Europas Kampf gegen Krebs

EU-Krebsplan: Mega-Roadmap leuchtet Staaten den weiteren Weg

Neue Leitlinien, die Integration und Nutzung neuer Technologien, die Überprüfung der Tabakproduktrichtlinie und vieles mehr hat sich die EU-Kommission in die Roadmap zur Umsetzung ihres EU-Krebsplanes geschrieben – zunächst bis zum Jahr 2025.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Die EU-Kommission hat Krebs in Europa den harten Kampf angesagt, mit einer Roadmap

Die EU-Kommission hat Krebs in Europa den harten Kampf angesagt. Nun hat sie eine Roadmap veröffentlicht, welche Maßnahmen bis 2025 auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden sollen.

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Brüssel. Die Europäische Kommission hat Mitte November in Brüssel ihren Fahrplan für die Umsetzung und Fortschrittsindikatoren für den Europäischen Plan zur Krebsbekämpung (Beating Cancer/BECA) veröffentlicht, um die Entwicklungen bei den zehn Leitinitiativen sowie seinen anderen Maßnahmen zu verfolgen. Die Roadmap werde regelmäßig von der Implementierungsgruppe überprüft, so die EU-Kommission.

Wie es heißt, trage der am 3. Februar dieses Jahres veröffentlichte BECA bereits Früchte. Im Juni hat die Kommission das Wissenszentrum für Krebs (Knowledge Center on Cancer) ins Leben gerufen, gefolgt von der Initiative HealthyLifestyle4All im September. Auch in einer Reihe von Bereichen schreite die Arbeit voran, darunter die Überarbeitung der Empfehlung des Rates zur Krebsfrüherkennung und ein neues Register für Krebsungleichheiten.

Im Rahmen des Arbeitsprogramms 2021 des EU4Health-Programms seien bereits 12 Aktionszuschüsse und vier gemeinsame Aktionen ins Leben gerufen worden, die viele Aspekte der Krebsprävention und -versorgung abdeckten.

Sieben Aktionsfelder ausgewiesen

Innerhalb der Roadmap sind sieben Aktionsfelder jeweils farblich voneinander abgehoben und zu Aktionseinheiten verbunden. Nachfolgend ein grob skizzierter Überblick:

Forschung, Innovation und neue Technologien im Dienste der Pflege und Krebsprävention: Hierunter subsumiert die EU-Kommission die oben bereits erwähnte Einrichtung des Wissenszentrums für Krebs, das der operativen Unterstützung des Krebsplans und der Umsetzung der Maßnahmen im Aktionsfeld dienen soll. Des Weiteren soll in diesem Aktionsfeld eine europäische Initiative über bildgebende Verfahren in der Krebsmedizin (European Cancer Imaging Initiative/ECII) auf den Weg gebracht werden, die die Entwicklung neuer computergestützter Instrumente zur Verbesserung von personalisierter Medizin und innovativen Lösungen fördern soll. Der offizielle Startschuss für die ECII soll nächstes Jahr fallen.

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Bis zum Jahr 2025, dem Jahr, in dem auch der auf volle Interoperabilität der Systeme zum grenzüberschreitenden Austausch von Gesundheitsdaten ausgerichtete, Europäische Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space/EHDS) starten soll, soll somit eine paneuropäische Infrastruktur für Krebs-Bilder stehen, die auch die Technikfelder Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik integriert. Zudem soll bis dahin ein Netzwerk onkospezifischer Digital Innovation Hubs (DIHs) existieren.

Als Fortschrittsindikatoren sollen hier unter anderem die Anzahl und Arten/Quellen medizinischer Bilder verschiedener über die Infrastruktur zugänglicher Krebsarten genauso dienen wie die Anzahl der verbundenen Datenbanken und Plattformen.

Leben retten mittels nachhaltiger Krebsprävention: In diesem Aktionsfeld ist die angestrebte Ausrottung des Zervixkarzinoms in der EU durch eine flächendeckende HPV-Vakzinierung angesiedelt. Hierfür soll nächstes Jahr eine eigene EU-Taskforce gegründet werden. Als Fortschrittsindikator wird hier die Anzahl der EU-Mitgliedstaaten herangezogen, die Fortschritte in Richtung des Impfziels von 90 Prozent machen.

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Um die Gesundheitskompetenz der Europäer in puncto Krebsrisiken zu stärken, soll unter anderem der europäische Kodex gegen Krebs aktualisiert und gestärkt werden. Bis zum Jahr 2024 soll eine mobile App der EU zur Krebsprävention an den Start gehen. Als Fortschrittsindikator soll hier die Zahl der App-Nutzer fungieren.

Um ein, wie im Krebsplan verankertes, rauchfreies Europa zu erreichen, soll die Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU (Tobacco Products Directive/TDP) unter die Lupe genommen werden. Die EU-Kommission will die Raucherquote europaweit bis 2040 auf fünf Prozent drücken – sieht dafür aber weder E-Dampf noch Tabakerhitzer als probate Mittel an, was Suchtforscher bereits auf die Barrikaden getrieben hat. Die EU-Kommission setzt für ein rauchfreies Europa laut Roadmap auch auf die Durchsetzung des EU-Rechts und die 1:1-Umsetzung des WHO-Tabakrahmenübereinkommens (FCTC/Framework Convention on Tobacco Control).

Verbesserung der Krebsfrüherkennung: Hier peilt die EU-Kommission ein vollkommen neues EU-Krebsscreening-System an. Als Vehikel sollen hier EU-Richtlinien und -Qualitätssicherungssysteme zum Thema Krebsvorsorge, Diagnose, Behandlung, Rehabilitation, Nachsorge und palliativmedizinische Versorgung von Mamma-, Kolorektal- sowie Zervixkarzinomen dienen. Als Fortschrittsindikatoren herangezogen werden sollen ein noch dieses Jahr zu veröffentlichendes Brustkrebsqualitätssicherungssystem sowie regelmäßig aktualisierte Brustkrebs-Leitlinien. Leitlinien zum kolorektalen Karzinom sollen 2024 finalisiert und regelmäßig aktualisiert werden, bei den Leitlinien für das Zervix-Ca wird die Finalisierung bis 2025 angestrebt.

Gewährleistung hoher Standards in der onkologischen Versorgung: In diesem Aktionsfeld wird vage von der Schaffung eines europäischen Netzwerkes gesprochen, das aufbauen soll auf – sicher in manchen EU-Mitgliedstaaten teils noch zu schaffende – umfassende nationale Krebs-Infrastrukturen. Als Fortschrittsindikator soll hier eine bis 2024 zu etablierende „Initiative Krebsdiagnostik und Behandlung für alle“ dienen.

Verbesserung der Lebensqualität für Krebspatienten und Überlebende: Unter anderem soll bis 2023 ein „European Cancer Patient Digital Centre“ aufgebaut werden. Auch soll der faire Zugang von Krebsüberlebenden zu finanziellen Dienstleistungen gewährt werden. Als Fortschrittsindikator soll hier ein bis 2024 zu schaffender Verhaltenskodex gelten.

Verringerung der Ungleichheiten bei der onkologischen Versorgung in der EU: Angestrebt wird unter anderem die Einrichtung eines Registers für Krebsungleichheiten.

Kinderkrebs in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken: Eine Krebsinitiative soll unter anderem speziell für pädiatrische Onkologiepatienten bis 2023 eine „Cancer Survivor Smart Card“ in App-Form erstellen – Nutzer zählen als Fortschrittsindikator.

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