Direkt zum Inhaltsbereich

Schlafapnoe war Ursache resistenter Hypertonie

Auch mit einer medikamentösen Vierfachkombination sank der hohe Blutdruck eines übergewichtigen Patienten kaum. Als Ursache der Hypertonie wurde im Schlaflabor eine obstruktive Schlafapnoe ermittelt.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Unter einer CPAP-Therapie kann sich auch ein hartnäckig erhöhter Blutdruck bessern.

Unter einer CPAP-Therapie kann sich auch ein hartnäckig erhöhter Blutdruck bessern.

© Howard Sandler / fotolia.com

BERLIN. Jeder kennt solche Patienten: Der Blutdruck ist selbst mit Fünffachkombinationen nicht in den Griff zu kriegen. Und alle Ursachen für sekundäre Hypertonien sind (scheinbar) ausgeschlossen. Unter Umständen lohnt hier ein Blick auf die nächtliche Sauerstoffsättigung.

"Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist eine der vier häufigen Ursachen für eine sekundäre Hypertonie", betonte Professor Thomas Philipp, ehemals Universität Essen, bei der Jahrestagung der Hochdruckliga in Berlin. Trotzdem werde es oft vergessen.

"Häufig" heißt bei der sekundären Hypertonie, dass mehr als ein Prozent aller Hypertoniker ihren Bluthochdruck einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom verdanken.

Die drei anderen häufigen Formen der sekundären Hypertonie sind der renoparenchymatöse Hochdruck, der renovaskuläre Hochdruck bei Nierenarterienstenose und der Mineralokortikoidexzess bei Tumoren der Nebennierenrinde.

Philipp berichtete bei einer von Berlin Chemie unterstützen Veranstaltung von einem Patienten mit metabolischem Syndrom, der seit über zehn Jahren eine arterielle Hypertonie hatte und trotz antihypertensiver Vielfachkombination - insgesamt zehn Tabletten pro Tag - mit einem Blutdruck von 190/115 mmHg vorstellig wurde.

Der Patient beschrieb unter anderem Müdigkeit und Leistungsminderung. "Wir konnten durch Optimierung der medikamentösen Therapie einen gewissen Effekt erreichen, aber das Ergebnis war nicht zufriedenstellend", so Philipp.

Erst als beschlossen wurde, dem Patienten ein mobiles Monitoringgerät mit nach Hause zu geben, das nachts die Sauerstoffsättigung misst, kam der Durchbruch in der Behandlung.

"Der Patient hatte nachts mehrfach für mehrere Minuten eine Sauerstoffsättigung von unter 75 Prozent", so Philipp. Auf Intensivstationen wäre das ein Grund für eine Beatmung.

Nach diesem Befund ging der Patient schnurstracks ins Schlaflabor, wo dann die obstruktive Schlafapnoe definitiv gesichert werden konnte.

Unter CPAP-Therapie verbesserte sich die chronische Hypoxie und im Gefolge auch der Blutdruck. Mit einer Dreifachkombination lag der Druck am Ende stabil bei 130/85 mmHg.

Philipp warnte davor, pauschal zu unterstellen, dass ein Patient ohnehin keine CPAP-Therapie durchhalten würde. Die Compliance bei dieser Therapie sei sehr hoch, und der Effekt auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität durchschlagend, so der Experte.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falscher Sicherheit wiegt

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Zähneknirschen

Wann Hausärzte an Bruxismus denken sollten – und was dann zu tun ist

Lesetipps
Arzt füllt Rezept aus

© Bernhard Schmerl / stock.adobe.com

Verordnungen

Praxisbesonderheiten werden erst bei neuen Vereinbarungen abgeschafft

Blutgefäß mit Thrombose.

© Tinttrex / stock.adobe.com / Generated with AI

Therapie je nach Risiko

Akute Lungenembolie: Was die optimale Therapie ausmacht