Antiarrhythmika

Offene Fragen zu Magnesium

Der Nutzen von Magnesium ist in der Therapie von Herzrhythmusstörungen lange bekannt. Doch obwohl die Substanz gut erforscht ist, sind einige Fragen offen.

Veröffentlicht: 13.10.2016, 09:39 Uhr

STORRS / CONNECTICUT. Magnesium ist als antiarrhythmisch wirkender Elektrolyt etabliert. Sein Einsatz wird in einschlägigen Leitlinien empfohlen, etwa in jenen der European Society of Cardiology für die Behandlung von Patienten mit ventrikulären Rhythmusstörungen und die Prävention des plötzlichen Herztodes (Europace 2015; 17: 1601–1687).

Daneben ist Magnesium effektiv in der Prävention von Vorhofflimmern nach Herzoperationen sowie in der Akuttherapie des Vorhofflimmerns, supraventrikulärer Tachykardien und einer Reihe von medikamenteninduzierten Arrhythmien beispielsweise der potenziell lebensbedrohlichen Torsade de pointes.

Hier liegt neben der Beendigung von polymorphen ventrikulären Tachykardien eine Hauptindikation für die Gabe von Magnesium.

Der Nutzen der Magnesiumtherapie geht womöglich auf den Ausgleich eines intrazellulären Magnesiumdefizits zurück. Magnesium kontrolliert den transmembranalen Ionentransport über Ionenpumpen von Natrium, Kalzium und Kalium. Zudem wirkt es an der Kontrolle des intrazellulären pH-Wertes mit. Es reduziert frühe Nachdepolarisationen und verlangsamt die Überleitungszeit im AV-Knoten.

Das Wissen von den Wirkungen hat allerdings einige Lücken. In einem Übersichtsartikel hat William Baker, Pharmakologe an der University of Connecticut in Storrs, auf sie aufmerksam gemacht (Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2016, online 15. September).

In welcher Beziehung beispielsweise die Normalisierung der intrazellulären Magnesiumkonzentration zu den verbesserten klinischen Ergebnissen steht, ist nicht klar.

Es ist laut Baker noch nicht einmal bekannt, wie häufig ein intrazelluläres Magnesiumdefizit auftritt und welche Zielkonzentrationen in Serum und Zelle anzustreben sind.

Zudem fehlen pharmakologische Untersuchungen, die Auskunft darüber geben würden, welcher Supplementationsweg (intravenös oder oral?), welche Supplementationsform (Magnesiumoxid, -laktat, -aspartat, -hydroxid, -glukonat, -zitrat, -chlorid, -karbonat?) und welche Supplementationsdauer optimal sind.

"Diese Lücken machen es schwierig, potenziell wichtige Forschungsergebnisse in die klinische Praxis zu überführen", schreibt Baker. Hier liege eine Herausforderung für Ärzte, die Hochrisikopatienten behandeln. Entsprechende Studien seien dringend erforderlich. (rb)

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