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Starke Verhaltensstörungen bei Demenz erfordern Neuroleptikum

KÖLN (nsi). Fast alle Demenz-Kranken entwickeln im Laufe der Erkrankung Wahnvorstellungen, Bewegungsdrang, Unruhe und aggressives Verhalten. Oft liegt dies daran, dass die Patienten langsam die Orientierung verlieren und sich in der einst vertrauten Welt nicht mehr zurecht finden. Wenn die Störungen sehr ausgeprägt sind, ist oft eine Neuroleptika-Therapie nötig.

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Ein Demenzpatient hält die Ehefrau, die ihn pflegt, nicht für seine Gattin, sondern für eine Betrügerin, ein anderer hält Fremde für verkleidete Angehörige. Ein ehemaliger Architekt, ebenfalls demenzkrank, glaubt, seine Wohnung werde ständig umgebaut und entspreche nicht mehr den eigenen Entwürfen: Die Türen zum Beispiel seien nicht mehr dort, wo sie hingehörten, klagt er dem behandelnden Arzt.

Eine Patientin meint, Fremde in der Wohnung zu haben und bespitzelt zu werden. "Es ist klar, dass man bei solchen Vorstellungen ständig in Unruhe ist und auch nicht mehr schlafen kann", sagt Privatdozent Klaus-Christian Steinwachs vom Institut für Gerontopsychiatrie der Universität Erlangen-Nürnberg.

90 Prozent der Alzheimerkranken erleben im Verlauf ihrer Krankheit ein Stadium, in dem sie verhaltensauffällig sind, meist im mittleren Stadium der Erkrankung. "Es ist die Welt der Ziellosigkeit, in der sich die Patienten jetzt befinden", so Steinwachs auf einem Symposium von Janssen-Cilag in Köln.

Sowohl die Patienten als auch ihre Umgebung würden durch die Verhaltensauffälligkeiten stark belastet. "Selbst wenn Patienten nicht unter ihrem aggressiven Verhalten selbst leiden, zum Beispiel, wenn sie aggressiv gegen Pflegende sind, so leiden sie an den Folgen, nämlich dass die Umgebung mit ihnen nur sehr reduziert in Kontakt treten kann", sagte der Gerontopsychiater.

Wenn Angehörige oder Heimpersonal über ausgeprägte, demenzbedingte Verhaltensauffälligkeiten berichteten, sei es Aufgabe der Ärzte, eine leitliniengerechte Behandlung mit Neuroleptika einzuleiten. Generell sollten die Medikamente langsam aufdosiert und niedrige Erhaltungsdosen gewählt werden. "Außerdem sollten Ärzte etwa alle sechs Wochen die Indikation überprüfen, unter anderem mit Hilfe der Pflegeberichte", rät Steinwachs.

Neurologische und gerontologische Fachgesellschaften sowie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfehlen Risperidon (Risperdal®) als Medikament der ersten Wahl. 1 mg pro Tag reiche meist zur Therapie bei ausgeprägten, demenzbedingten Verhaltensstörungen, sagte Steinwachs. In dieser niedrigen Dosierung seien unerwünschte extrapyramidale Wirkungen in den Studien nicht häufiger vorgekommen als bei Placebo.

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