Bakterien im Darm helfen bei der Diagnose

Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa haben oft ähnliche Beschwerden. Die Unterscheidung ist nicht einfach. Hier könnte in Zukunft eine Stuhluntersuchung helfen. Denn Forscher haben herausgefunden, dass die Erkankungen die Zusammensetzung der Darmflora unterschiedlich prägen.

Veröffentlicht:
Darstellung von Stäbchenbakterien. © Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Darstellung von Stäbchenbakterien. © Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

WIESBADEN (eb). Zahl und Art der den Darm besiedelnden Bakterien prägen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa maßgeblich.

Nach neuen Erkenntnissen erlaubt die Zusammensetzung der Darmflora eine diagnostische Unterscheidung der beiden Krankheiten. Darüber hinaus ließe sich der Krankheitsverlauf bei Colitis ulcerosa durch gezielte Neubesiedelung des Darms mit bestimmten Bakterien günstig beeinflussen.

Im Darm stehen sich Abwehrzellen und Bakterien in großer Zahl gegenüber: "Die Darmwand ist der Sitz des größten Immunsystems im menschlichen Körper", erinnert Professor Jürgen Schölmerich von der Universität Regensburg, Präsident des Internistenkongresses 2010. Im Darminneren befinden sich zehnmal so viele Mikroben wie der gesamte menschliche Körper Zellen hat. Dies wirke sich entsprechend aus, wenn der Darm entzündet ist, so Schölmerich.

Etwa 320 000 Menschen in Deutschland sind von chronischentzündlichen Darmerkrankungen (CED) betroffen. Dabei haben Patienten mit Morbus Crohn und mit Colitis ulcerosa oft ähnliche Beschwerden. Was bislang fehlt, sei ein Instrument, die Erkrankungen einfach und ohne aufwändigere Untersuchungsmethoden am Patienten zu unterscheiden, so Schölmerich vorab zum Kongress.

Eine Stuhluntersuchung könnte hier in Zukunft hilfreich sein. Denn Forscher haben herausgefunden, dass die Erkrankungen die Zusammensetzung der Darmflora jeweils unterschiedlich prägen: Bei Menschen mit Morbus Crohn finden sich weniger Bakterien des Typs Faecalibacterium prausnitzii. Bei der Colitis ulcerosa tritt im Gegensatz dazu dieser Keim vermehrt auf. Hinzu kommt, dass bei Colitis ulcerosa über die entzündete Schleimhaut massenhaft Leukozyten in die Exkremente übertreten.

Vor diesem Hintergrund liege es nahe, auch einen Einfluss der Bakterien auf die Symptome zu vermuten, teilt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin zum Kongress mit. Für diesen Einfluss gibt es in der Tat Hinweise. "Seit einiger Zeit behandeln wir Patienten mit Colitis ulcerosa nach dem Abklingen der Entzündung mit Präparaten, die einen bestimmten Stamm des Darmbakteriums E. coli enthalten. Studien haben gezeigt, dass dadurch neue Schübe der Entzündung hinausgezögert werden können", so Schölmerich. Seit kurzem gebe es zudem Hinweise darauf, dass Probiotika auch im Krankheitsschub helfen könnten.

Veranstaltungstipp

Um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Bakterien im Allgemeinen geht es auch bei Internistenkongress: So hält Professor Jörg Hacker am Samstag, 10. April, von 12.00 bis 12.30 Uhr die Mittagsvorlesung mit dem Thema "Evolution der Mi-kroben - von der Symbiose bis zur Sepsis". Vorsitzender ist Kongresspräsident Professor Jürgen Schölmerich, der Ort ist Halle 1 der Rhein-Main-Hallen. Hacker war bis Ende Februar Präsident des Robert Koch-Instituts und leitet seit 1. März als Präsident die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle. Lesen Sie auch: Die Rückkehr der Mikroben

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?

Flüssigbiopsie im Test

Pankreaskrebs: Früherkennung in Sicht?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Lesetipps
Das Zusammenspiel zwischen Vermögensverwalter und Anlegerin oder Anleger läuft am besten, wenn die Schritte der Geldanlage anschaulich erklärt werden.

© M+Isolation+Photo / stock.adobe.com

Geldanlage

Was einen guten Vermögensverwalter ausmacht

Adipostas und deren Folgen sind zu einer der häufigsten Todesursachen geworden.

© Christian Delbert / stock.adobe.com

Leopoldina

Adipositas-Epidemie: Diese Strategien braucht es jetzt

Plaque im Gefäß

© Dr_Kateryna / Fotolia

Metaanalyse

Keine Evidenz für die meisten Statin-Nebenwirkungen