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AMNOG - ein spürbares Erdbeben

Vor 16 Monaten ist das AMNOG und damit die frühe Nutzenbewertung in Kraft getreten. Das Rad will keiner zurückdrehen, dennoch muss nachjustiert werden.

Wolfgang van den BerghVon Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht:
Pillen, Kapseln, Tabletten: Auch eine Frage des Nutzens.

Pillen, Kapseln, Tabletten: Auch eine Frage des Nutzens.

© Uwe Moser / panthermedia

WIESBADEN. Professor Bernd Mühlbauer spricht von einer Erdbeben-artigen Veränderung, wenn er das AMNOG, die frühe Nutzenbewertung und die Auswirkungen Revue passieren lässt.

Zustimmung erhält der Direktor des Instituts für klinische Pharmakologie (Bremen) von Hanspeter Quodt. Sein Kommentar: "Der Seismograph hat ausgeschlagen."

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der MSD Sharp & Dohme GmbH sagte am Rande Internistenkongresses bei der traditionellen MSD-Diskussionsrunde, dass die frühe Nutzenbewertung eine Chance darstelle, die Versorgung zu optimieren.

Die aktuellen Probleme etwa im Zusammenhang mit der Wahl der Vergleichstherapie, der Subgruppenbildung und der Preisfindung seien "normal bei einem neuen Gesetz".

Er hoffe aber sehr, dass die Probleme bald behoben seien. So wäre etwa die Verbindlichkeit des Beratungsgesprächs, wie es derzeit in einem Unionspapier gefordert wird, hilfreich.

Zudem erwartet er eine stärkere Berücksichtigung internationaler Bewertungen über den Zusatznutzen eines Wirkstoffs. Quodt verwies darauf, dass derzeit sechs Outcome-Studien mit 120.000 Beteiligten laufen - zwei davon im Herz-Kreislauf-Bereich.

Ein lernfähiges System

Dr. Ursula Marschall, Leiterin des medizinischen Kompetenz-Zentrums bei der Barmer/GEK fühlte sich damit in ihrer Auffassung bestätigt, dass das AMNOG keine Innovationsbremse sei.

Es müsse darüber diskutiert werden, wie künftig die Teilhabe an medizinischen Innovationen innerhalb des GKV gesichert werden könne. Dabei schloss sie ausdrücklich den Bereich der Medizintechnik in die Nutzenbewertung ein.

Von politischer Seite machte Erwin Rüddel (CDU), Mitglied im Bundestags-Gesundheitsausschuss deutlich, dass das AMNOG "nicht einseitig ausschlagen" dürfe.

"Es ist ein lernfähiges und lernbereites System, wenn alle sich an die Regeln halten." Er unterstrich die große Bedeutung der pharmazeutischen Industrie in Deutschland für die medizinische Forschung.

Davon profitierten in erster Linie die Patienten. Eine Auffassung, die von Ludwig Hammel, Geschäftsführer der Vereinigung Morbus Bechterew, geteilt wurde. Er fordert mit Blick auf die Patientenbank im G-BA größere Beteiligungsrechte.

Ziel müsse es sein, dass jeder Patient zum richtigen Zeitpunkt, das richtige Medikament erhalte, sagte Quodt. Mühlbauer wünschte sich von der Industrie eine Forschung mehr mit Blick auf die "wirklich offenen therapeutischen Fragen und patientenrelevante Endpunkte".

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Kommentare
PD Dr. Hans-Robert Böhme 08.04.201314:01 Uhr

Politische Pharmakologe

Sehr geehrte Herrschaften,

die obige Zusammenstellung der Meinungen besonders ausgewiesener Experten ist ein bemerkenswertes Beispiel für pathognomonische Praxisferne und die Attraktivität falscher Analogien für Laien!
z.K.
Korruption: Heckemann fordert gleiche Strafen für alle
http://www.facharzt.de/a/a/131952/

Re: Korruption: Heckemann fordert gleiche Strafen für alle
"Auch die Kassen dürfen immer noch legal durch Rabattverträge Einfluss auf die Verordnung bestimmter Arzneimittel nehmen und damit das Arzt-Patientenverhältnis teilweise massiv beeinträchtigen“, erklärte Heckemann." !!

Replik:

Das AMNOG als aktionistischer Erguss dilettantischer Politiker und merkantil akzentuierter Kasseninteressen schadet im Sinne einer `politischen Pharmakologie`jedem Einzelnen und dem gesamten Volk ! Standespolitiker, die sich für die ärztliche Kunst einer eben individualisierten und eben nicht mit unsinnigen Mittelexzellenzziel- werten beurteilten standardisierten Therapie auf der Basis lange bekannten und gesicherten klinisch-pharmakologischen Wissens einsetzen, sollten mit Nachdruck unterstützt werden.
Pharmazeuten ,als akademische hochgebildete Fachleute für die e x t r a (!)biologischen Eigenschaften der Arzneimittel, sollten den Kassen immer wieder vorhalten, dass der gleiche Wirkstoff in gleicher Dosierung bei unterschiedlicher Galenik eben regelhaft nie (!) die gleiche Wirkung hat und nie Kosten spart ,sondern diese z. B. durch Complianceprobleme generiert !
Selbst die Substitution z.B. einer Methylgruppe kann im Sinne der Polaritätshypothese eine Differentialtherapie begründen und kann nicht ohne Prüfung mit dem Mangel eines "Zusatznutzens" diskriminiert werden. !


s.auch www.drboehmeklipha.com Informationen für Fachkreise

Mit vorzüglicher Hochachtung
Hans-Robert Böhme


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