Ärzte Zeitung Extra, 09.09.2008

Therapie

Bakterielle Meningitis - Bei Verdacht Antibiotika!

Petechien am ganzen Körper sind typisch für invasive Meningokokken-Infektionen.

Foto: Baxter

Patienten kommen meist schon schwer krank in die Praxis / Ärzte sollten Patienten in die Klinik begleiten

Meningokokken-Infektionen können binnen weniger Stunden schwer und lebensbedrohlich verlaufen. Bei Verdacht sollte sofort eine hochdosierte Antibioka-Therapie eingeleitet und der Patient in eine Klinik eingewiesen werden.

Meist kommen Patienten mit bakterieller Meningitis schon schwer krank in die Praxis. Sie sind bewusstseinsgestört, haben Orientierungsschwierigkeiten, sind somnolent, haben starke Kopfschmerzen, Fieber und einen steifen Nacken. Zudem sind sie sehr lichtscheu. Dazu kommen Kreislaufprobleme mit schnellem, flachem Puls und niedrigem Blutdruck.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger charakteristisch. Die Kinder können Fieber und Krämpfe haben, erbrechen, reizbar oder auch schläfrig sein und aufschreien. Die Fontanelle kann hart oder vorgewölbt sein. Die typische Nackensteifigkeit kann bei ihnen fehlen.

Anfangs sind die Symptome bei Kindern und Jugendlichen oft sehr unspezifisch. Klassische Symptome sind häufig erst nach 13 bis 22 Stunden erkennbar. Da die Therapie aber so schnell wie möglich eingeleitet werden muss, kann man sich bei Kindern an drei häufigen Symptomen der Frühphase orientieren: schwere Schmerzen in den Beinen, die Kinder am Stehen oder Laufen hindern, kalte Hände und Füße bei sonst erhöhter Temperatur sowie eine sehr blasse Haut, wobei das Areal um die Lippen blau oder dunkel gefärbt ist.

Legen Symptome den Verdacht auf eine bakterielle Meningitis nahe, sollte umgehend ein hochdosiertes Antibiotikum gegeben werden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist Penicillin G das Mittel der Wahl. Alternativen sind Cephalosporine der 3. Generation.

Nötig ist die sofortige stationäre Einweisung. Es ist sinnvoll, wenn Ärzte die Patienten im Notarztwagen begleiten. Von unterwegs kann schon veranlasst werden, dass in der Klinik eine Computertomografie des Kopfes und eine Liquorpunktion vorbereitet werden. Die hochdosierte Antibiose wird stationär weitergeführt.

Wird die Erkrankung bei einem Patienten gleich erkannt und wird er sofort mit Antibiotika behandelt, ist die Prognose relativ gut. Letale Verläufe sind dann selten. Bei 15 bis 20 Prozent der Patienten kann es aber nach der Genesung zu Störungen wie Hörproblemen oder geistiger Retardierung kommen. Je früher die Therapie beginnt, desto besser ist die Prognose. (ug)

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