Ärzte Zeitung, 16.04.2010

10 000 Schritte sollst du geh'n - so schwer ist Bewegung im Alltag gar nicht

10 000 Schritte sollst du geh'n - so schwer ist Bewegung im Alltag gar nicht

Bewegung im Alltag hat messbare gesundheitliche Wirkungen. Schon der "Ritt" zur Arbeit auf Schusters Rappen reicht.

Von Thomas Meißner

10 000 Schritte sollst du geh'n - so schwer ist Bewegung im Alltag gar nicht

Bringt schon etwas: eine U-Bahn-Station früher aussteigen. © Photos.com

In Deutschland treiben viele Menschen nicht nur keinen Sport. Etwa ein Viertel der Bevölkerung bewegt sich selbst im Alltag kaum. "Gehen repräsentiert etwa 80 Prozent der Tagesaktivität. Aber kaum jemand erreicht 10 000 Schritte am Tag - das wäre die Grenze zur Aktivität", sagte Professor Klaus Völker aus Münster beim Internistenkongress in Wiesbaden. So gehe ein Rezeptionist etwa 1200 Schritte am Tag, ein Manager 3000, ein Verkäufer 5000 Schritte. Nur Hausfrauen mit mehreren Kindern und Postboten liegen deutlich über der 10 000er Schwelle.

Zur Arbeit zu laufen, den Bus, die Straßen-, die U- oder S-Bahn ein bis zwei Stationen vor dem Ziel zu verlassen, ist also eine durchaus sinnvolle und gesundheitlich wirksame Aktivität. In Japan sei festgestellt worden, dass allein der tägliche, mindestens 20-minütige Fußweg zur Arbeit das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, um 27 Prozent senken kann, so Völker.

Spazierengehen sollte ein essenzieller Bestandteil der Therapie von Patienten mit Diabetes mellitus werden, forderte der Sportmediziner. Ab 4,5 bis 5 Stunden pro Woche sind signifikante Effekte zu verzeichnen, wie eine Interventionsstudie bei 172 Typ-2-Diabetikern ergeben hat: Körpergewicht und Bauchumfang nehmen ab, ebenso der Blutdruck und der HbA1c-Wert, und der Fettstoffwechsel verbessert sich. Das KHKRisiko sinkt dementsprechend.

Völker erinnerte an die Aktion "3000 Schritte mehr am Tag" der Sporthochschule Köln. "3000 Schritte entsprechen einem Spaziergang von einer halben bis dreiviertel Stunde oder etwa 2,4 km", sagte Völker. Diese Intervention bei 153 berufstätigen Probanden mit einer Ausgangsschrittzahl von 6600 Schritten täglich bewirkte nach 15 Wochen signifikante Verbesserungen des Cholesterinprofils der Teilnehmer, besonders bei zuvor erhöhten LDL-Werten. Drei von vier Teilnehmern waren, unter anderen motiviert durch die Anwendung von Schrittzählern, in die Nähe des Aktivitätsniveaus von 10 000 Schritten gekommen.

www.die-praevention.de

Lesen Sie dazu auch:
Niere bevorzugt Kombi mit Ca-Antagonisten
10 000 Schritte sollst du geh'n - so schwer ist Bewegung im Alltag gar nicht
Depression? Zwei Fragen führen an's Ziel
Priorisierung zu Lasten der Palliativmedizin?
Nierenpatienten: erst Eisen, dann Erythropoetin!
Mit der Teilzeitstelle kommt der Karriereknick
Wie ist das Gesamttherapieziel bei Diabetes zu erreichen?
Über 8000 Ärzte waren dieses Jahr beim Kongress
Internistenkongress 2011 mit Leitthema "Lebensphasen"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Zehn Regeln für die Rheuma-Therapie

In der medikamentösen Behandlung von älteren Rheuma-Patienten gilt es für Ärzte, einiges zu beachten. Rheumatologen haben zehn Empfehlungen verfasst. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Medizin per Videos patientengerecht erklärt

Bei der Visite oder im Gespräch bemerkten die Mediziner Nicolas und Sebastian Kahl, dass Patienten nur wenig von den Ausführungen des Arztes verstanden haben. So entstand die Idee, Erklärvideos zu produzieren. mehr »