Rücken- und Knieschmerzen

Orthopäden im Ländle starten mit DiGA-Gegenentwurf

Apps auf Rezept treffen nach Ansicht der Orthopäden und Unfallchirurgen in Baden-Württemberg nicht den Bedarf in der Praxis. Daher haben sie nun ihre eigene Lösung gebastelt – und setzen auf einen Selektivvertrag.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Unabhängig vom Alter plagen Patienten Rücken oder Knieschmerzen. Das Programm OrthoHeroBKK soll Patienten wie Ärzte bei der Therapie unterstützen.

Unabhängig vom Alter plagen Patienten Rücken oder Knieschmerzen. Das Programm OrthoHeroBKK soll Patienten wie Ärzte bei der Therapie unterstützen.

© ISO K° - photography/Shotshop/picture alliance/dpa

Kornwestheim. Fachärzte für Orthopädie, Orthopädie und Unfallchirurgie oder Physikalische und Rehabilitative Medizin können sich an dem Programm OrthoHeroBKK beteiligen und seit 1. Oktober Patienten mit Rücken - und Knieleiden einschreiben. Diese Patienten suchen laut dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) oft eine moderne, digitalgestützte Behandlung, die sich bequem in den Alltag integrieren lässt, am liebsten bei paralleler Betreuung durch den Arzt.

Nach einem App-gestützten Eingangs-Check wird für den Patienten durch den Arzt ein individueller Trainingsplan erstellt. Anschließend kann der Patient die Herodikos-App herunterladen, freischalten und für die Zeit des individuellen Trainings nutzen. Die Herodikos-App ermöglicht dem behandelnden Arzt gleichzeitig auch den Therapieverlauf jedes einzelnen Patienten zu prüfen und nach Bedarf anzupassen. Während der Nutzungsphase sind ärztliche Zwischenuntersuchungen vorgesehen. Bei Bedarf kann der Nutzungszeitraum von 90 auf 180 Tage verlängert werden.

Kassen, KV und Industrie im Boot

Das neue Behandlungskonzept OrthoHeroBKK wurde von der BKK Vertragsarbeitsgemeinschaft (BKK VAG) Baden-Württemberg, dem BVOU, der Herodikos GmbH und der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) entwickelt. „Unsere Versicherten wünschen sich vermehrt digitale Anwendungen, die sich in den Alltag integrieren lassen und die individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind. Am wichtigsten ist uns Betriebskrankenkassen der Nutzen für die Versorgung unserer Versicherten. Deshalb haben wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern OrthoHeroBKK entwickelt.“, so Dagmar Stange-Pfalz, Vorsitzende des Vertragsausschusses der BKK VAG Baden-Württemberg.

Die Kooperationspartner versprechen sich einen hohen Nutzen, Mehrwert und Attraktivität des Angebots sowohl für Patienten wie auch für Ärzte. „OrthoHeroBKK ist ortsunabhängig und jederzeit verfügbar“, erklärt Dr. Burkhard Lembeck, Orthopäde und Unfallchirurg in Ostfildern und BVOU-Kongresspräsident des Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2021. „Die App-gestützte Bewegungstherapie gilt als Alternative oder Ergänzung zu pharmazeutischen oder invasiven Versorgungsformen sowie Heil- und Hilfsmittelversorgungen und ist für die beteiligten Betriebskrankenkassen mit Wirtschaftlichkeitsvorteilen verbunden.“, so Lembeck weiter.

App auf Rezept: Arzt bei DiGA fünftes Rad am Wagen

In der Praxis stellten Ärzte häufig fest, dass die Versorgungsmodelle der seit einem Jahr auf dem Markt befindlichen Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) nicht zu Ende gedacht seien. Die Anwendungen bezögen den Arzt kaum ein und hielten angesichts hoher Preise und hoher Abbruchquoten seitens der Patienten selten, was sie versprächen, heißt es. Wie eine Auswertung vor Kurzem ergab, lag der Durchschnittspreis für eine rezeptierte DiGA bis dato bei 406,70 Euro für 90 Tage.

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