Corona-Splitter der KW 32/2021

SARS-CoV-2-Virusvarianten: Impf-Booster bei Genesenen erhöht Schutzwirkung

Mit einer zweiten COVID-Impfdosis lässt sich bei Genesenen wohl ein besserer Schutz vor Virusvarianten erreichen. Und: Mehr als jeder zehnte mild Erkrankte berichtet Monate später noch über Gedächtnisprobleme.

Von Anne BäurleAnne Bäurle und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel und Marco MrusekMarco Mrusek Veröffentlicht:
Schutz vor SARS-CoV-2: Mit einer Kombination aus zwei monoklonalen Antikörpern konnten hier gute Ergebnisse erzielt werden.

Virusvarianten von SARS-CoV-2: Auch für Rekonvaleszenten könnte eine zweimalige Impfung mit einem mRNA-Impfstoff sinnvoll sein. Dann nämlich wird die Immunantwort gegen Virusvarianten offenbar deutlich verbessert. (Symbolbild)

© freshidea / stock.adobe.com

Update vom 13. August

Ein Impf-Booster schützt Genesene wohl effektiver vor Virusvarianten: Eine zweite mRNA-Impfung verstärkt bei Rekonvaleszenten das Spektrum der Immunantwort, die Schutzwirkung gegen Virusvarianten wird deutlich verbessert. Das hat eine Studie mit 45 Klinikmitarbeiterinnen und -mitarbeitern aus dem Vereinigten Königreich ergeben, die zweimal mit Comirnaty® geimpft worden waren. 20 von ihnen waren vor der Impfung bereits an COVID-19 erkrankt gewesen, 25 nicht. Bei den Rekonvaleszenten wurde bereits nach der ersten Impfdosis eine effektive Immunantwort induziert. Personen, die vor der Impfung nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, benötigten für einen ausreichenden Immunschutz die zweimalige Dosis. Allerdings stellte das Team auch fest, dass auch bei Rekonvaleszenten die Immunantwort gegen die Virusvarianten Beta (B.1.351) und Gamma (P.1) nach der ersten Impfung nur schwach ausfiel. Erst die zweite Dosis verstärkte die Immunantwort, die Bandbreite der neutralisierenden Antikörper sei deutlich größer ausgefallen, schreibt das Team. Eine Boosterimpfung könne daher auch für Genesene mit Blick auf neue Virusvarianten sinnvoll sein (Sci Translat Med 2021; online 10. August).

Mehr als jeder zehnte COVID-19-Kranke mit mildem Verlauf berichtet acht Monate später noch über Gedächtnisprobleme. Der Anteil ist damit fünffach höher als in der vergleichbar alten Allgemeinbevölkerung, so das Ergebnis einer Studie. Ein Team der Universität in Oslo hatte alle rund 53.000 Norweger angeschrieben, die in der ersten Corona-Welle auf SARS-CoV-2 getestet worden waren. 8800 Personen nahmen an einer ersten Befragung kurz nach ihrer Infektion teil, darunter waren etwa 800 SARS-CoV-2-Infizierte. Diesen stellte das Team 4200 alters- und geschlechtsadjustierte Personen aus der Allgemeinbevölkerung gegenüber, die allesamt keinen Test erhalten hatten. Drei Viertel aller Befragten füllten acht Monate später erneut einen Fragebogen aus. Die gute Nachricht: COVID-19 hatte keine gravierenden langfristigen Folgen. Allerdings bejahten elf Prozent der COVID-19-Genesenen Gedächtnisprobleme in den vergangenen drei Monaten, unter den negativ Getesteten waren dies nur vier Prozent, in der ungetesteten Kontrollgruppe zwei Prozent. Berücksichtigte das Team Faktoren für Gedächtnisprobleme wie Schmerzen und Depressionen, kam es auf ein rund fünffach erhöhtes Risiko für solche Probleme unter den COVID-19-Genesenen verglichen mit Personen aus der Allgemeinbevölkerung (JAMA Netw Open 2021; online 29. Juli). (mut)

Update vom 12. August

Die in sehr seltenen Fällen nach Impfung mit einer mRNA-Vakzine bei jungen Menschen auftretenden Myokarditiden verlaufen wohl anders als andere Myokarditiden. Das zeigt eine kleine Fallserie mit 15 Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 18 Jahren aus den USA. Unter den Betroffenen war nur ein Mädchen. Die Beschwerden traten ein bis sechs Tage nach Impfung mit Comirnaty® (meist nach der zweiten Dosis) auf: Alle Patienten klagten über Brustschmerzen, die meisten hatten Fieber (67 Prozent), Myalgien (53 Prozent), 40 Prozent litten an Kopfschmerzen. In allen Fällen ließ sich bei Klinikaufnahme ein Troponin-Anstieg nachweisen. Die meisten Betroffenen wiesen eine normale linksventrikuläre Funktion auf. Nur bei dreien (20 Prozent) wurde in der Echokardiografie eine vorübergehend eingeschränkte Ejektionsfraktion nachgewiesen, und nur bei einem Patienten hatte sich die Pumpfunktion innerhalb des kurzen Follow-up (13 Tage nach Entlassung) nicht vollständig normalisiert. Bei anderen Myokarditis-Formen im Kindesalter kommen systolische linksventrikuläre Dysfunktionen und Rhythmusstörungen dagegen viel häufiger vor. Auch Aufenthalte auf Intensivstationen sind sonst keine Seltenheit, in der aktuellen Fallserie musste dagegen kein Kind auf die Intensivstation verlegt werden. Auch war der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt mit zwei Tagen vergleichsweise kurz. Das Team weist aber auch darauf hin, dass über den Langzeitverlauf dieser seltenen Impf-Komplikation bisher nichts bekannt ist (JAMA Cardiol 2021; online 10. August). (vsc)

Update vom 11. August

Langzeitfolgen bei hospitalisierten COVID-19-Patienten sind häufig: Mehr als ein Viertel (1668 Patienten) mussten nach der Klinikentlassung erneut in einem Krankenhaus behandelt werden, unter den Über-80-Jährigen waren es sogar 52 Prozent. Das sind Ergebnisse einer bundesweiten Langzeitstudie vom Wissenschaftlichen Institut der AOK mit insgesamt 8679 Patienten (mittleres Alter 72 Jahre), die zwischen Februar und April 2020 hospitalisiert und sechs Monate nachbeobachtet worden waren. 30 Prozent der Patienten (2566 Patienten) starben während des ersten Krankenhausaufenthaltes oder in den ersten sechs Monaten danach. Als Risikofaktoren für Tod innerhalb von sechs Monaten identifizierten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Koagulopathie, einen BMI ≥40, Lebererkrankung, metastasierten Krebs, ein fortgeschrittenes Alter sowie männliches Geschlecht. Die Forschenden weisen auf die Bedeutung einer engmaschigen Nachsorge für diese Patientinnen und Patienten hin (PLoS One 2021; online 5. August).

Update vom 10. August

Positiver Effekt von Remdesivir auf Sterblichkeit hospitalisierter COVID-19-Patientinnen und Patienten wohl nur in Subgruppe: Ein Cochrane-Review auf Basis fünf Placebo-kontrollierter Studien (n=7452) zur Wirkung von Remdesivir bei stationär behandelten COVID-Patientinnen und Patienten innerhalb von vier Wochen fand keinen oder nur einen geringen Nutzen. Von 1000 Betroffenen starben demnach acht weniger, wenn sie eine Behandlung mit Remdesivir erhielten, verglichen mit Placebo oder der Standardbehandlung (relatives Risiko [RR] 0,93). Es gab jedoch in einer Studie eine begrenzte Evidenz für einen positiven Einfluss auf die Mortalität in einer Subgruppe von 435 Patientinnen und Patienten, die eine Low-Flow-Sauerstoff-Behandlung erhielten (RR 0,32). Diese Ergebnisse konnte das Cochrane-Team jedoch aufgrund der eingeschränkten Verfügbarkeit der Subgruppen-Daten aus anderen Studien nicht verifizieren. Auch auf die Dauer einer notwendigen Beatmung oder die klinische Besserung scheint Remdesivir keine oder nur eine geringe Wirkung zu haben. Die Cochrane-Autorinnen und -autoren schränken ein, dass gesicherte Aussagen zum Thema aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Studiendaten schwierig seien. Das IQWiG fand kürzlich bei moderat erkrankten Erwachsenen mit Pneumonie, die bei Therapiebeginn eine Low-Flow-Sauerstofftherapie erhielten, einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Für schwerer Erkrankte sei ein Zusatznutzen hingegen nicht belegt. Auch das IQWiG betont, dass sich die Studiendaten nur schwer vergleichen ließen, da sich die Behandlung von COVID-Erkrankten rapide verändere (Cochrane Database of Systematic Reviews 2021; online 5. August).

Update vom 9. August

Hospitalisierte COVID-Patientinnen und Patienten sind offenbar deutlich häufiger von Long-COVID betroffen als ambulant behandelte. Das ist das Ergebnis einer Metaanalyse von insgesamt 28 Studien mit mehr als 230.000 Teilnehmenden, die ein österreichisches und belgisches Team vorgenommen hat. Demnach traten bei 39 bis 72 Prozent der stationär Behandelten innerhalb von ein bis drei Monaten nach Infektion Long-COVID-Symptome auf, in der Gruppe der ambulant Behandelten waren es 5 bis 36 Prozent. Nach mehr als sechs Monaten berichteten noch bis zu 60 Prozent der ehemals hospitalisierten Patientinnen und Patienten von Symptomen, bei den ambulant Behandelten waren es 13 bis 25 Prozent. Zu den Symptomen, von denen am häufigsten berichtet wurde, zählen Fatigue, Dyspnoe, Kopfschmerzen, Husten, Brustschmerzen und kognitive Beeinträchtigungen (Bericht vom Austrian Institute for Health Technology Assessment 2021; online 5. Juli).

Liebe Leser, wir fassen die Corona-Studienlage wöchentlich zusammen. Eine Übersicht mit allen bereits veröffentlichten COVID-19-Splittern der vergangenen Wochen und Monate finden Sie hier:

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