Corona-Splitter der KW 19/2021

Erst- und Booster-Impfung mit unterschiedlichen Vakzinen?

Was passiert, wenn für die Booster-Impfung eine andere Vakzine verwendet wird als für die Erstimpfung? Britische Forscher präsentieren jetzt vorläufige Daten zu möglichen Impf-Nebenwirkungen.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Welche COVID-19-Vakzine nehmen für die Booster-Impfung?

Welche Corona-Vakzine nehmen für die Booster-Impfung?

© Leigh Prather / stock.adobe.com

Update vom 14. Mai

Wird für die beiden Corona-Impfungen die Vektor-Vazine von AstraZeneca mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech zu kombiniert, könnte dies zu mehr systemischen Impf-Nebenwirkungen führen. Darauf schließen zumindest britische Forscher, die Impf-Nebenwirkungen bei etwa 460 Probanden (Alter über 50 Jahre) dokumentiert haben, aus Zwischenergebnissen ihrer Studie. Alle Teilnehmer wurden zweimal – im Abstand von vier Wochen – geimpft. Es wurden vier Impf-Schemata verglichen: zweimalige Impfung mit AstraZeneca, zweimalig BioNTech, AstraZeneca gefolgt von BioNTech und – umgekehrt – BioNTech gefolgt von AstraZeneca. Nach der Booster-Impfung mit gleicher Vakzine wie bei der Erstimpfung hätten sich 10 Prozent (AstraZeneca) und 21 Prozent (BioNTech) der Probanden fiebrig gefühlt, nach Booster-Impfung mit jeweils der anderen Vakzine 34 Prozent (AstraZeneca gefolgt von BioNTech) und 41 Prozent (BioNTech, dann AstraZeneca), so die Forscher. Ähnliches sei etwa für die Symptome Fatigue, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen beobachtet worden (The Lancet; online 12. Mai). (mal)

Update vom 12. Mai

Von der Einstellung der Eltern gegenüber der COVID-19-Impfung hängt ab, ob der Nachwuchs geimpft wird oder nicht. Dieses – wenig überraschende – Umfrageergebnis präsentieren Forscher des KFF COVID-19 Vaccine Monitor (online 6. Mai). 58 Prozent der Eltern, die sich selbst nicht impfen lassen wollten, waren auch gegen eine Impfung des eigenen Nachwuchses. Einer solchen Impfung des Nachwuchses standen aber auch vier Prozent der Eltern, die sich selbst schon hatten impfen lassen oder dies geplant hatten, ablehnend gegenüber. Die KFF (Kaiser Family Foundation) betreibt als gemeinnützige Organisation Forschung zu Themen der Gesundheitsversorgung. (mal)

Eine Schluckimpfung gegen COVID-19 ist – wenn überhaupt – noch in weiter Sicht. Neben den Atemwegen gilt ja der Darm als wichtiges Einfallstor von SARS-CoV-2 in den menschlichen Körper. Die Immunantwort des Darmes reicht für eine systemische Immunität möglicherweise aber nicht aus, melden Forscher der Uni Erlangen-Nürnberg (Frontiers in Immunology 2021; 20. April). In ihrer Studie haben sie die Immunzellen in Blutproben von COVID-Patienten, von Genesenen und von Gesunden unter die Lupe genommen. Lymphozyten, die durch die Immunantwort des Darmes entstanden sind, ließen sich dabei anhand des Markers a4b7 integrin erkennen. Unabhängig davon, ob COVID-Patienten gastrointestinale Symptome hatten oder nicht, fanden die Forscher relativ wenige Immunzellen mit diesem Marker in den Blutproben. (mal)

Update vom 11. Mai

Langfristige Gesundheitsstörungen von rein ambulant versorgten COVID-Patienten betreffen vor allem die Atemwege und die Blutgerinnung. Das folgern dänische Forscher nach Analyse der Daten von knapp 9000 COVID-Patienten und etwa 81.000 negativ auf SARS-CoV-2 getesteten Kontrollen (Lancet Infect Dis; online 10. Mai). Bei allen Studienteilnehmern waren gesundheitliche Probleme dokumentiert worden, die frühestens zwei Wochen und spätestens sechs Monate nach dem Coronatest aufgetreten waren und zum Kontakt mit einer stationären Einrichtung ohne stationäre Aufnahme geführt hatten. Dyspnoe war demnach bei 1,2 Prozent (Erkrankte) und 0,7 Prozent (Kontrollgruppe) diagnostiziert worden, venöse thromboembolische Ereignisse bei 0,2 und 0,1 Prozent. Auch wurden COVID-Patienten im weiteren Verlauf etwas häufiger kurz wirksame Bronchodilatatoren (1,7 Prozent versus 1,3 Prozent) und Triptane (0,4 Prozent versus 0,3 Prozent) neu als Pharmakotherapien verordnet. (mal)

Wie häufig sind Komplikationen bei nasopharyngealer Probenentnahme für Tests auf COVID-19? Finnische Forscher liefern dazu jetzt Daten auf Basis von Abstrichen bei fast 643.300 Personen: Auf 100.000 Tests kamen danach 1,24 Fälle mit Komplikationen. Acht Personen, sieben Frauen und ein Mann hatten sich aufgrund von Komplikationen in der HNO-Notfallambulanz vorgestellt. Bei vier von ihnen waren nach der Probenentnahme Blutungen aufgetreten, bei vier weiteren war das Teststäbchen zerbrochen und in der Nase geblieben. Die abgebrochenen Stäbchenteile wurden endoskopisch unter Lokalanästhesie entfernt, die Blutungen medikamentös, mit Tamponaden oder mit einem endovaskulären Eingriff gestillt. Bei drei Patienten traten lokale Infektionen der Wunde auf, einer entwickelte eine systemische Entzündung. In einem Fall kam es zur Perforation der Nasenscheidewand, vermutlich durch den Einsatz von Tamponaden. Die Hälfte der Blutungen wurde mit einem Hämoglobinspiegel unter 6,5 g/dl als potenziell lebensbedrohlich eingestuft. Drei Patienten benötigten Bluttransfusionen (JAMA Otolaryngol Head Neck Surg; online 29. April). (sj)

Update vom 10. Mai

Eine Therapie mit NSAR verschlechtert die Prognose bei COVID-19 wohl nicht. Das folgern britische Forscher auf Basis der Ergebnisse einer Kohortenstudie, in der rund 72.200 COVID-19-Patienten berücksichtigt wurden (The Lancet Rheumatology; online 7. Mai). Etwa 4200 davon hatten zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme oder innerhalb der zwei Wochen zuvor eine NSAR-Therapie. Beim Vergleich der stationären Verläufe ergab sich kein signifikanter Unterschied – weder bei der Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Therapie, dem Bedarf einer Sauerstofftherapie, noch bei der Mortalität. (mal)

Bei autoimmuner, chronisch-entzündlicher Erkrankung muss bei COVID-Impfung mit Comirnaty® mit einer schlechteren Immunantwort gerechnet werden als bei Gesunden. In einer Studie des Deutschen Zentrums Immuntherapie am Uniklinikum Erlangen mit knapp 270 Probanden hatte nur einer von 100 Gesunden keine neutralisierenden Antikörper entwickelt; bei Patienten mit einer Immuntherapie traf dies dagegen für einen von zehn zu (Annals of the Rheumatic Diseases; online 6. Mai). Dabei seien etwaige entzündungshemmende Therapien offensichtlich gar nicht die Ursache für das verminderte Ansprechen mancher Patienten, so die Autoren, sondern die Erkrankung an sich. (mal)

Nicht nur unter, sondern auch über 60-jährige Frauen haben bei Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine wohl ein erhöhtes Risiko für Sinus- und Hirnvenenthrombosen. Das ist ein Ergebnis einer Studie, in der Neurologen aus Deutschland die Daten von 62 Patienten mit zerebrovaskulären Komplikationen innerhalb eines Monats nach COVID-Impfung ausgewertet haben (medRxiv, BMJ; online 4. Mai). Die Inzidenzrate von Hirnvenenthrombosen beträgt danach bei über 60-jährigen Frauen 20,5/100.000 Personenjahre und 24,2/100.000 bei unter 60-jährigen Frauen. (sj)

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage nun wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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