Mit Enzymen gegen Rheuma und Verletzungen

Die orale Enzymtherapie greift in den Zellstoffwechsel ein. Körpereigene Proteasen bekommen damit einen positiven Einfluss auf die Gewebereparatur.

Von Petra Eiden Veröffentlicht:
Distorsions-Verletzung des oberen Sprunggelenkes.

Distorsions-Verletzung des oberen Sprunggelenkes.

© Foto: UrbanFischer

Nach Ansicht der Wissenschaftlichen Gesellschaft zur Förderung der Enzymtherapie (WGFE) kann die orale Enzymtherapie bei mehreren Indikationen sinnvoll sein. Hierzu gehören rheumatische Erkrankungen und Verletzungen. Der Effekt eine Enzymtherapie: Sie greift in den Zellstoffwechsel ein.

Körpereigene Proteasen haben eine zentrale Bedeutung bei grundlegenden Prozessen wie der Blutgerinnung und Fibrinolyse, der Antigenaufnahme und -präsentation, der Komplementaktivierung und der Aktivierung von körpereigenen antimikrobiellen Peptiden. Reguliert werden die Proteasen im Wesentlichen durch Alpha-2-Makroglobulin (A2M), das die Funktion von reinen Protein-spaltenden Enzymen zu Mediatoren des Zellstoffwechsels erweitert.

Bei der Bindung der Proteasen an A2M und dessen Aktivierung wird das Makroglobulin zudem so umgewandelt, dass es Immunmodulatoren und Wachstumsfaktoren binden kann. So nehmen die Proteasen zum Beispiel einen positiven Einfluss auf die Gewebedegeneration und -reparatur. Diesen Effekt macht sich die Therapie mit oralen Enzymen (etwa Phlogenzym®, Wobenzym®) zunutze, die gastrointestinal resorbiert werden und Komplexe mit A2M bilden.

Bei Traumen solle die Enzymtherapie zum Beispiel unphysiologische lokale Zytokinkonzentrationen so beeinflussen, dass die physiologische Zytokinhomöostase wieder hergestellt werde, sagte Dr. Winfried Miller aus Kempten auf einer Veranstaltung der WGFE in Berlin. Nach der ersten Leitlinie zum Einsatz von oralen Enzymen bei rheumatischen Erkrankungen hat die WGFE daher jetzt eine weitere Leitlinie für die Traumatologie erstellt, die in wenigen Wochen veröffentlicht werden soll (www.wgfe.de). Professor Gerhard Grevers aus Starnberg berichtete, dass er die Enzymtherapie oft begleitend bei der operativen Versorgung von Traumen im Kopf-Hals-Bereich verwendet, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Und Ulrich Nieper aus München-Harlaching setzt sie häufig als antientzündliche und abschwellende Begleitmaßnahme bei Sportverletzungen ein.

Die Wissenschaftliche Gesellschaft zur Förderung der Enzymtherapie (WGFE) verfolgt das Ziel, die Erforschung der Enzymtherapie zu fördern und mit Hilfe der Enzymliga e.V. Mediziner und die Öffentlichkeit über neue Erkenntnisse zum Nutzen der Enzymtherapie aufzuklären. Die Gesellschaft, zu deren Sponsoren Hersteller und Zulieferer von Enzympräparaten wie Mucos Pharma gehören, fördert Forschungsvorhaben und Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Ergebnissen, etwa durch Vorträge und Konferenzen. Darüber hinaus engagiert sich die WGFE nach Angaben von Adam auch im Bereich der Gesundheitspolitik.

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