Ärzte Zeitung, 06.10.2014

Umfrage

Deutsche wünschen sich schnellen Arztkontakt

Schnelle Hilfe im Notfall sowie Arztkontakte ohne lange Wartezeiten: Wenn es um neue Produkte oder Dienstleistungen geht, sind dies die Bedürfnisse, die zu erfüllen die größten Erfolgsaussichten verspricht.

FRANKFURT / MAIN. Die Digitalisierung eröffnet den Gesundheitsmarkt auch für Unternehmen, die dort auf den ersten Blick eher fremd wirken. Die Smartwatch, die den Puls misst oder die Kontaktlinse, die den Blutzucker bestimmt - für die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) sind das Beispiele "für innovative Gesundheitsleistungen branchenfremder Unternehmen".

Um deren Marktschancen zu erkunden, hat PwC eine repräsentative Umfrage bei dem Marktforscher Toluna beauftragt ("Healthcare & Pharma New Entrants").

1000 Bundesbürger ab 18 Jahren nahmen daran im Laufe des Septembers teil.

Online-Sprechstunde "sinnlos"

Unterstützung im Notfall und ein schneller Arzt-Kontakt liegen in der Hierarchie der Kundenbedürfnisse, gefragt nach neuen medizinischen Tools und Diensten, ganz vorn.

Zu den Favoriten unter den neuen Healthcare-Assistenzsystemen zählen etwa ein E-Call-System im Auto, das nach einem Unfall automatisch den Rettungswagen ruft oder das Angebot "Post Persönlich", bei dem der Briefträger auf Wunsch älterer Menschen einmal täglich nach dem Rechten sieht.

Auch Bodenbeläge, die melden, wenn ein Bewohner gestützt ist, Besteck-Stabilisatoren für Parkinson-Patienten oder eine App, mit der sich Arzttermine buchen lassen, hält die Mehrheit der Befragten für sinnvoll.

"Eher oder völlig sinnlos" gilt dagegen die Blutzuckermessung mittels iPhone oder eine Online-Sprechstunde, bei der Patienten eine ärztliche Diagnose übers Internet erhalten. Paketdrohnen, die Medikamente nach Hause liefern, werden genauso belächelt wie eine App, mit der sich die Hörfähigkeit testen lässt.

Nach Auskunft einer PwC-Sprecherin handelt es sich bei allen abgefragten Assistenz-Angeboten um bereits marktreife oder zumindest kurz vor der Marktreife stehende Produkte.

Interessant: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) bekundete die Bereitschaft, für neue Gesundheitsleistungen auch in die eigene Tasche zu greifen. Am höchsten ist mit 15 Prozent der Befragten die potenzielle Selbstzahlerquote für Techniken, die dafür sorgen, die Wartezeit beim Arzt zu verkürzen.

Neue Angebote werden akzeptiert

Elf Prozent der Befragten präferieren Homecare für Behandlungen, die bisher nur in einer Arztpraxis oder in einer Klinik möglich sind, etwa Impfungen oder Gesundheitschecks.

Neun Prozent würden am ehesten Geld für Selbstbehandlungen ausgeben, acht Prozent für innovative Diagnostik via Internet und nur vier Prozent für neue Präventionsangebote wie beispielsweise Webinare zur Vorbeugung eines Burn-out.

Fazit seitens PwC: "Fast jeder zweite Deutsche ist offen für die Angebote der neuen Marktteilnehmer".

Der sogenannte zweite Gesundheitsmarkt - also alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die Gesundheit - "werde von den Verbrauchern bereits überwiegend angenommen". (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »