Organspende

DSO-Chef ist "enttäuscht"

Seit anderthalb Jahren arbeitet die Republik den Transplantationsskandal auf. Doch immer neue Hiobsbotschaften machen die Runde. Der scheidende DSO-Vorstand Dr. Rainer Hess hat jetzt ein ernüchterndes Fazit gezogen.

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War bis Ende März Vorstand der DSO: Dr. Rainer Hess.

War bis Ende März Vorstand der DSO: Dr. Rainer Hess.

© Svea Pietschmann

FRANKFURT/MAIN. Der scheidende Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. Rainer Hess, hat sich ernüchtert gezeigt über die Aufarbeitung des Transplantationsskandals. "Die Entwicklung ist enttäuschend", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Hess‘ Amtszeit als DSO-Interimsvorstand läuft zum 1. April aus.

Anfangs habe er gehofft, der Skandal sei schnell zu überwinden - mit "einer viel stärkeren Offenheit, als es in der Vergangenheit üblich war". Doch die Medienberichte in der Zeit danach hätten wie "Wiederholungszünder" gewirkt. Als Beispiel nannte der die jüngsten Meldungen über Regelverletzungen bei der Hirntoddiagnostik. Solche Berichte seien jedoch "nahezu tödlich für das System".

Auch kritisierte Hess indirekt, dass die von der Bundesärztekammer angekündigte Neuregelung der entsprechenden Richtlinie noch immer auf sich warten lässt. "Leider diskutiert der wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer schon seit mehreren Jahren." Dies sei aber gerade in der hiesigen Krise "fatal". Die Überarbeitung der Diagnostikrichtlinie sei "dringend".

Mit Blick auf den Negativrekord bei der Zahl der gespendeten Organe im vergangenen Jahr beklagte Hess einen Vertrauensverlust innerhalb der Ärzteschaft. Viele Ärzte und Pflegekräfte auf den Intensivstationen hätten das Vertrauen verloren. "Einige Kliniken haben sich regelrecht von der Organspende verabschiedet."

Dies hängt nach seinen Worten auch damit zusammen, dass es in Deutschlands Kliniken kaum Strukturen gebe, "die die Organspende fördern". Einzelne, die sich dafür einsetzten, hätten nun den Eindruck, "dass es karriereschädlich sein könnte, mit dem Thema Organspende in Verbindung gebracht zu werden".

Um dem entgegenzuwirken, sei das Transplantationsregister dringend nötig, forderte Hess. Es sei die Basis dafür, Transparenz und bessere Kontrolle in der Transplantationsmedizin herzustellen. Schwarz-Rot hat sich im Koalitionsvertrag deutlich für das Register ausgesprochen. Auch Transplantationsmediziner fordern es. Derzeit wird im Bundesgesundheitsministerium ein Gutachten ausgewertet, das die Grundsteine für das Register legen soll.

Hess monierte jedoch, dass oft vorgebrachte Datenschutzbedenken die Einführung solcher Instrumente verzögerten. Nicht selten seien diese Einwände "vorgeschobene Argumente". Hess: "Häufig fehlt der Mut zu Transparenz und Offenheit." Für die Transplantation gebe es jedoch keine Alternative zu mehr Transparenz durch ein Qualitätsregister. "Sie (die Organtransplantation, Anm.) steht und fällt mit der Wahrhaftigkeit", sagte Hess. Das Register müsse deshalb innerhalb der nächsten zwei Jahre eingeführt werden.

Forderungen von einigen Ärzten, die Transplantationsmedizin mehr unter staatliche Aufsicht zu stellen, wies Hess zurück. "Der Reflex ist völlig überzogen", monierte er. Er bezweifle, dass der Staat "allein etwas besser und schneller regeln könnte". (nös)

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