Ärzte Zeitung, 13.12.2012

Kommentar zur Hypertonietherapie

Verordneter Absturz

Von Beate Schumacher

Gangstörungen, Verwirrtheit, Stolperschwellen: Es gibt viele widrige Umstände, die alte Menschen zu Fall bringen können. Zieht der Sturz eine Hüftfraktur nach sich, dann kommen die Patienten meistens nicht wieder auf die Beine: 30 Prozent sterben noch innerhalb eines Jahres, und jeder Dritte wird zum Pflegefall.

Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass mancher Fallstrick auch auf dem Rezeptblock des Arztes zu finden ist - außer den berüchtigten Benzodiazepinen gehören dazu auch andere Psychopharmaka sowie manche Antiarrhythmika und Antihypertensiva.

Wie aufwändig die Beurteilung von iatrogenen Risikofaktoren sein kann, lässt eine aktuelle Studie aus Kanada erahnen. Eine langfristig unproblematische Hochdrucktherapie kann in der Anfangsphase zu orthostatischer Hypotonie und erhöhtem Sturzrisiko führen.

Diese Gefahr besteht auch dann, wenn ein fieberhafter Infekt oder eine Durchfallerkrankung hinzukommen. Zur Vermeidung fataler Stürze muss die Medikation deswegen regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Wie lohnend aufwändige Maßnahmen zur Sturzprävention sein können, hat gerade ein AOK-Projekt unter Beweis gestellt. In bayerischen Pflegeheimen ist es damit gelungen, die Zahl der Hüftfrakturen um 20 Prozent zu senken.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Bluthochdruck: Hüfte kaputt nach Therapiebeginn

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »