Corona-Splitter der KW 21/2021

SARS-CoV-2-Infektion: Auch bei milden Verläufen nicht vor Langzeitfolgen gefeit

Langfristige gesundheitliche Folgen können auch nach milden SARS-CoV-2-Infektionen im ambulanten Umfeld auftreten. Bedenkt man, dass geschätzt bis zu 80 Prozent aller mit SARS-CoV-2-infizierten Patienten eine milde Erkrankung aufweisen, könnte dies sehr viel mehr Menschen betreffen, als angenommen.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Viele Menschen leiden nach einer SARS-CoV-2-Infektion an Fatigue. Eine Impfung scheint sich hier nicht noch zusätzlich negativ auszuwirken.

Kurzatmigkeit gehört zu einem der Symptome, die auch noch mehrere Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftreten können.

© Maridav / stock.adobe.com

Update vom 28. Mai 2021

Auch wenn eine SARS-CoV-2-Infektion milde verläuft, sind die Betroffenen nicht vor schweren Langzeitfolgen gefeit. Das bestätigt eine Untersuchung Kölner Forscher, die 958 Patienten mit überwiegend milden COVID-19-Verläufen durchschnittlich sieben Monate begleitet haben. Vier Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion trat bei neun Prozent der Patienten Kurzatmigkeit auf, zwölf Prozent klagten über eine Geruchsstörung, elf Prozent über einen Geschmacksverlust und zehn Prozent berichteten eine ungewohnte Müdigkeit. Insgesamt hatten 123 von 958 Patienten (13 Prozent) dieses Symptom-Bündel, definiert als Post-COVID-Syndrom (PCS). Frauen waren mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung von Langzeit-Symptomen waren ein niedrigerer Ausgangswert von SARS-CoV-2-IgG, Riechstörungen sowie Durchfall während der akuten COVID-19-Erkrankung (The Lancet Regional Health - Europe 2021, online 18. Mai).

Live-Indoor-Konzerte mit Maskenpflicht, Tests und an einem gut belüfteten Veranstaltungsort scheinen nicht das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung zu erhöhen. Das legt eine randomisierte, kontrollierte Open-Label-Studie aus Spanien nahe, bei der keine Übertragung nachgewiesen wurde. Für die Studie wurden alle 960 Teilnehmer kurz vor der Veranstaltung getestet, 465 nahmen danach an dem Konzert teil, 495 gingen ohne Konzertbesuch nach Hause. Bei einer erneuten Testung nach acht Tagen wurde keiner der Konzert-Teilnehmer positiv auf das Virus getestet, aber zwei in der Kontrollgruppe. Die Forscher weisen allerdings darauf hin, dass die Prävalenz von Coronavirus-Infektionen in der Region zum Zeitpunkt der Veranstaltung (12.12.20) gering bis mäßig war (221 Fälle pro 100.000 Menschen) (Lancet Infect Dis 2021; online 27. Mai). (otc)

Bei mRNA-Impfungen kann es zu verzögerten Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut kommen. Das zeigt eine Miniatur-Fallserie aus den USA mit Daten von 16 Patienten, die die Moderna-Verkzine erhalten hatten. Die Impflinge hatten allergische Reaktionen an der Einstichstelle entwickelt, im Schnitt sieben Tage nach der Impfung, bei 15 Patienten war die Reaktion nach der ersten Impfdosis aufgetreten. Elf Teilnehmer zeigten zudem eine ähnliche Reaktion nach der Zweitimpfung, im Median zwei Tage nach der Injektion. Die Forscher vermuten, dass die verzögerten allergischen Reaktionen mit der Immunantwort von T-Zellen auf Hilfsstoffe, Lipidnanopartikel oder mRNA-Komponenten des Vakzins zusammenhängen könnten. Sie sehen in den verzögerten lokalen Überempfindlichkeitsreaktionen keine Kontraindikation für eine nachfolgende Impfung (JAMA Dermatol. 2021, online 12. Mai). (js)

Update vom 27. Mai 2021

Bisher besteht Unsicherheit, ob sich durch eine COVID-Impfung bestehende Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion verschlimmern könnten. Britische Forscher um Dr. David T. Arnold vom North Bristol NHS Trust geben jetzt aber Entwarnung. Ihrer Untersuchung nach führt eine Impfung mit BioNTech/Pfizer- oder AstraZeneca-Vakzine nicht zur Verschlechterung der Symptome bei Patienten mit persistierenden COVID-Langzeitfolgen (8 Monate nach akuter Erkrankung). Im Schnitt berichtete jeder Teilnehmer von vier bestehenden Symptomen, insgesamt wurden 159 Symptome erfasst. Am häufigsten wurden Fatigue (bei 75 Prozent), Kurzatmigkeit (61 Prozent) und Insomnie (53 Prozent) berichtet. Bei den 44 Teilnehmern, die eine Impfstoffdosis erhalten hatten, hatten sich von den 159 vor der Impfung gemeldeten Symptomen 37 (23,2 Prozent) gebessert, nur 9 (5,6 Prozent) verschlechtert und 113 (71,1 Prozent) waren unverändert. Die Teilnehmer waren einen Monat nach der Impfung befragt worden (Ann Int Med 2021, online 25. Mai).

Das angeborene Immunsystem ist wohl kein Treiber für die teilweise überschießende Immunreaktion bei COVID-19. Schwere COVID-19-Krankheitsverläufe gehen ja mit einem entgleisten Immunsystem, einem Zytokinsturm, einher. Entgegen bisheriger Annahmen spielen bei diesen Prozessen Immunzellen der angeborenen Immunantwort wie dendritische Zellen und Makrophagen jedoch offenbar keine relevante Rolle. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts und der Universitätsklinik Freiburg nach in-vitro-Versuchen mit humanen dendritischen Zellen und Makrophagen. Dies sei eine weitere wichtige Erkenntnis auf dem Weg zur Aufklärung der Prozesse, die nach SARS-CoV-2-Infektion zu den teils verheerenden Immunreaktionen führen. Ein besseres Verständnis könnte dazu beitragen, früh Risikopatienten zu erkennen und besser behandeln zu können, ordnen die Forscher ihre Ergebnisse ein (Front Immunol 2021, online 26. Mai). (otc)

Update vom 26. Mai 2021

Gibt es durch COVID-19 mehr Herpes Zoster? Forscher sammeln Daten, um diese Frage zu beantworten. Die Infos zu 27 dokumentierten Zoster-Fällen haben sie jetzt veröffentlicht: 13 Zoster-Erkrankungen traten demnach innerhalb der ersten Woche nach COVID-Diagnose auf, die meisten mit typischem Haut-Befund. In zwei Fällen waren multiple Dermatome betroffen, bei drei Betroffenen kam es zu Nekrosen, und ein Patient entwickelte eine postherpetische Neuralgie. Atypische Zoster-Erkrankungen seien besonders bei COVID-Patienten mit Lymphopenie dokumentiert worden, so die Forscher um Javier Diez-Domingo, FISABIO-Public Health, Valencia. Ob eine COVID-Erkrankung mit einem erhöhten Zoster-Risiko einhergehe, lasse sich momentan noch nicht beantworten (Dermatology and Therapy 2021; online 17. Mai).

Update vom 25. Mai 2021

Fatigue und Müdigkeit sind bei Kindern mit SARS-CoV-2-Infektion und PIMS die häufigsten lang anhaltenden Symptome. Das berichten britische Forscher, die 6-Monats-Daten von 46 Kindern mit PIMS (paediatric inflammatory multisystem syndrome) unter die Lupe genommen haben. Danach waren nach sechs Monaten die meisten PIMS Symptome verschwunden; nur sechs Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt noch gastrointestinale Symptome und zwei ein verändertes EKG. Am auffälligsten waren aber Fatigue und Muskelschwäche bei 18 ehemaligen Kindern mit PIMS. Die Studie habe keine Kontrollgruppe; ihre Aussagekraft sei deshalb eingeschränkt, räumen die Forscher ein (The Lancet Child & Adolescent Health; online 24. Mai).

Anakinra könnte zu einer Therapieoption bei COVID-19 werden, um schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Das legen zumindest vorläufige Ergebnisse der kontrollierten, aber noch nicht begutachteten Studie SAVE MORE nahe, in der knapp 600 – noch nicht intensivpflichtige – COVID-Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Pneumonie berücksichtigt worden sind. An Tag 28 war unter anderen die Mortalität bei Therapie mit Anakinra plus Standard um 55 Prozent geringer als bei alleiniger Standardtherapie (3,2 vs 6,9 Prozent). Zudem konnten bei Therapie mit dem IL-1 Rezeptor Antagonisten Patienten im Mittel vier Tage früher von Intensiv entlassen werden (nach 10 statt 14 Tagen) (MedRxiv; online 18. Mai). Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Atemwegsinsuffizienz wurde in der Studie anhand erhöhter suPAR (löslicher Plasminogenaktivatorrezeptor vom Urokinase Typ)-Werte identifiziert. suPAR ist ein Biomarker, der eine frühe Immunaktivierung widerspiegelt und bei verschiedenen Erkrankungen mit einer ungünstigen Prognose assoziiert ist. (mal)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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