitaler Strukturen in der Diabetologie, betonte Professor Lutz Heinemann, Vorsitzender der AG Diabetes und Technologie in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Infos zum 360°-Kommunikations- konzept TheraKey® von Berlin-Chemie: www.therakey.info

D.U.T.

  • Der D.U.T. (Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetologie) ist bei der Diatec in Berlin vorgestellt worden.
  • Initiator: Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM)
  • Befragung: 422 von 1200 Diabetologen in Deutschland wurden schriftlich befragt. Die Auswahl war nicht repräsentativ, erlaubt aber Rückschlüsse auf stabile Trends zur Nutzung digitaler Technologie durch Diabetologen.
  • Webadresse: www.dut-report.de
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