Corona-Splitter der KW 36/2021

COVID-Geimpfte übertragen selten Viren auf ungeimpfte Mitbewohner

Die COVID-Impfung beugt auch SARS-CoV-2-Übertragungen vor, hat eine Studie in Schottland ergeben: Dort wurden Haushaltskontakte von geimpften Risikopersonen aus Praxen und Kliniken unter die Lupe genommen.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Welcher ist immunogener – der Corona-Impfstoff von BioNTech oder der von Moderna?

Schutz für die ganze Familie: Die Impfung reduziert auch die Übertragung von Viren auf Ungeimpfte im selben Haushalt.

© Philip Steury / stock.adobe.com

Update vom 10. September

Geimpfte übertragen seltener SARS-CoV-2 als Ungeimpfte. Das berichten Forscher und Forscherinnen von Public Health Scotland. Sie haben sich Infektionen in privaten Haushalten von 144.525 medizinischen Profis zwischen Anfang Dezember und Anfang März angeschaut, und zwar vor und nach der Impfung der medizinischen Haushaltsangehörigen. Daten von 194.362 Mitbewohner (aus 92.470 Haushalten) standen zur Verfügung. Ergebnis nach Herausrechnen von Störfaktoren: Vor Impfung ergab sich bei den ungeimpften Kontaktpersonen eine Rate von 9,4 laborbestätigten Infektionen pro 1000 und Jahr, ab 14 Tage nach der ersten Dosis waren es 5,93 und nach der zweiten Dosis 2,98. Etwa vier von fünf Impflingen waren mit der mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer geimpft worden, die anderen mit der Vektor-Vakzine von AstraZeneca. Die Forscher merken an, dass sich wahrscheinlich Haushaltsmitglieder auch bei Kontakten außerhalb des Haushalts angesteckt haben und der Effekt der Impfung auf die Übertragungen durch die Daten eher unterschätzt werde (New Eng J Med 2021; online 8. September).

Update vom 9. September

Realworld-Daten aus den USA bestätigen erneut die gute Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe. In einer Studie der Seuchenbehörde CDC hatten Forscherinnen und Forscher Daten zum Impfstatus von Patienten im Alter ab 50 Jahre mit PCR-bestätigter COVID aus der Zeit von Januar bis Juni 2021 ausgewertet: 41.552 Betroffene waren stationär eingewiesen worden, 21.522 hatten sich in Notfallambulanzen vorgestellt. Die Analyse wurde mit einem sogenannten „Test-negativ“-Design vorgenommen. Dabei werden die Wahrscheinlichkeiten für ein positives Testergebnis bei Geimpften sowie Ungeimpften miteinander verglichen und daraus die Impfstoffwirksamkeit errechnet. Ergebnis für die beiden mRNA-Impfstoffe (Moderna, BioNTech/Pfizer): 89 Prozent Schutz gegen laborbestätigte COVID mit stationärer Therapie, 90 Prozent Schutz vor Aufnahme auf Intensivstation und 91 Prozent Schutz vor COVID-Bestätigung bei Vorstellung in einer Notfallambulanz. Zum Vergleich der Vektorimpfstoff (Johnson&Johnson): 68 Prozent Schutz vor COVID mit stationärer Therapie und 73 Prozent Schutz vor positivem Corona-Test in einer Notfallambulanz (New Eng J Med 2021; online 8. September).

Update vom 8. September

In der Pandemie bleiben viele Krebserkrankungen unerkannt. Das hat die Analyse von Daten des US-Testanbieters Quest Diagnostics ergeben. Im Fokus waren Mammakarzinome (nur bei Frauen), kolorektale, Lungen-, Pankreas-, Zervix-, Magen-, Ösophagus- und Prostatakarzinome. Verglichen wurden die 15 Monate vor der Pandemie mit drei pandemischen Perioden (März bis Mai 2020; Juni bis Oktober 2020 und November 2020 bis März 2021). Während der ersten pandemischen Periode ging die durchschnittliche Anzahl neu gestellter Diagnosen aller acht Krebsarten im Schnitt um 29,8 Prozent zurück, und zwar von 21,2 Prozent für das Pankreaskarzinom bis 36,1 Prozent für das Mammakarzinom. In der zweiten Periode setzte sich der Trend weniger stark fort (9,6 Prozent Rückgang im Schnitt). In der dritten Periode betrug der Rückgang 19,1 Prozent.

Ähnliche Erfahrungen in Europa kommentiert die Europäische Kommission: Die COVID-19-Pandemie hat gravierende Folgen für die Versorgung Krebskranker gehabt, die Prävention und Behandlungen wurden abgebrochen, Diagnosen und Impfungen haben sich verzögert und der Zugang zu Arzneimitteln war erschwert. (JAMA Netw Open. 2021; online 31. August); Europas Plan gegen den Krebs). (nz)

Update vom 7. September

Die Zahl der Organtransplantationen ist im Pandemiejahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent gesunken. Das berichtet ein internationales Team, dass sich die Situation in 22 Industrie- und Schwellenländern in Europa, Asien und Amerika angeschaut hat. In allen diesen Ländern habe es einen scharfen Rückgang gegeben, vor allem bei Nierentransplantationen, aber auch bei lebensrettenden Transplantationen wie Leber, Lunge und Herz. Nach den Berechnungen habe dies in den Ländern die Betroffenen über 48.000 Lebensjahre gekostet. Am stärksten ausgeprägt war der Rückgang in den ersten drei Monaten der Pandemie sowie in den Monaten Oktober bis Dezember. Deutlich werden große Unterschiede zwischen einzelnen Ländern: So werden Deutschland und einige Regionen in den USA lobend erwähnt. Diese hätten das Transplantationsvolumen trotz hoher Dringlichkeit von Kontrollmaßnahmen gegen COVID-19 relativ gut aufrecht erhalten können (Lancet Public Health 2021; online 30. August).

Update vom 6. September

Schulschließungen in den USA waren mit einer Zunahme psychischer Probleme bei Kindern assoziiert. Das berichtet ein Team von der University of Washington School of Medicine in Seattle (USA). Es hat 2324 Eltern von Schülern im vergangenen Dezember einen Fragebogen dazu vorgelegt. Nur ein Teil der Kinder war von Schulschließungen betroffen. Insgesamt berichteten Eltern von Kindern aus geschlossenen Schulen im Vergleich zu Kindern weiterhin geöffneter Schulen geringfügig aber statistisch signifikant häufiger von Emotionsproblemen, Problemen mit Mitschülern, Verhaltensstörungen und Hyperaktivität. Die Probleme und Störungen wurden ingesamt deutlich häufiger angegeben bei älteren Kindern, Kindern von Latinos oder Schwarzen sowie auch bei Kindern aus einkommensschwachen Familien. Solche Kinder waren zudem überproportional häufiger von Schulschließungen betroffen, als Kinder aus weißen Familien mit höherem Einkommen. Es sei jetzt eine Aufgabe der öffentlichen Gesundheit, Ressourcen bereitzustellen, um bei Betroffenen gegen die entstandenen psychischen Probleme und Bildungslücken vorzugehen (JAMA Network Open. 2021; online 3. September).

Verschlechtertes Arbeitsklima in der Praxis, fehlende Schutzkleidung und Sorgen um die Patientenversorgung: Das waren besonders häufige Probleme, die niedergelassene Ärztinnen und Ärzte im Projekt COVID-GAMS („COVID-19 Crisis and its impact on the German ambulatory sector“) in der ersten Pandemiewelle angegeben haben. In dieser weiteren Umfrage in Arztpraxen haben Forschende der Universität Köln im März und April 2020 18.000 Niedergelassenen einen Online-Fragebogen zugemailt. 1703 davon (darunter 535 Hausärzte) haben geantwortet. 22 Prozent berichteten über ein verschlechtertes Arbeitsklima, belastend seien die Kommunikation neuer Leitlinien sowie ein verändertes Praxismanagement gewesen. Allerdings gaben auch 15 Prozent an, das berufliche Miteinander habe sich in der Krisensituation verbessert. Als häufige Belastungen wurden zudem fehlende Schutzkleidung und Sorgen genannt, die Patienten trotz der Corona-bedingten Umstellungen adäquat versorgen zu können. Ebenfalls gab es Ängste vor möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie. (Family Practice 2021; online 27. August). (bs)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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