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Stuttgarter Forscher entwickeln Ruhelager für das Mittagsschläfchen

STUTTGART (dpa). Mittagsschlaf? Das ist allenfalls etwas für Rentner, lautet die landläufige Meinung. Wer als Arbeitnehmer nur von einem kurzen Nickerchen um die Mittagszeit spricht, sieht sich schon als Faulpelz stigmatisiert. Doch Siegfried Irion von der Universität Stuttgart ist überzeugt, das die Hochleistungsgesellschaft künftig gar nicht mehr ohne eine kurze Phase der Regeneration auch am Tag auskommt. Für die richtige Schlafumgebung haben sich Irion, seine Kollegin Stefanie Eberding und ihre Studenten vom Institut für Wohnen und Entwerfen einiges einfallen lassen.

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In ihren Nap-Kapseln soll sich der gestreßte Arbeitnehmer künftig entspannen können. Nap heißt auf Englisch Nickerchen. Deshalb nennen die Forscher ihre Kreationen Napmosphere, Nap-Shell und Nap-Pak. Auch "Schlafgras" aus Schaumstoff haben sie entwickelt, das das Gefühl vermitteln soll, auf einer blühenden Wiese zu liegen. Die Nap-Shell mit Klimatisierung, belüfteter Matratze, abschließbaren Türen und Audio-Anlage wird 10 000 bis 15 000 Euro kosten. Die Serienproduktion soll im Laufe des Jahres beginnen.

Nap-Pak, ein pneumatisches Objekt, ähnlich einer Luftmatratze, kann dagegen in wenigen Minuten aufgeblasen werden. "Diese Lösung wird insbesondere den Anforderungen des Büroalltags mit minimalen Platz- und Zeitbedarf und leichter Handhabung gerecht", erklärt Irion.

Der Preis: 100 bis 200 Euro. Ebenso leicht zu handhaben ist die Napmosphere, ein aufblasbarer Kokon, der in eine Sporttasche paßt. Der Schlafende schwebt auf Plastikkugeln, die den Körper gleichzeitig unterstützen und entlasten. "Das A und O aller Objekte ist, daß sie luft- und lichtdurchlässig sind, damit keine Platzangst aufkommt", sagt Irion.

Nach seiner Überzeugung ist das kurzzeitige Abschalten ein wichtiges Mittel für die Arbeitnehmer, in der Wissensgesellschaft zu überleben. "Auf die Dauer wird man mit der Non-Stop-Arbeit Schiffbruch erleiden", ist der 38jährige sicher.

Das gelte für Fließbandarbeiter bis hinauf zu Konzernchefs. Dauernde Überforderung führe zum Burn-Out-Syndrom. Angesichts daraus resultierender Krankheits- und Sozialkosten sowie verlorener Ausbildungsinvestitionen sei es volkswirtschaftlich viel effizienter, für eine gesunde Pause zu sorgen.

Er verweist auf eine Studie der US-Raumfahrtbehörde NASA an Piloten, nach der ein 20- bis 30minütiger Kurzschlaf die Reaktionsfähigkeit um 16 Prozent und die Konzentrationsfähigkeit um 35 Prozent verbessert habe. Power-Napping könne jedoch nicht den zu geringen Nachtschlaf ausgleichen, betont Irion.

Es gibt schon mehrere Studien, die die Vorzüge des Mittagsschlafes unterstreichen. Ein Team um Sara Mednick von der Harvard University in Cambridge fand heraus, daß besser lernt, wer mittags schläft. Die Forscher hatten die Geschwindigkeit gemessen, mit der die Teilnehmer die Reize verarbeiteten.

Nach einer Studie des Regensburger Schlafforschers Professor Jürgen Zulley legen sich 22 Prozent der Bundesbürger mindestens drei Mal pro Woche nachmittags hin. Sie überrunden damit sogar die Italiener (16 Prozent), Briten (15 Prozent) und Spanier (acht Prozent), wie eine Umfrage Ende der 1990er Jahre ergab. Ein Grund könne frühes Aufstehen oder schlechter Nachtschlaf der Deutschen sein, vermutet Zulley. "Der Mittagsschlaf ist kein Zeichen von Faulheit, sondern verbessert die Potentiale des Mitarbeiters."

Unterstützt Irion durch seine Erfindung nicht gerade den Leistungsdruck, unter dem immer mehr Menschen leiden? "Man kann sich schon gar nicht mehr entziehen, man kann im globalen Wettbewerb nur noch die Folgen abmildern", sagt der 38jährige, der selbst einem Mittagsschläfen von 15 bis 20 Minuten nicht abgeneigt ist. Doch dies leistet er sich nur in seinem eigenen Büro.

Weitere Informationen im Internet unter www.power-napping.com

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