Corona-Splitter der KW 33/2021

Immunsystem von Kindern kann SARS-CoV-2 besser abwehren

Blick auf neue Corona-Studien: Noch bevor SARS-CoV-2 überhaupt dorthin vordringt, sind die Zellen im Nasen-Rachen-Raum von Kindern schon in einer höheren Alarmbereitschaft als die von Erwachsenen, berichtet ein Team der Charité Berlin.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Schutz vor SARS-CoV-2: Mit einer Kombination aus zwei monoklonalen Antikörpern konnten hier gute Ergebnisse erzielt werden.

Corona-Abstandsregeln bei Kindern: Ihr Immunsystem ist in den oberen Atemwegen offenbar wachsamer als das von Erwachsenen.

© ManuPadilla / stock.adobe.com

Update vom 20. August

Das Immunsystem von Kindern ist offenbar fitter gegen Corona: Bei Kindern ist das Immunsystem in den oberen Atemwegen deutlich stärker aktiv als bei Erwachsenen. Das berichten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Charité Berlin, die Zellen aus dem Nasen-Rachen-Raum von 42 Kindern und 44 Erwachsenen untersucht haben. Ergebnis: In den Zellen der Kinder waren Mustererkennungsrezeptoren deutlich stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen, das Immunsystem der Kinder war deshalb besser vorbereitet für eine Immunantwort gegen SARS-CoV-2. Die Kinder zeigten zudem in den ersten Tagen nach Infektion eine stärkere Interferon-Antwort als Erwachsene. Das passt zu bereits veröffentlichten Ergebnissen, nach denen sich Kinder ähnlich häufig mit SARS-CoV-2 infizieren wie Erwachsene, aber eine geringere Viruslast haben, das Virus schneller eliminieren und seltener an COVID-19 erkranken, schreiben die Forschenden (Nat Biotechnol 2021; online 18. August).

Update vom 19. August

Delta-Variante und Impfdurchbrüche: Wegen der Delta-Variante von SARS-CoV-2 scheint die Menge an Impfdurchbrüchen in den USA höher zu sein als erwartet. Die „New York Times“ hat Daten aus sieben US-Bundesstaaten gesammelt, die Durchbruchinfektionen erheben, nämlich Kalifornien, Colorado, Massachusetts, Oregon, Utah, Vermont und Virginia. Demzufolge machen Durchbruchinfektionen dort aktuell 12 bis 24 Prozent der COVID-19-Hospitalisierungen aus. Der US-Behörde CDC zufolge liegt das vor allem an hohem Alter und/oder Immunschwäche oder Begleiterkrankungen der Betroffenen: 74 Prozent der Durchbruchinfektionen sollen bei Personen älter als 65 stattgefunden haben, in Oregon etwa liegt das mediane Alter bei Tod nach einer Durchbruchinfektion bei 83 Jahren. Da also vor allem Risikogruppen gefährdet sind, unterstreicht das die Bedeutung von Booster-Impfungen für diese Gruppen. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass Durchbruchinfektionen insgesamt selten vorkommen und kein Zweifel an der starken Schutzwirkung der Impfstoffe besteht (Bericht der New York Times, veröffentlicht am 17. August).

Orale oder intravenöse Kortikosteroide bei hospitalisierten Patienten mit COVID-19 bewirken offenbar eine leichte Reduktion der Sterblichkeit. Außerdem erhöhen sie wohl die Zahl der Tage, die Patienten ohne zusätzliche Beatmung auskommen. Das sind die Ergebnisse eines Cochrane-Reviews auf Basis von elf randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 8075 Patienten. Am häufigsten sei dabei Dexamethason eingesetzt worden. Dem Review zufolge starben von 1000 Patienten 30 weniger innerhalb von vier Wochen nach Erkrankung, wenn sie mit Kortikosteroiden statt Placebo beziehungsweise Standardtherapie behandelt wurden (245 versus 275 Todesfälle). Die Vertrauenswürdigkeit der Daten stufen die Cochrane-Autoren als moderat bis gering ein. Keine Aussagen ließen sich dazu treffen, welche Steroide am effektivsten sind, welche unerwünschten Effekte es gibt, welche Ergebnisse der Steroid-Einsatz bei asymptomatischen oder leichten Verläufen hat sowie was der Steroid-Einsatz für die Zeit nach den untersuchten vier Wochen bewirkt (Cochrane Library 2021; online 16. August).

Update vom 18. August

Rein symptombasiertes Screening bei Einreise nicht sinnvoll: Würden bei einer Einreise nach Deutschland nur diejenigen Reisenden auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 getestet, die auch Symptome haben, würde nur ein kleiner Teil der Infektionen entdeckt werden. Das berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Das RKI hat Daten aus der Zeit von Juni bis November 2020 ausgewertet. Danach hatten nur 18 Prozent der 32.806 an das RKI gemeldeten Personen mit einer reise-assoziierten SARS-CoV-2-Infektion am Tag der Rückreise nach Deutschland Symptome, binnen fünf Tage nach Einreise waren es 46 Prozent. Das RKI weist außerdem darauf hin, dass mit einem Test am Tag der Einreise keine frischen Infektionen entdeckt werden könnten. Diese Daten bestätigten dem RKI zufolge die Vorgehensweise aus einer Kombination von Quarantäne bis zu einem negativen Testergebnis und einem Test am fünften Tag. Reise-assoziierte SARS-CoV-2-Infektionen waren im Sommer 2020 für zehn bis 20 Prozent aller Infektionen verantwortlich, schreibt das RKI (Epid Bull 32/2021; online 12. August).

Update vom 17. August

Phase-I-Daten zur dritten Impfdosis: Die Unternehmen BioNTech und Pfizer haben erste Studiendaten zur Beurteilung einer Auffrischimpfdosis von Comirnaty® bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Demnach erzeugt die dritte Dosis signifikant höhere neutralisierende Antikörpertiter als die zweite Impfdosis, auch gegen die Virus-Varianten Beta und Delta. Die Neutralisierung der Varianten Beta und Delta sei außerdem ähnlich gut wie beim Wildtyp von SARS-CoV-2, heißt es in einer Mitteilung von BioNTech. Das Unternehmen geht von einem Impfintervall von sechs bis zwölf Monaten zwischen erster und dritter Dosis aus, die Probanden der Phase-I-Studie erhielten ihre Dosis acht bis neun Monate nach der Erstdosis. Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie zur Evaluierung der dritten Dosis würden in Kürze erwartet. Eine dritte Dosis Comirnaty® ist in den USA aktuell nicht breit zugelassen, es gibt jedoch seit 12. August eine Notfallzulassung für Personen über zwölf Jahre mit Organtransplantation oder Immunschwäche, schreibt das Unternehmen. (Mitteilung des Unternehmens BioNTech, veröffentlicht am 16. August)

Das Unternehmen Curevac aus Tübingen testet eine zweite Generation seiner mRNA-Vakzine in präklinischen Studien: Der neue Corona-Impfstoff CV2CoV (die erste Generation hieß CVnCoV) wird in Kooperation mit GSK entwickelt und hat in präklinischen Studien an Affen eine deutlich bessere Immunantwort hervorgerufen als die erste Generation, teilt Curevac mit. Die Immunantwort bei den Cynomolgus-Affen sei ähnlich stark wie bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 gewesen. Außerdem würden auch Virusvarianten, darunter Beta, Delta und Lambda, neutralisiert. Eine klinische Phase-I-Studie soll der Mitteilung zufolge im vierten Quartal 2021 beginnen. (Mitteilung des Unternehmens Curevac, veröffentlicht am 16. August)

Update vom 16. August

Sechs-Monats-Daten zu Spikevax®: Auch gegen besorgniserregende oder zu beobachtende Varianten von SARS-CoV-2, darunter die Delta-Variante, erzeugt die Vakzine Spikevax® des Unternehmens Moderna eine robuste Immunantwort. Das ist ein Ergebnis einer kleinen Studie mit 24 Probanden. Unter den Studienautoren befinden sich auch Mitarbeiter von Moderna. Die Studie bestätigt die Wirksamkeit der Vakzine über einen Zeitraum von sechs Monaten: 209 Tage nach der zweiten Impfdosis neutralisierten die Seren den Wildtyp von SARS-CoV-2 sowie die Varianten Alpha (B.1.1.7), Gamma (P.1), Delta (B.1.617.2) und Iota (B.1.526) mit einer Wirksamkeit von etwa 90 Prozent. Bei der Variante Beta (B.1.351) war die Wirksamkeit mit 54 bis 58 Prozent geringer (Science 2021; online 12. August).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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