Präexpositionsprophylaxe

HIV-PrEP schützt effektiv vor Infektion

Als vor zwei Jahren die HIV-PrEP in den Katalog der GKVen aufgenommen wurde, wurde auch eine Evaluation dieser Leistung gestartet. Eine Befragung zur PrEP-Versorgung in Deutschland macht nun deutlich: Die Medikation schützt wirksam vor einer Infektion. Außerdem wird ärztliche Fortbildung in diesem Bereich nachgefragt.

Marco MrusekVon Marco Mrusek Veröffentlicht:
Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bietet wirksamen Schutz vor Infektion mit dem HI-Virus.

Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bietet wirksamen Schutz vor Infektion mit dem HI-Virus.

© Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / ZB / picture alliance

Berlin. Seit September 2019 ist die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP), mit der sich einer Infektion mit dem HI-Virus vorbeugen lässt, Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Teil der Aufnahme in diesen Leistungskatalog war die begleitende Evaluierung der PrEP, die gesetzlich festgeschrieben wurde.

Eine Zwischenauswertung dieser Daten bestätigt nun die sehr gute Schutzwirkung der PrEP vor einer Infektion mit dem HI-Virus. Die Auswertung unterstreicht außerdem die große Nachfrage nach PrEP und den Bedarf nach mehr ärztlicher Begleitung, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) (Epid Bull 44/2021; online 4. November).

Die aktuellen Zwischenergebnisse fußen auf Antworten eines Fragebogens von 43 HIV-Schwerpunktpraxen in Deutschland, die in das Netzwerk der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä) eingebunden und Teil einer Substudie der PrEP-Evaluation sind. Die Befragung bezog sich auf den Zeitraum vom 1. September 2019 bis zum 31. Dezember 2020 und schloss somit auch die ersten Monate der globalen COVID-19-Pandemie mit ein.

PrEP schützt effektiv vor Infektion

Den Ergebnissen der Befragung zufolge schützt die PrEP effektiv vor einer Infektion mit dem HI-Virus: Bei insgesamt 22.366 Nutzern, die an den 43 Schwerpunktpraxen betreut wurden, kam es innerhalb des Befragungszeitraums zu 20 HIV-Infektionen (entspricht 0,089 Prozent der Nutzer). Damit stellt die Infektion trotz PrEP ein sehr seltenes Ereignis dar und ist den Autorinnen und Autoren zufolge vermutlich vor allem auf mangelnde Adhärenz zurückzuführen.

Lesen sie auch

Außerdem wurden im Zuge des Screenings als Teil der PrEP-Erstberatung 54 bisher unentdeckte HIV-Infektionen festgestellt. Auch zur Diagnose von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gibt es positive Rückmeldung: Alle Schwerpunktpraxen halten das regelmäßige Testen der PrEP-Nutzer auf Syphilis für sinnvoll, 79 Prozent befürworten dieses Vorgehen auch für Chlamydien und Gonokokken.

Nachfrage übersteigt das Angebot

An den teilnehmenden Praxen wurden im Befragungszeitraum 9915 Behandlungen mit PrEP eingeleitet, und zwar zu 88 Prozent über eine GKV-Finanzierung. Primär wurden diese Patienten von Internisten (zu 44 Prozent) und Allgemeinmedizinern (34 Prozent) betreut. Eine weitere Erkenntnis zur PrEP-Versorgung in Deutschland: An der PrEP besteht ein signifikantes Interesse – auch von (haus)ärztlicher Seite. In 16 Schwerpunktpraxen (37 Prozent) gab es Anfragen zu einer Hospitation.

Ein solcher 16-stündiger Besuch in einer Schwerpunktpraxis ist ja gemäß der Vereinbarung von GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundesvereinigung für Ärzte vorgeschrieben, die keine Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Urologie oder Haut- und Geschlechtskrankheiten sind oder die fachliche Befähigung nicht auf andere Weise nachweisen können, etwa über Fortbildungen.

Diese Hospitationen bei gleichzeitigem großen Interesse an der PrEP durch die Patienten stellten die Schwerpunktpraxen vor personelle Herausforderungen, schreiben die Autorinnen und Autoren. Und sie gehen davon aus, dass dieser Bedarf mit Auslaufen der Pandemie noch steigen wird. Daher plädieren sie dafür, auch außerhalb von Schwerpunktpraxen Behandlungskapazitäten zu schaffen – sie nennen hier etwa die oben genannten Möglichkeiten für Nicht-HIV-Schwerpunktärzte, per Fortbildung und Hospitation an der Qualitätssicherungsvereinbarung GKV-PrEP teilzunehmen.

Noch bremst Corona die Nachfrage nach PrEP

Das RKI weist auch darauf hin, dass durch die aktuelle, globale COVID-19-Pandemie bislang die Nachfrage nach der PrEP noch ein wenig gebremst wird. So gibt ein Großteil der befragten Ärztinnen und Ärzte an, durch die Pandemie sei die Nachfrage gesunken, ihre Patientinnen und Patienten hätten Pausen in der PrEP-Einnahme eingelegt oder würden die Medikation statt täglich nun bei Bedarf einnehmen.

Hierzu hat sicherlich eine Einschränkung der Kennenlern-Möglichkeiten, etwa in Bars und Clubs, zu Beginn der Pandemie und den anschließenden Lockdowns beigetragen. Mit Übergang von SARS-CoV-2 von einer pandemischen hin zu einer endemischen Situation rechnet das RKI aber damit, dass in den Praxen PrEP wieder häufiger nachgefragt werden wird.

Mehr zum Thema

Fortschritte in der HIV-Impfstoffforschung

B-Zellen im Fokus der HIV-Immunisierung

Das könnte Sie auch interessieren
Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

© Viacheslav Yakobchuk / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Springer Pflege

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

© Kzenon / stock.adobe.com

Springer Pflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Finanzierung der Telematikinfrastruktur

Streit um TI-Pauschale: KBV zieht Eilantrag zurück

Lesetipps
Mehrkosten für die Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung seien Investition in den Erhalt der Praxen, betont Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. 

© Michael Kappeler / dpa

Kabinett winkt GVSG durch

Lauterbach macht Hausarztpraxen Mut: „Jede Leistung wird bezahlt“

Brücke zwischen zwei Steilklippen. Auf der Brücke stehen zwei Menschen.

© Usman / stock.adobe.com

Aktuelle Forschung

Antikörper – die Verkuppler der Krebsmedizin

Heiße Nächte können nicht nur nervig sein. Sie gehen auch mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle einher, so das Ergebnis einer Studie aus München und Augsburg.

© samuel / stock.adobe.com

Studie mit Daten zu 11.000 Schlaganfällen

Tropische Nächte sind offenbar ein Risikofaktor für Schlaganfälle