Krankenkassen

Jeder achte gesetzlich Krankenversicherte profitiert von Angeboten zu Prävention

Die Prävention gilt als Stiefkind im Gesundheitswesen. Ein Bericht zeigt aber: Die Kassen erhöhen ihre Anstrengungen.

Von Thomas HommelThomas Hommel Veröffentlicht:

BERLIN. Die gesetzlichen Krankenkassen haben ihr Engagement im Bereich der Prävention weiter ausgebaut. Das geht aus dem neuen Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbands und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach profitierte im Jahr 2008 jeder achte gesetzlich Krankenversicherte von Präventionsangeboten seiner Kasse.

Insgesamt stellten die Kassen für Primärprävention und die Gesundheitsförderung in Betrieben knapp 340 Millionen Euro bereit - 40 Millionen Euro mehr als noch in 2007. Durchschnittlich wurden je Versicherten 4,83 Euro für Prävention ausgeben. Der gesetzliche Richtwert für Ausgaben in diesem Bereich liegt bei 2,78 Euro je Versicherten.

Für die gesamte Palette präventiver Aufgaben - angefangen beim Risikoschutz für Gesunde (Primärprävention), über die Früherkennung (Sekundärprävention) bis zur Verhütung von Verschlechterungen im Krankheitszustand eines Patienten (Tertiärprävention) - gaben die Kassen rund fünf Milliarden Euro aus. "Das ist eine Menge Geld und entspricht rund der Hälfte der gesamtgesellschaftlichen Ausgaben auf diesem Feld", sagte K.-Dieter Voß vom Vorstand des GKV-Spitzenverbandes.

Der Bundesregierung sicherte Voß zu, Pläne für eine Stärkung der Prävention unterstützen zu wollen. "Wir sagen aber ganz deutlich: Prävention darf weder als finanzieller Verschiebebahnhof noch als primär medizinische Domäne behandelt werden." Prävention sei eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe", so Voß. Neben den Kassen müssten sich daran auch Bund, Länder, Kommunen sowie Arbeitgeber und Arbeitnehmer beteiligen. Zuletzt hatte es mehrere Anläufe für ein Präventionsgesetz gegeben. Wegen unterschiedlicher Vorstellungen über Finanzierung und Inhalt war das Gesetzesvorhaben aber immer wieder auf Eis gelegt worden.

Präventionsangebote müssten vor allem bei Versicherten in schwierigen Lebenslagen ansetzen, da sie ein deutlich erhöhtes Krankheitsrisiko tragen und Präventionsangebote seltener nutzen würden, sagte Voß. Die Kassen hätten deshalb ihre auf "Lebenswelten" zugeschnittenen Aktivitäten ausgebaut. So seien 2008 rund 22 000 Einrichtungen, vor allem Schulen und Kindertagesstätten, durch "zielgruppengerechte Angebote" unterstützt worden. Dazu kämen Kurse zu Ernährung und Bewegung.

Lesen Sie dazu auch: Ein Präventionsgesetz wird es mit Schwarz-Gelb wohl kaum geben Prävention - da raschelt das Papier "Die Primärprävention braucht eine bundesgesetzliche Legitimation" Gesundheitsexperten fordern Roadmap für Prävention Präventionsmodelle werden kaum hinterfragt Ursachentherapie statt Reparaturmedizin

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