KI-assistierte Diagnostik

Corona macht Deutsche offener gegenüber KI

Die ärztliche Diagnostik genießt bei Patienten höchstes Vertrauen, so eine Umfrage. Das schrumpft, wenn Ärzte assistive KI-Tools zur Diagnosestellung heranziehen. Dennoch nimmt die KI-Akzeptanz insgesamt zu.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Eigentlich sollen KI-basierte Lösungen Ärzte bei der Diagnostik im Versorgungsalltag unterstützen. Noch mangelt es aber offensichtlich an der patientenseitigen Akzeptanz dieses Ansatzes, die reine ärztliche Diagnostik wird bevorzugt.

Eigentlich sollen KI-basierte Lösungen Ärzte bei der Diagnostik im Versorgungsalltag unterstützen. Noch mangelt es aber offensichtlich an der patientenseitigen Akzeptanz dieses Ansatzes, die reine ärztliche Diagnostik wird bevorzugt.

© phonlamaiphoto / stock.adobe.com

Berlin. Die Corona-Pandemie hat nicht nur für einen massiven Digitalisierungsschub unter anderem im deutschen Gesundheitswesen geführt. Offenbar hat sie auch Vorbehalte der Bevölkerung in Deutschland gegenüber Anwendungen entkräften helfen, die auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten. Das legt eine aktuelle repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag des TÜV-Verbandes nahe, derzufolge nur noch 14 Prozent der Menschen ab 16 in Deutschland KI als eher oder sehr negativ betrachten – 2019 waren es noch 28 Prozent.

Zur Gesundheit befragt, genießen Ärzte bei der Diagnostik höchstes Vertrauen. 81 Prozent antworten, ihr Vertrauen in die ärztliche Diagnostik sei sehr oder eher groß. Das ändert sich, wenn Ärzte die derzeit viel diskutierten KI-basierten, assistiven Tools zur Diagnosestellung einsetzen – dann sinkt der Wert auf 67 Prozent.

Da KI im Einsatz bei automatisierten Fahrzeugen, neuen Methoden für die Krebserkennung, Gesichtserkennung im öffentlichen Raum oder Software-Unterstützung bei der Personalauswahl bei ihrer Nutzung potenziell zum Missbrauch bürgerlicher Grundrechte führen kann, fordern 81 Prozent eine klare Kennzeichnung von KI-gestützten Systemen/Produktlösungen. Ebensoviele fordern eine staatlich regulierte Marktzulassung mit Zertifizierungsstellen.

Nur jeder Vierte kennt EU-Bestrebungen für KI-Rechtsrahmen

Angesichts dieser nachhaltigen Forderung nach (national-)staatlicher Marktregulierung ist es erstaunlich, dass nur 25 Prozent der Deutschen angeben, von dem im April seitens der EU-Kommission vorgelegten Entwurf des „Artificial Intelligence Act“ (AIA) gehört zu haben.

Mit dem AIA will die Kommission die verschiedenen nationalstaatlichen regulatorischen KI-Leitplanken harmonisieren. Dabei stellt sie im Vergleich zu den USA oder China aber extrem hohe Anforderungen an die Marktteilnehmer, um unter anderem möglichst hohe ethische KI-Standards durchzusetzen. Es soll der weltweit erste Rechtsrahmen für Künstliche Intelligenz werden. Die deutsche Medizintechnikbranche sieht hier die Gefahr einer Überregulierung zu Lasten des Zugangs der Patienten zu hoch-innovativen, KI-basierten Produktlösungen gegeben.

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