Direkt zum Inhaltsbereich

Praxis-EDV

IT-Ausfall in der Praxis? Ein Fall für die Digi-Managerin

Jede Praxis braucht jemanden, der oder die im Thema TI und IT zu Hause ist, Probleme lösen und Impulse geben kann, wie Praxisabläufe besser digital gestaltet werden können. Wie wäre es mit der Delegation an eine Digi-Managerin? Ein Thema bei einem Workshop beim DEGAM-Kongress.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:
 Stefan Spieren

IT-Spezialist und Hausarzt Stefan Spieren aus Wenden im Sauerland beim Digitalisierungs-Workshop auf dem DEGAM-Kongress.

© Daniel Reinhardt

Hannover. Der GAU am Montagmorgen in der Hausarztpraxis um 7.30 Uhr: Die Rechner fahren nicht richtig hoch, kein Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) und 50 Patienten, die am Vormittag erwartet werden. Was also tun?

„Bevor der Techniker angerufen wird, spielen wir alle Eventualitäten durch, inklusive komplettem Neustart des Systems“, berichtet Hausarzt Stefan Spieren aus Wenden im Sauerland beim Workshop „Zukunftsfähige Praxis: Die Rolle der Digi-Managerin“.

Der Anruf beim Dienstleister vor Ort des Praxis-EDV-Anbieters kostet Geld, und so manches kann das Team in der voll durchdigitalisierten Praxis Spierens längst selbst lösen.

Das mag zum einen an der digitalen Affinität des Praxischefs der großen Hausarztpraxis selbst liegen. Spieren ist weithin bekannt dafür, dass er bei der Umsetzung moderner digitaler Anwendungen vielen Kolleginnen und Kollegen weit voraus ist.

Es liegt aber auch an der Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Praxis. Das ist ein effizientes Vorgehen, weil der Chef oder die Chefin einer Praxis im Kontakt mit Patienten für die Praxis mehr erwirtschaften kann, als wenn er oder sie das Praxisverwaltungssystem hoch- oder runterfahren, eine Druckerpatrone wechseln oder mit dem PVS-Hersteller über bessere Abläufe rund um die ePA diskutieren muss.

„Die Beschäftigung mit der IT kostet Arbeitszeit, aber sie macht die Medizin nicht besser“, stellte einer der Workshop-Teilnehmer in der Diskussion fest.

Fortbildung für MFA bei der KVWL

Doch wie dabei vorgehen? Zuerst, so Spieren, müsse eine MFA gefunden werden, die Interesse und auch Fähigkeiten hat, sich in das Thema Digitalisierung einzuarbeiten. Es bringe nichts, einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin einfach die Arbeit zuzuteilen.

„IT ist auf jeden Fall ein gutes Thema für Delegation, es braucht jemanden, der unterstützen und Impulse geben kann“, sagt auch Lea Nehm, bei der KV Westfalen-Lippe, in der auch Spieren Mitglied ist, Abteilungsleiterin TI und IT.

Die KVWL hat daher vor einiger Zeit eine Fortbildung zur Digi-Managerin entwickelt, die praktisches und theoretisches Wissen mit IT und TI vermittelt. Die bisher gesammelten Erfahrungen seien gut, eine Evaluation der Uni Witten-Herdecke sei auch gut ausgefallen.

Das ganze Curriculum mit insgesamt 40 Stunden kostet die Praxis 550 Euro – und außerdem eine Gehaltserhöhung nach erfolgreichem Abschluss. Er stufe eine MFA nach einer solchen Fortbildung dann um eine Gehaltsklasse höher ein, erläuterte ein Workshop-Teilnehmer.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Die fortgebildete MFA könne dann vielfältige Aufgaben übernehmen, wenn es um IT in der Praxis gehe, erläuterten Spieren und Nehm im Workshop:

  • Im Blick behalten, was in der IT und rund um die TI ansteht: Konformitätsbescheinigung der Software, neuer Verschlüsselungsalgorithmus und seine Folgen für die Praxen, ePA als Pflichtanwendung etc.
  • Patienten helfen, in die ePA reinzukommen, weil das auch für die Praxis Erleichterungen bringt.
  • Neue Abläufe im Blick haben, damit keine unnötigen Belastungen entstehen. Dort, wo mehr Mausklicks erforderlich sind als nötig, könne die zuständige MFA Rückmeldung an den Hersteller geben.
  • Bei der Auswahl neuer Anwendungen auf Augenhöhe mit den Anbietern sprechen und so zu einer besser fundierten Entscheidung kommen.
  • Und nicht zuletzt Impulse geben für neue Anwendungen, zum Beispiel Telefonassistenten, Dokumentationsassistenten und mehr.

Stefan Spieren erinnert sich, dass die Arbeit rund um Patientenanfragen zu den unbeliebtesten im Team gehörte, weil ständig das Telefon klingelte. „Nach zwei Stunden waren die MFA fertig.“

Inzwischen ist es ruhig in der Praxis geworden, Anfragen werden automatisch aufgenommen und dann in Ruhe bearbeitet. An dieser Stelle könne Digitalisierung dann auch einmal ein Segen sein. Er sage seinen MFA immer: „Wenn wir einen höheren Digitalisierungsgrad haben, können wir mehr Kaffee trinken.“ (ger)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Tipps der Bundesärztekammer

Wie Ärzte Fake News und Deepfakes erkennen

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt