Noch rätseln Forscher, was Dementen hilft

BERLIN (af). Auch Wissenschaftler sind sich noch nicht schlüssig, wie die Versorgung demenzkranker Menschen in Deutschland wirksam verbessert werden kann. Die Probleme sind unterschiedliche, sogar widersprüchliche Interessen von Kranken und ihren Angehörigen, aber auch Defizite bei Prävention, Therapie und Pflege.

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Ein nationales Kompetenzzentrum soll jetzt die Erforschung der Krankheit systematisieren. Das kündigte Bundesforschungsministerin Annette Schavan an.

Die Versorgungsforschung müsse herausfinden, mit welchen Instrumenten die Lebensqualität Demenzkranker und ihrer Angehörigen verbessert werden kann, fordert Professor Adelheid Kuhlmey, Medizinsoziologin an der Charité in Berlin, bei einem vom Bundesgesundheits- und Bundesforschungsministerium initiierten Symposion. Kuhlmey gehört auch dem Gesundheits-Sachverständigenrat an, der erst jüngst eine bessere Koordination von Medizin und Pflege angemahnt hatte.

Weitgehend unbeantwortet sei die Frage, was eigentlich die Lebensqualität eines Demenzkranken ausmache "Wie kann die verbliebene Kompetenz durch bessere Versorgung so gestützt werden, dass Lebensqualität, und sei es nur für wenige Tage, hergestellt oder erhalten werden kann?" fragte Kuhlmey.

Chancen sieht die Medizinsoziologin in einem Ausbau der Integrierten Versorgung. Sie räumte ein, dass im Augenblick die verschiedenen Akteure nicht immer an einem Strang ziehen. Der Arzt wolle die kognitiven Defizite des Kranken mindern und den Krankheitsverlauf verzögern. Die Angehörigen wünschen eine Anpassung zum Beispiel des Schlaf-Wach-Rhythmus an ihre Bedürfnisse. Die Kranken wollten sich so frei wie möglich bewegen. Wichtig sie zudem eine positive Ansprache. Die Kranken- oder Pflegekasse wolle den therapeutischen Nutzen zu günstigen Preisen.

Dass Demenz eine der großen Herausforderungen sein wird, ist inzwischen bei politischen Entscheidungsträgern angekommen. Wenn sich Prävention und Therapie nicht wesentlich verbessern, dürfte die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf mehr als zwei Millionen ansteigen.



STICHWORT

Nationales Kompetenzzentrum Demenz

Das neue Nationale Kompetenzzentrum Demenz soll unterschiedliche Forschungsdisziplinen zu altersbedingten neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer zusammenführen. Es geht um die Erforschung von Krankheitsursachen, Möglichkeiten der Prävention und Früherkennung, die Entwicklung wirksamer Therapien und die Untersuchung der psychosozialen Folgen von Demenzen. Darüber hinaus geht es auch um die besten Formen der Pflege und Versorgung, erläuterte Bundesforschungsministerin. Annette Schavan. (eb)

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