Lungenkrebs

CT fördert viele indolente Tumoren zutage

Die Lungenkrebs-Mortalität von Hochrisikopersonen kann durch ein Niedrig Dosis-CT-Screening gesenkt werden. Aber außer aggressiven Tumoren entdeckt das Screening auch viele Tumoren, die klinisch nie in Erscheinung getreten wären.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Die Forscher mahnen zurPrüfung von Nutzen und Risiken eines CT-Screenings auf Lugenkrebs.

Die Forscher mahnen zurPrüfung von Nutzen und Risiken eines CT-Screenings auf Lugenkrebs.

© Tyler Olson / fotolia.com

DURHAM. 20 Prozent weniger Lungenkrebstote dank CT-Screening: Dieses Ergebnis der NLST-Studie sorgte 2010 schon vor der wissenschaftlichen Publikation der Originaldaten für Schlagzeilen. In der Studie waren 53.452 langjährige Raucher über 55 Jahren drei Jahre in Folge entweder per Niedrig-Dosis-CT oder per Röntgenthorax auf Lungenkrebs untersucht worden.

Trotz der beeindruckenden Mortalitätsreduktion warnen Ärzte des Duke University Medical Center in Durham jetzt vor einer übereilten Einführung von CT-Reihenuntersuchungen (JAMA Intern Med 2013, online 9. Dezember).

Sie haben nämlich eine Schätzung vorgenommen, wie häufig dabei indolente Karzinome entdeckt werden, deren Behandlung den Patienten keinerlei Vorteil verschafft.

Um in Erfahrung zu bringen, wie viele Tumoren auch ohne ein Screening manifest geworden wären, sind allerdings lange Nachbeobachtungszeiten erforderlich. Da der mittlere Follow-up in der NLST-Studie nur gut 6,4 Jahre betrug, haben die Studienautoren um Edward F.

Patz statt der realen Quote an Überdiagnosen deren Obergrenze empirisch bestimmt. Die entspricht dem Anteil von Diagnosen, die nur bei CT-, aber nicht bei Röntgenuntersuchungen gestellt wurden, an den insgesamt im CT-Arm entdeckten Diagnosen. Diese Exzessrate definieren die Forscher als Wahrscheinlichkeit, dass ein per CT gefundener Tumor klinisch indolent ist.

Im gesamten Studienverlauf waren per CT 1089, per Röntgenthorax 969 Lungenkarzinome detektiert worden, also ein Überschuss von 120 Fällen mit dem CT. Das entspricht einer Exzess-Krebsrate von 18,5 Prozent.

Für die Wahrscheinlichkeit, dass ein beim CT zutage gefördertes nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom (926 Fälle vs. 793 beim Röntgen) eine Überdiagnose war, errechnete sich ein Wert von 22,5 Prozent. Bei den bronchoalveolären Lungenkarzinomen (111 vs. 36 Fälle) betrug die Wahrscheinlichkeit sogar 78,9 Prozent.

Nutzen und Risiken gründlich prüfen

Den 120 Exzess-Karzinomen in der CT-Gruppe standen 87 verhinderte Todesfälle durch Lungenkrebs gegenüber. Wenn man einen solchen Todesfall verhindern will, muss man damit 320 Patienten dem dreijährigen Screening unterziehen, riskiert dafür aber 1,38 Überdiagnosen.

Das heißt, in den vier bis fünf Jahren nach den CT-Massentests werden mehr Personen unnötige belastende Diagnostik- und Therapiemaßnahmen über sich ergehen lassen müssen als Patienten vor dem Tod bewahrt werden.

Noch höher als im Vergleich zum Röntgen-Screening ist die Rate an CT-Überdiagnosen natürlich im Vergleich zu keinem Screening. Patz und Kollegen haben auch diesen Wert abgeschätzt, indem sie die Sensitivität der Screening-Verfahren und die zu erwartende Zeit zwischen Bildnachweis und klinischer Manifestation der Tumoren berücksichtigten.

Demnach führt ein dreijähriges CT-Screening im Laufe von sieben Jahren sogar zu 31 Prozent Überdiagnosen.

Allerdings ergab diese Modellrechnung auch, dass der Anteil der Überdiagnosen deutlich sinkt, wenn man von längeren Nachbeobachtungszeiten ausgeht. Die US-Ärzte weisen aber darauf hin, dass solche Schätzungen mit Vorsicht zu betrachten sind.

In ihrem Fazit mahnen sie daher auch zur gründlichen Prüfung von Nutzen und Risiken eines CT-Screenings: "Die Studie NLST hat zwar eine Mortalitätsreduktion mit dem Niedrig-Dosis-CT ergeben. Wenn Leitlinien für ein Massen-Screening entwickelt werden, sollte man aber die Limitationen des Screenings, vor allem das Ausmaß von Überdiagnosen, berücksichtigen."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Screening muss warten

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