Ärzte Zeitung, 16.02.2009

Strontiumranelat punktet bei Osteoporose

Strontiumranelat hat über einen Zeitraum von einem Jahr bei Frauen mit postmenopausaler Osteoporose die Knochenstruktur in stärkerem Ausmaß gebessert als das Bisphosphonat Alendronat. Das war das Ergebnis der Zwischenauswertung einer direkten Vergleichsstudie.

Symbolisches Bild eines Knochenbruches im Unterschenkel. Für die Festigkeit nicht verte-braler Knochen ist die Kortikalisdicke ein wichtiges Maß. Eine dünne Kortikalis bedeutet ein erhöhtes Risiko für eine Tibiafraktur.

Foto: Sebastian Kaulitzki©Fotolia.de

Zwei Jahre lang wurden 88 Frauen mit postmenopausaler Osteoporose behandelt: entweder mit zwei Gramm Strontiumranelat (Protelos® des Unternehmens Servier) täglich oder mit 70 mg Alendronat einmal wöchentlich. Zusätzlich erhalten alle Patientinnen täglich 500 mg Kalzium und 400 IU Vitamin D.

Die Untersuchung der Knochenstruktur erfolgte nach drei und nach sechs Monaten sowie nach einem, nach eineinhalb und nach zwei Jahren. Dazu wurde ein neues Verfahren der Firma SCANCO verwendet: die hochauflösende μ-Computertomographie (HR-pQTC). Dieses validierte Verfahren erlaubt es, die Mikrostruktur des Knochens und damit die Knochenqualität und die Knochenfestigkeit nichtinvasiv, also ohne Knochenbiopsie, zu beurteilen. Die Ergebnisse der Zwischenauswertung nach einem Jahr wurden als Abstract zum IOF World Congress on Osteoporosis* veröffentlicht (R. Rizzoli, D. Felsenberg et al., Osteoporos Int 20, 2009, OC37).

Zu Beginn der Therapie waren die Frauen in beiden Behandlungsgruppen im Mittel 64 Jahre alt. Ihr T-Score, also die Abweichung der gemessenen Knochendichte vom Durchschnittswert bei prämenopausalen Frauen, war an der Lendenwirbelsäule -2,7 g/cm2, an der Hüfte -2,0 g/cm2. Primärer Endpunkt der Studie waren mit HR-pQTC festgestellte Veränderungen der Knochenstruktur in der Tibia. Zu den sekundären Endpunkten gehörten die regionale Knochenmasse (aBMD) an der Wirbelsäule und an der Hüfte sowie Marker für den Knochenstoffwechsel. Von 85 Patientinnen standen für die Zwischenauswertung hochauflösende CTs der distalen Tibia vor und nach Beginn der Therapie zur Verfügung (Intent-to-Treat-Gruppe).

Nach einem Jahr war die Knochenmasse in der Lendenwirbelsäule unter Strontiumranelat um 5,7 Prozent, unter Alendronat um 5,1 Prozent gestiegen. In der Hüfte hatte die Knochenmasse unter Strontiumranelat um 3,3 Prozent, unter Alendronat um 2,2 Prozent zugenommen.

Bei den mit Strontiumranelat behandelten Frauen hatte die vor allem für die Festigkeit der nichtvertebralen Knochen wichtige Dicke der Kortikalis signifikant um 5,3 Prozent (p < 0,001) zugenommen. Der Zuwachs an Knochenvolumen (BV/TV) nach einem Jahr Behandlung betrug 2,0 Prozent (p = 0,002). Die Dichte der trabekulären Strukturen hatte um 2,1 Prozent (p = 0,002) zugenommen. Bei den ein Jahr lang mit Alendronat behandelten Patienten waren bei Kortikalisdicke, Knochenvolumen und Trabekeldichte keine signifikante Veränderung festzustellen. Zwischen den beiden Behandlungsgruppen bestand ein signifikanter Unterschied zugunsten von Strontiumranelat.

Auch bei den Markern für den Knochenstoffwechsel zeigten sich signifikante Unterschiede: Unter der Therapie Strontiumranelat stieg der Wert für die knochenspezifische alkalische Phosphatase (bALP) um fünf Prozent, unter der Therapie mit Alendronat sank er jedoch um 35 Prozent.

Die Werte für die c-terminalen Telopeptidfragmente vom Typ-1-Kollagen (cCTX) sanken in der Gruppe der mit Strontiumranelat behandelten Frauen um sieben Prozent, in der Alendronat-Gruppe fielen sie um 58 Prozent. (ku)

Das IOF Executive Committee hat wegen der instabilen politischen Situation in Thailand den World Congress on Osteoporosis kurzfristig abgesagt. Die für den Kongress eingereichten Abstracts sind in "Osteoporis International" veröffentlicht (Osteoporos Int 20, 2009, 163 bis186).

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