Corona-Splitter der KW 01/21

Flugreisen bergen weiterhin Infektionsrisiken

Forscher aus Neuseeland berichten von einem Ausbruch mit SARS-CoV-2-Infektionen bei einem Langstreckenflug. Die Befunde sprechen für die Quarantänemaßnahmen bei Einreisen in das Land.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek und Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:
Spezifische monoklonale Antikörper können SARS-CoV-2 neutralisieren.

Wenig Abstand im Flugzeug: Infektionen sind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen möglich.

© Ekaterina / stock.adobe.com

Update vom 8. Januar

Trotz Vorsichtsmaßnahmen bergen Flugreisen weiter ein Infektionsrisiko, berichten Forscher aus Neuseeland. Dort ist für Einreisende eine 14-tägige Quarantäne mit Tests auf SARS-CoV-2 vorgesehen. Bei 62.698 ankommenden Flugpassagieren wurden dort bis Oktober 215 Fälle von Infektionen festgestellt. Bei einem Flug von Dubai Ende September hatte es dabei offenbar einen Ausbruch gegeben: Sieben von 86 Passagieren erwiesen sich während der Quarantäne als SARS-CoV-2-positiv; eine Feintypisierung ergab identische Erreger (bis auf eine Mutation in einer Probe). Die Reisenden waren aus fünf Ländern gekommen, bevor sie in Dubai das Flugzeug bestiegen. Sie saßen alle innerhalb von zwei Reihen in der Nähe eines vermutlichen Indexpatienten. Nicht alle hatten permanent Schutzmasken getragen. Die Befunde legen nahe, dass sich sechs während der 18-stündigen Fluges bei einem Indexpatienten infiziert haben, und zwar trotz Vorsichtsmaßnahmen. Das Flugzeug (Boeing 777-300ER) war nur zu einem Viertel gefüllt gewesen, Abstand also möglich. Fünf der Betroffenen waren vor Abreise negativ getestet worden. Auch der vermutliche Indexpatient hatte vier bis fünf Tage vor Flugantritt ein negatives Testergebnis erhalten (EID Journal 2021; online 5. Januar).

Update vom 7. Januar

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für symptomatische und schwere COVID-19. Das lässt sich aus einer Analyse von Daten der „ZOE COVID Symptom Study App“ ableiten, berichten Forscher vom King’s College in London. Mit der App melden Menschen in UK regelmäßig, wenn sie sich nicht wohlfühlen und welche Symptome sie haben. Zwischen Ende März und Ende April haben 2,4 Millionen Nutzer davon Gebrauch gemacht, 11 Prozent davon waren Raucher. Jeder dritte Teilnehmer gab Symptome an: Im Vergleich zu Nichtrauchern meldeten 14 Prozent mehr Raucher in dem Pandemiemonat die typischen drei COVID-19-Symptome: Kurzatmigkeit, Fieber und persistierender Husten. Auch weitere mit Corona assoziierte Symptome wurden überproportional häufig von Rauchern genannt: Bauch- und Kopfweh, Brustschmerzen, Delirium, Diarrhoe, Fatigue, gestörter Geschmackssinn, Heiserkeit, Halskratzen und Myalgien. Mindestens fünf Symptome gaben 29 Prozent mehr Raucher als Nichtraucher an, bei zehn und mehr Symptomen waren es sogar 50 Prozent mehr Raucher. Und das Risiko für eine Klinikeinweisung war bei Rauchern mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion im Vergleich sogar verdoppelt. Die Forscher empfehlen, Rauchern mit Fragen zu COVID-19 eine Entwöhnung nahezulegen (Thorax 2021; online 5. Januar).

Update vom 6. Januar

Die Inzidenz von Herzstillstand außerhalb von Kliniken ist in Regionen mit hoher COVID-19-Krankheitsrate deutlich erhöht. Das bestätigt eine US-Analyse im Ballungsraum Detroit, wie Forscher des „Michigan Department of Health and Human Services“ berichten. In der Region wurden von März bis Mai 2020 insgesamt 1854 solcher Herzstillstand-Fälle („out-of-hospital cardiac arrests“, OHCA) dem Notfall-Netzwerk gemeldet und damit 60 Prozent mehr als im Vergleichzeitraum 2019 mit 1162 Fällen. Hochbetagte (über 85), Pflegeheimbewohner und Afroafrikaner waren überproportional häufig betroffen. Ein großer Teil der Betroffenen ist gestorben (2020: 1400 vs. 2019: 619), wobei der Anteil der Todesfälle bei den OHCA-Meldungen von 53 Prozent (2019) auf 76 Prozent (2020) ebenfalls deutlich zunahm. Auffällig war zudem, dass deutlich weniger Betroffene während der Pandemie intubiert oder mit supraglottischen Atemwegshilfen versorgt wurden. Der Anteil lag 2020 bei 21 Prozent im Vergleich zu 46 Prozent 2019. Unklar ist, ob die Zunahme von OHCA direkte Folge der Pandemie ist oder eine indirekte Folge, wegen veränderter Nutzung von Notaufnahmen (JAMA Network Open 2021, online 6. Januar).

Update vom 5. Januar

Ein neuer RNA-Test auf SARS-CoV-2 kann Ergebnisse binnen fünf Minuten liefern, berichten Forscher der University of Birmingham in UK. Beim bisherigen RT-PCR-Test als Goldstandard wird die Virus-RNA mittels reverser Transkriptase in DNA umgewandelt und diese dann mittels PCR zu messbaren Mengen vervielfältigt. Hierzu sind zeitaufwendige Schritte mit Erhitzen und Abkühlen der Probe nötig, was in der Regel etwa eine Stunde dauert. Das neue Verfahren findet komplett in einem Temperaturbereich statt, was viel Zeit spart. Reverse Transkriptase für eine Übertragung der RNA in DNA ist dabei nicht nötig. Genutzt werden vielmehr kurze DNA-Sequenzen („Binder DNA“), die die Virus RNA erkennen und sich damit verbinden. In diesem Fall schneidet ein spezielles Enzym (BstNI) ein Stück aus der „Binder-DNA“. Durch die Aufspaltung wird die Virus-RNA wieder frei und der Zyklus kann sich wiederholen. Gemessen wird schließlich der Menge der Endprodukte. Das Verfahren wurde „Reverse Transcriptase Free EXPAR“ (RTF-EXPAR) getauft. Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht begutachtet und nur vorläufig auf dem Preprint-Server. www.medrxiv.org publiziert.

Bei Kindern mit COVID-19 könnten bestimmte Hautsymptome auf einen schweren Verlauf mit dem „Multisystem Inflammatory Syndrome in Children“ (MIS-C) hindeuten. Das berichten US-Forscher der New York University Grossman School of Medicine. Das MIS-C geht mit Schäden an Herz, Lungen, Nieren, Gehirn, Haut, Augen oder gastrointestinalen Organen einher und ist zum Glück sehr selten. Betroffen sind etwa 2 von 100.000 SARS-CoV-2-Infizierte bis 21 Jahre. Die US-Forscher haben sich retrospektiv eine Fallserie von 35 Kindern mit bestätigtem oder vermutetem MIS-C angeschaut. Bei vier von fünf Betroffenen fanden sie assoziierte Hautbefunde wie konjunktivale Injektion, palmar-plantares Erythem, hyperämisierte Lippen, Periorbitalerythem/-ödem, Erdbeerzunge und Liderythem. Seltener traten masern- oder scharlachartige, urtikarielle oder netzförmige Hautausschläge auf, die Lokalisation war dabei sehr unterschiedlich. Das Fazit: Veränderungen an Haut und Schleimhaut sind bei fiebernden Kindern ernst zu nehmen. Sie könnten in Corona-Zeiten durchaus auf ein MIS-C hinweisen, wenngleich sie dafür alles andere als spezifisch sind (JAMA Dermatol 2020, online 9. Dezember). (eo)

Update vom 4. Januar

In Pflegeheimen haben Hochbetagte, Männer, Demenz-Kranke und Diabetiker das höchste Risiko, bei COVID-19 binnen 30 Tagen zu sterben. Das berichten Forscher von der Brown University School of Public Health im US-Staat Rhode-Island. Sie haben sich Daten von 5256 COVID-19-Patienten (im Median 79 Jahre alt) von 351 Heimen aus der Zeit von März bis September angeschaut. Gut jeder Fünfte war gestorben. Im Vergleich zu den 75- bis 79-Jährigen war bei den 80- bis 84-Jährigen die 30-Tage-Mortalität um 46 Prozent erhöht (Odds Ratio: 1,46); Frauen hatten im Vergleich zu Männern ein niedrigeres Sterberisiko (OR: 0,69). Zwei chronische Krankheiten standen für ein erhöhtes Risiko: Diabetes (OR: 1,21) und Niereninsuffizienz (OR: 1,33), ebenso die Symptome Kurzatmigkeit (OR: 2,42), Fieber (OR: 1,66), Tachykardie (OR: 1,31) und Hypoxie (OR: 2,05). Stark erhöht war das Risiko bei milden und schweren kognitiven Einschränkungen (OR: 2,09 und 2,79) sowie bei moderater und schwerer Gebrechlichkeit (OR: 1,49 und 1,64). (JAMA Intern Med. 2021: online 4. Januar).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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