Studie

Geldsorgen gehen langfristig aufs Herz

Wer im Berufsleben spürbare Einkommensverluste hinnehmen muss, hat in den darauffolgenden Jahren ein deutlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

Von Elke Oberhofer Veröffentlicht: 11.02.2019, 14:43 Uhr
Geldsorgen gehen langfristig aufs Herz

Höheres Herz-Kreislauf-Risiko nach starkem Einkommensverlust: Hängt das mit Stress und Blutdruckerhöhung zusammen?

© psdesign1 / Fotolia

Aktuelle Ergebnisse der CARDIA-Studie

  • Einkommensverluste von mindestens 25 Prozent waren mit einer Verdoppelung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse in den nächsten zehn Jahren verbunden.
  • Todesfälle traten bei relevanten finanziellen Verlusten um fast 80 Prozent häufiger auf als in einer Gruppe ohne nennenswerte Geldnöte.

MIAMI. Dass sich Geldnöte auf die Gesundheit niederschlagen, wird schon seit langem vermutet und konnte teilweise bereits in Studien nachgewiesen werden. So haben Forscher beispielsweise Assoziationen zu Depressionen und vor allem auch zu erhöhten Sterberaten gefunden. Hinweise dafür, dass es sich wohl um einen kausalen Zusammenhang handelt, liefert eine aktuelle Auswertung der Studie CARDIA. Das Alter der Teilnehmer lag bei Studienbeginn im Jahr 1990 zwischen 23 und 35 Jahren (Circulation 2019; online 7. Januar).

4000 Probanden beobachtet

Die Arbeitsgruppe um Dr. Tali Elfassy von der Universität Miami im US-Bundesstaat Florida beobachtete knapp 4000 Probanden über einen Zeitraum von insgesamt 25 Jahren. In den ersten 15 Jahren wurden die Teilnehmer alle drei Jahre nach persönlichen finanziellen Krisen befragt, in den darauffolgenden zehn Jahren schauten die Forscher nach gesundheitlichen Auswirkungen in Form von kardiovaskulären Erkrankungen beziehungsweise (Gesamt-)Mortalität.

Wie Elfassy und Kollegen berichten, ereigneten sich im „Risikozeitraum“ zwischen 2005 und 2015 insgesamt 106 kardiovaskuläre Ereignisse, 164 Teilnehmer starben. Dabei waren Einkommensverluste von mindestens 25 Prozent gegenüber der jeweils letzten Befragung mit einer Verdoppelung des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse in den nächsten zehn Jahren verbunden.

Ein plötzlicher Verlust von 20.000 Dollar beispielsweise erhöhte die Gefahr eines kardiovaskulären Ereignisses um das Dreifache. Todesfälle traten bei relevanten Verlusten um fast 80 Prozent häufiger auf als in einer Gruppe ohne nennenswerte Geldnöte.

Mehr als zwei Krisen riskant

Wer im Beobachtungszeitraum gleich zwei oder noch mehr finanzielle Krisen erlebt hatte, war besonders gefährdet: Hier war das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses gegenüber Probanden mit konstantem oder gestiegenem Einkommen um das Zweieinhalbfache erhöht. Auch in dieser Gruppe hatte sich das Mortalitätsrisiko insgesamt fast verdoppelt.

Dabei hatten die Forscher eine ganze Reihe möglicher Einflussfaktoren auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit berücksichtigt: neben Alter und Schulbildung auch BMI, Blutdruck, Gesamtcholesterin und HDL, Anzeichen für Depressionen sowie Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und körperliche Aktivität. Diese wurden allerdings bereits zu Studienbeginn erfasst.

Verschiedene Mechanismen

„Alles in allem“, so Elfassy und sein Team, „legen die Ergebnisse nahe, dass Einkommensschwankungen im frühen bis mittleren Erwachsenenalter wichtige unabhängige Prädiktoren für kardiovaskuläres Risiko und Gesamtmortalität darstellen.“

Erklären lässt sich dies den Forschern zufolge vermutlich durch verschiedene Mechanismen: So sei niedriges Einkommen nachweislich mit ungesunden Verhaltensweisen wie Rauchen, Trinken und Bewegungsmangel assoziiert. Ferner könnten auch der durch die Finanzkrise erzeugte Stress und die damit verbundene Blutdruckerhöhung sowie der Anstieg von Entzündungsparametern Einfluss haben.

In der Studie von Elfassy und Kollegen hatten insgesamt 47 Prozent der Teilnehmer während des Beobachtungszeitraums mindestens einmal im jungen bis mittleren Erwachsenenalter eine persönliche Finanzkrise erlebt. Wie die Forscher betonen, waren die Teilnehmer zum Zeitpunkt des kardiovaskulären Ereignisses noch relativ jung, nämlich zwischen 45 und 60 Jahre alt.

Dass es sich um eine umgekehrte Kausalität handelte, also dass eine gesundheitliche Krise zum Einkommensverlust geführt habe, sei theoretisch zwar möglich, so die Autoren. Allerdings habe man durch das Studiendesign versucht, Exposition und Gesundheitsfolgen zeitlich zu trennen.

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