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Ginkgo und Epilepsie: Neue Diskussionen, aber keine neuen Erkenntnisse

NEU-ISENBURG (mut). Sollten Epilepsie-Kranke besser die Finger von Ginkgo-Präparaten lassen? Das wird immer wieder diskutiert. Zuletzt plädierten Autoren einer deutschen Publikation für einen vorsichtigen Umgang mit solchen Phytopharmaka. Neue Erkenntnisse zum Anfallsrisiko gibt es jedoch nicht.

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Unverwechselbar: Blätter des Ginkgo-Baumes. © Marina Lohrbach / fotolia.com

Unverwechselbar: Blätter des Ginkgo-Baumes. © Marina Lohrbach / fotolia.com

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"Ginkgo-Präparate können Epilepsie-Anfälle auslösen", so lauteten zuletzt einige Schlagzeilen in Internet-Portalen. Seriösere Medien formulierten da schon etwas vorsichtiger: "Epileptiker sollten zurückhaltend mit Ginkgo-Präparaten umgehen", hieß es etwa in der "Welt". Nachdem in einer Publikation vor Weihnachten der Nutzen von Ginkgo-Präparaten angezweifelt wurde (wir berichteten), gerät eines der umsatzstärksten OTC-Präparate erneut in die Kritik. Anlass ist dieses Mal eine Publikation von Pharmazeuten der Uni Bonn. In der Zeitschrift "Journal of Natural Products" (73, 2010, 86) haben Professor Eckhard Leistner und Dr. Christel Drewke Daten zur anfallsfördernden Wirkung von Ginkgo-Bestandteilen zusammengetragen und aufgrund eigener Forschungen einen Wirkmechanismus postuliert, der die prokonvulsive Wirkung eines der Bestandteile - nämlich Ginkgotoxin - erklären kann. Allerdings ist das Toxin nur in geringen Konzentrationen in standardisierten Ginkgo-Präparaten enthalten, so dass es fraglich bleibt, ob sich damit das Anfallsrisiko erhöhen lässt.

Dass Ginkgotoxin in hoher Dosierung tatsächlich Krampfanfälle auslösen kann, wird nicht bestritten, dafür nennen Leistner und Drewke zahlreiche Beispiele. So ist das Toxin vor allem in Ginkgo-Samen in höherer Konzentration enthalten und kann bei übermäßigem Verzehr der Samen zu Intoxikationen führen: Epilepsie-artige Anfälle, Lähmungen und Bewusstseinsverlust sind die Folge. In Japan wurden auch zahlreiche Todesfälle beschrieben, vor allem bei Kindern. In Tierversuchen ließen sich mit Ginkgotoxin ebenfalls Anfälle auslösen, und in Südafrika kommt es regelmäßig zu Vieh-Vergiftungen mit Krampfanfällen. Hier sind es allerdings Früchte des Schlafbaums, einer Akazienart, die ebenfalls das Toxin enthalten.

Bekannt ist auch, dass Ginkgotoxin in den Vitamin-B6-Stoffwechsel eingreift. So bindet das Toxin an das Enzym Pyridoxal-Kinase, das normalerweise Vitamin-B6-Derivate phosphoryliert. Leistner und Drewke vermuten nun, dass als Folge vermehrt Ginkgotoxin statt Vitamin B6 ins Gehirn gelangt. Der Mangel an Vitamin B6 reduziere wiederum die Menge des Enzyms Glutamat-Decarboxylase, so dass die Konzentration von anfallsförderndem Glutamat steigt. Damit es aber überhaupt zu Konvulsionen kommt, sind bei Erwachsenen vermutlich Toxin-Serumwerte von über 100 ng/ml nötig - das lässt sich zumindest aus Messungen bei Patienten mit Vergiftungen ableiten.

Ausgehend vom Ginkgotoxin-Gehalt in Ginkgo-Präparaten lassen sich aber selbst im ungünstigsten Fall nur Serumwerte von maximal 15 ng/ml (80nM) durch die jeweilige Tagesdosis erreichen, so die Pharmazeuten. Die spannende Frage ist nun, ob solch relativ geringe Konzentrationen zumindest bei Epilepsie-Kranken die eh schon niedrige Anfallsschwelle heruntersetzen können. Die Bonner Forscher plädieren jedenfalls für einen vorsichtigen Umgang mit Ginkgo-Präparaten bei Epilepsiekranken, zumal sie auch Hinweise dafür sehen, dass Ginkgo-Bestandteile Enzyme das Cytochrom-450-Systems induzieren und damit möglicherweise den Antiepileptika-Metabolismus beschleunigen. Die könnte zu erniedrigten Serumwerten der schützenden Arzneien führen.

Da diese Befürchtungen nicht neu sind, hat das BfArM schon längst reagiert. In Fachinfos zu Ginkgo-Präparaten heißt es etwa: "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei Epileptikern durch die Einnahme von Ginkgo-Zubereitungen das Auftreten weiterer Krampfanfälle gefördert wird." Epilepsie-Patienten werden daher gebeten, vor der Einnahme ihren Arzt zu konsultieren.

Darauf verweist auch das Unternehmen Dr. Willmar Schwabe in einer Stellungsnahme, gibt zugleich aber Entwarnung für sein Ginkgo-Präparat Tebonin®. So hätten in einer eigenen Pilotstudie die Ginkgotoxin-Plasmawerte sämtlich unter der Nachweisgrenze von 1ng/ml gelegen - auch nach Einnahme der Tageshöchstdosis von 240 mg des Extraktes. Ferner verfüge der Tebonin®-Extrakt EGb 761® über neuroprotektiv wirkende Inhaltsstoffe wie Bilobalid, welche die krampffördernde Wirkungen von Ginkgotoxin mindern. Auch hält das Unternehmen eine Wirkabschwächung von Antiepileptika über eine Induktion des CYP-Isoenzym 2C19 für wissenschaftlich nicht belegt.

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