Direkt zum Inhaltsbereich

COPD

Niedrig dosiertes Opioid scheint sicher

Bei schwerer Dyspnoe scheint eine Opioid-Therapie in niedriger Dosierung sicher zu sein. Die Sterberate ist damit zumindest nicht erhöht.

Veröffentlicht:

LUND. Mit Morphin lässt sich eine schwere Atemnot bei COPD-Patienten selbst dann oft noch lindern, wenn andere Mittel kaum Erfolg versprechen. Allerdings werden Opioide bei COPD bislang recht restriktiv angewandt.

In der Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin heißt es dazu: "Der Einsatz von Morphin kann bei schwerer Dyspnoe zur Linderung beitragen. Wegen bedeutsamer unerwünschter Effekte (unter anderem Atemdepression) sollte der Einsatz auf wenige besonders beeinträchtigte Patienten mit schwerer Atemnot und Hyperventilation beschränkt und unter stationären Bedingungen eingeleitet werden."

Inwieweit die Befürchtungen gerechtfertigt sind, ist jedoch unklar, da kontrollierte Studien fehlen. Nun liegen zumindest Daten einer schwedischen Registeranalyse vor, und die deuten für niedrig dosierte Opioide auf ein geringes Risiko für einen vorzeitigen Tod oder eine Klinikeinweisung.

Für die Analyse haben Wissenschaftler um Dr. Magnus Ekström von der Universität in Lund das Schicksal von mehr als 2200 COPD-Patienten beobachtet, die auf eine Sauerstoff-Therapie eingestellt wurden. Knapp 23 Prozent hatten im weiteren Verlauf eine Opioid-Therapie erhalten, 24 Prozent eine Benzodiazepin-Behandlung und neun Prozent beides.

Patienten mit Opioiden oder Benzodiazepinen waren im Schnitt schwerer krank: Sie hatten einen niedrigeren Funktionsstatus, waren in der Vergangenheit häufiger in eine Klinik eingewiesen worden und hatten einen höheren CO2-Partialdruck als Patienten ohne Opioide und Beruhigungsmittel (BMJ 2014; 348: g445).

Nach im Schnitt 13 Monaten waren 76 Prozent der Patienten mindestens einmal in eine Klinik eingewiesen worden, 50 Prozent waren gestorben. Insgesamt waren weder die Patienten mit Opioiden noch die mit Benzodiazepinen häufiger stationär aufgenommen worden als Patienten ohne solche Mittel. Selbst die Patienten mit höheren Dosierungen solcher Mittel mussten nicht vermehrt in eine Klinik.

Kausalität unklar

Unterschiede zeigten sich jedoch bei der Sterberate. Diese war bei niedrig dosierten Opioiden (maximal zehn Milligramm pro Tag Morphinäquivalent oder 0,3 DDD) nicht erhöht, allerdings bei stärkeren Dosierungen: Hier war die Sterberate um 21 Prozent höher als bei den Patienten ohne Opioide und Benzodiazepine.

Bei den Patienten mit Benzodiazepinen zeigte sich bereits in niedriger Dosierung (maximal 3,3 mg/d Diazepam-Äquivalent oder 0,3 DDD) eine erhöhte Sterberate (plus 18 Prozent). Bei höheren Dosierungen war die Mortalität um 23 Prozent gesteigert.

Erstaunlicherweise kam es bei Patienten mit einer Kombitherapie aus niedrig dosiertem Opioid und Benzodiazepin seltener zu einer Klinikeinweisung als bei Patienten ohne diese Mittel.

Dies erklären sich die Studienautoren um Ekström damit, dass es sich dabei vor allem um sehr immobile Patienten handelte, die sehr intensiv von Pflegekräften betreut wurden und aus diesem Grund seltener in Notlagen kamen, die eine Klinikeinweisung erforderten. Allerdings war die Sterberate bei diesen Patienten ebenfalls erhöht (um 25 Prozent).

Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun aus dieser Studie ziehen? Die Studienautoren gehen davon aus, dass niedrig dosierte Opioide zur COPD-Therapie relativ sicher sind. Da es sich um eine retrospektive Analyse handelt, die keine kausalen Schlüsse zulässt, ist weiterhin unklar, ob hohe Dosierungen von Opioiden und Benzodiazepinen das Sterberisiko tatsächlich erhöhen.

Da gerade die am schwersten Betroffenen mit diesen Mitteln in hohen Dosierungen behandelt wurden, liegt der Schluss nahe, dass diese Patienten aufgrund ihrer schweren Erkrankung früher starben, nicht wegen der Medikamente, die sie dagegen bekamen. Ekström und Mitarbeiter fordern daher in einem nächsten Schritt kontrollierte Studien, um Ursache und Wirkung zu ermitteln. (mut)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävalenz-Vergleich der Kreise

Auffällig hoher Anteil an multimorbiden Menschen in Ostdeutschland

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 2: TriMaximize-Studie: Verbesserung der Lebensqualität nach Umstellung auf extrafeine Dreifachfixkombination

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [8]

Mittelgradiges bis schweres Asthma bronchiale

Bessere Kontrolle und Lebensqualität unter inhalativer Triple-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Chiesi GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Lesetipps
KI erleichtert Hackern Angriffe ernorm. Praxen sollten zumindest einmal überlegen, ob sie sich gegen solche Störungen absichern wollen, etwa mit Blick auf den Betriebsstillstand.

© Klaus Ohlenschläger / picture alliance

Für wenige Hundert Euro im Jahr

Warum Ärzte über eine Cyberversicherung nachdenken sollten

An Asian senior man’s hand relax on the bed side while sleeping

© Reagan Liew Zhi Sin / Getty Images / iStock

Pflichten, Abrechnung und Angehörigenwünsche

Worauf es bei der ärztlichen Leichenschau ankommt