Herzinsuffizienz

"Es gibt zwei Neuerungen in den Leitlinien"

Die europäischen Leitlinien zur Herzinsuffizienz sind 2012 aktualisiert worden. Zu einigen wichtigen Änderungen nimmt der Kardiologe Professor Michael Böhm aus Homburg/Saar in einem Interview Stellung.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:

Ärzte Zeitung: Herr Professor Böhm, es gibt eine neue ESC-Leitlinie zum Thema Herzinsuffizienz. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Neuerungen in der medikamentösen Therapie?

Böhm: Es gibt in den Leitlinien im Wesentlichen zwei Neuerungen. Das eine ist die Therapie mit Aldosteronantagonisten.

Wir hatten zum Aldosteronant-agonisten Eplerenon eine große Studie mit Patienten nach Herzinfarkt und eingeschränkter Pumpfunktion unter 30 Prozent - im Mittel 26 Prozent. Jetzt hat man bei Patienten mit stabiler Herzinsuffizienz in EMPHASIS-HF herausgefunden, dass die Patienten bei der Krankenhaussterblichkeit, den Hospitalisierungen und auch bei der Gesamtsterblichkeit profitieren.

Die Substanz wurde mit einer Klasse I A-Empfehlung in die Leitlinien aufgenommen, das heißt, die Substanz ist in jedem Fall indiziert. Nach der RALES-Studie mit Spironolacton gibt es nun zwei Studien, die den günstigen Effekt der Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten auf das Überleben belegen. Die ESC hat sich entschlossen, eine Klassenempfehlung zu geben, also nicht eine einzelne Substanz empfohlen. Man sollte aber aus meiner Sicht die Substanz verwenden, bei der die Evidenz generiert wurde - und das ist das Eplerenon bei stabiler Herzinsuffizienz.

Die zweite neu in die Leitlinie aufgenommene Substanz ist das Ivabradin.

Die Substanz wurde in der SHIFT-Studie geprüft. Sie ist geeignet für Patienten mit einer relativ hohen Herzfrequenz, nämlich mehr als 70 Schlägen pro Minute. Dann ist auch das Herzfrequenz-assoziierte Risiko erhöht. Es wird mehr Sauerstoff verbraucht, und das Remodeling ist beschleunigt. SHIFT hat gezeigt: Wenn man nichts anderes macht als die Herzfrequenz zu reduzieren, kommt es zu einer 25-prozentigen Abnahme der Zahl der Klinikaufenthalte. Damit empfehlen die Leitlinien eine Ivabradin-Therapie von Patienten mit einer Herzfrequenz von mehr als 70 Schlägen pro Minute.

Die Zulassung ist erfolgt aufgrund der Auswertung einer Subgruppe, die nicht präspezifiziert war, die eine Herzfrequenz von größer 75 Schlägen pro Minute hatte. Die Botschaft ist: Patienten mit einer relativ hohen Herzfrequenz von 70 bis 75 Schlägen pro Minute sollten Ivabradin erhalten. Damit reduziert man etwa um ein Viertel die Zahl der Krankenhaus-Aufnahmen wegen einer Herzinsuffizienz.

Die Studie lief unter einer optimalen Hintergrundtherapie mit Betablockern. Ivabradin ist also nicht einfach ein Ersatz für eine nicht ausgereizte Betablocker-Therapie. Betablocker, ACE-Hemmer, Aldosteron-Antagonisten sind die Basistherapie. Und dazu nun die Therapie mit Ivabradin.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Ausgewählte Best-of-Abstracts

Melanome – ein Risikoscore für die Immuntherapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vernarbung und Fibrosierung

Interstitielle Lungenerkrankung: Die Nachwehen von COVID-19

Infektionsgeschehen

Höhepunkt der Grippewelle wohl überschritten

Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe