Corona-Splitter der KW 43/2021

Antidepressivum verringert offenbar Progressions-Risiko im Frühstadium

Ein erprobtes Medikament zur Behandlung von Patienten mit Zwangsstörungen eignet sich offenbar, das Risiko einer Krankheitsprogression von COVID-19 bei Risikopatienten zu senken. Außerdem haben britische Forscher die Viruslast bei Patienten mit Delta-Durchbruchinfektionen untersucht.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Nebel im Kopf: Einige COVID-Kranke – vor allem stationär behandelte – berichten über Schwierigkeiten, sich etwas zu merken oder sich zu erinnern.

Eine Krankheitsprogression hin zu einem schweren COVID-19-Verlauf (wie hier im Waldklinikum Gera) hatten in einer Studie weniger Patienten, wenn sie im Frühstadium Fluvoxamin erhalten hatten.

© Bodo Schackow / dpa-Zentralbild / dpa / picture alliance

Update vom 29. Oktober

Ein Antidepressivum verringert offenbar bei frühzeitigem Einsatz das Progressionsrisiko von COVID-19: In einer kleinen brasilianischen Studie mit 9803 symptomatischen COVID-19-Kranken mit mindestens einem Risikofaktor für einen schweren Verlauf mussten weniger Betroffene hospitalisiert werden, wenn sie mit Fluvoxamin (2 x1 00 mg / d für zehn Tage) behandelt wurden (79 Patienten, elf Prozent) als mit Placebo (119 Patienten, 16 Prozent). Das entspricht einer Reduktion des relativen Risikos von 31 Prozent für die Fluvoxamin-Gruppe (Odds Ratio [OR] 0,69). Auch das Mortalitätsrisiko (sekundärer Endpunkt) war demnach unter Fluvoxamin geringer: 17 Patientinnen und Patienten aus der Fluvoxamin-Gruppe und 25 aus der Placebo-Gruppe starben (OR 0,68) (Lancet 2021; online 27. Oktober).

Impfungen verringern das Infektionsrisiko mit der Delta-Variante, die Viruslast bleibt aber trotzdem hoch: In einer Studie aus dem Vereinigten Königreich mit 231 Kontaktpersonen von 162 COVID-Kranken mit moderatem Verlauf in Folge einer Infektion mit der Delta-Variante von SARS-CoV-2 betrug die sekundäre Befallsrate („secondary attack rate“) 25 Prozent bei den geimpften versus 38 Prozent bei den ungeimpften Haushaltsmitgliedern. Die Infektionen der geimpften Personen sistierten dabei schneller, die Viruslast unterschied sich jedoch nicht von der der ungeimpften Personen. Eine Impfung gegen COVID-19 reduziert also das Risiko einer Infektion mit der Delta-Variante, schlussfolgert das Studienteam, und beschleunigt den Abbau der Viruslast. Jedoch können auch vollständig Geimpfte mit Durchbruchinfektion im Haushaltsumfeld aufgrund der hohen Viruslast das Virus verbreiten und auch an vollständig geimpfte Haushaltsmitglieder weitergeben. Das erklärt den Autorinnen und Autoren zufolge womöglich, warum es der Delta-Variante trotz fortschreitender Impfkampagnen gelingt, sich weiter zu verbreiten (Lancet Infect Dis 2021; online 28. Oktober).

Update vom 28. Oktober

Phase-III-Daten zur Frühtherapie von Hochrisikopatienten mit Sotrovimab: In einer Studie mit 583 nicht hospitalisierten, symptomatischen Patienten mit COVID-19 und mindestens einem Risikofaktor für einen schweren Verlauf verringerte die Infusion des monoklonalen Antikörpers Sotrovimab (500 mg) das relative Risiko für eine Krankheitsprogression um 85 Prozent verglichen mit Placebo. Progression war in dieser Studie definiert als Hospitalisierung länger als 24 Stunden oder Tod in Folge von COVID-19. Diese hatten drei Patienten in der Sotrovimab-Gruppe (entspricht einem Prozent) und 21 Patienten in der Placebo-Gruppe (sieben Prozent) (New Engl J Med 2021; online 27. Oktober).

Update vom 26. Oktober

Positive Phase-II/III-Zwischenergebnisse zu Spikevax® bei Kindern hat der Hersteller Moderna mitgeteilt. Demnach ist die mRNA-Vakzine von den Sechs- bis Elfjährigen gut vertragen worden und habe die Bildung einer robusten Zahl an Antikörpern induziert. In der noch nicht veröffentlichten Studie mit 4753 Kindern waren zwei Dosen (je 50 μg) der Vakzine im Abstand von vier Wochen verimpft worden. Das geometrische Mittel, mit dem der Titer der SARS-CoV-2-neutralisierenden Antikörper bei Kindern und jungen Erwachsenen miteinander verglichen wurde, habe bei Kindern das Anderthalbfache betragen, heißt es in der Mitteilung. Bei 99,3 Prozent der Kinder habe es eine Immunantwort mit Antikörperbildung gegeben, damit seien die primären Endpunkte der Studie erreicht worden. Die Daten sollen demnächst den Zulassungsbehörden FDA und EMA vorgelegt werden (Mitteilung des Unternehmens Moderna, veröffentlicht am 25. Oktober).

Die US-Zulassungsbehörde FDA berät zur Impfung mit Comirnaty® bei Kindern: Am Dienstag (26. Oktober) wird in den USA ein Fachgremium der dortigen Arzneimittelbehörde FDA darüber beraten, ob die Vakzine Comirnaty® von BioNTech/Pfizer in einer abgeschwächten Form für Fünf- bis Elfjährige in den USA eine Notfallzulassung erhält. Das Gremium berät Medienberichten zufolge ab Nachmittag deutscher Zeit. Das Votum des Gremiums ist für die FDA nicht bindend, die Behörde folgt dem Gremium aber in der Regel. Anschließend muss sich auch noch die Gesundheitsbehörde CDC damit befassen. Die Indikationserweiterung für Kinder war von den Unternehmen BioNTech und Pfizer vor einigen Tagen beantragt worden, nachdem eine Studie mit über 2000 Kindern positive Daten ergeben hatte. Auch bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA sind diese Daten bereits eingereicht, wann die EMA dazu berät ist aber noch unklar.

Update vom 25. Oktober

Kognitive Beeinträchtigungen als Folge von COVID scheinen häufiger bei stationär behandelten Patientinnen und Patienten aufzutreten als bei ambulant behandelten, und zwar oft noch Monate nach akuter Erkrankung. Das berichtet ein Team aus New York, das Daten von 740 Betroffenen ausgewertet hat, deren Erkrankung median acht Monate zurücklag. Am häufigsten sprachen die Patientinnen und Patienten über Probleme, sich etwas zu merken oder sich zu erinnern – das betraf etwa jeden fünften Betroffenen. Weitere Ergebnisse: Das relative Risiko, eine kognitive Langzeitfolge nach COVID davonzutragen, betrug für hospitalisierte Kranke im Vergleich zu ambulant versorgten 3,0 für Wortfindungs- und 2,8 für Aufmerksamkeitsstörungen, 2,3 bei Gedächtnisstörungen und 1,8 in Bezug auf Beeinträchtigungen von planendem und ausführendem Denken (JAMA Netw Open 2021; online 22. Oktober).

Liebe Leserinnen und Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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